Fremdeln

Wenn Babys fremdeln

Nur wenige Wochen nach der Geburt beginnen Babys zu lächeln. Alle, die sich ihnen freundlich nähern, ernten in der Regel auch ein Lachen. Doch das ändert sich nach einiger Zeit.

Ein Kind beginnt im Alter von ungefähr sieben oder acht Monaten die Gesichter, welche sich ihm nähern, zu vergleichen. Und es stellt plötzlich empört fest, dass Gesichtszüge, Stimme und Geruch nicht mit seiner wichtigsten Bezugsperson – der Mutter – übereinstimmen. Und husch, geht das Heulen los. Denn die Feststellung, dass man das Gegenüber ja gar nicht kennt, macht den Kleinen Angst. Vor solchen „Ausbrüchen“ sind nicht einmal Väter oder Grossmütter sicher, denn in der Regel verbindet das Baby alles Angenehme wie Wärme, das Fläschchen, Sicherheit und Geborgenheit ganz natürlich mit seiner Mama.

In dieser Zeit kann auch manch eine Mutter stolz feststellen, dass sich das Lachen des Babys ihr gegenüber verändert: Es ist nicht mehr das herzige, allumfassende Lächeln, nein, das Baby gibt durch seinen Ausdruck zu verstehen: „Mami, ich meine dich, dich ganz persönlich!“

Es gibt Kinder, die bereits sehr früh zu fremdeln beginnen, andere etwas später. Das ist von Kind zu Kind verschieden. Aber praktisch alle Babys fremdeln, das gehört zu ihrer Entwicklung und ist ein ganz natürlicher Vorgang. Sie heulen auch nicht drauf los, weil sie Mamas Nerven testen wollen, ihre Angst und die Reaktionen darauf sind echt. Darum ist es wichtig, dass Mütter ihre Kinder in dieser Phase besonders gut verstehen, dass sie ihren Babys gerade dann viel Schutz und Geborgenheit bieten – und dass sie ihre Kinder auf keinen Fall zwingen, sich von „Fremden“ halten zu lassen. Auch sollte das Fremdeln nicht mit Zurechtweisungen quittiert werden. Am besten ist es, wenn Mütter ihre fremdelnden Babys zu sich nehmen, ihnen das Gefühl von Schutz vermitteln und ihnen so auch die Möglichkeit geben, sich langsam mit dem Unbekannten anzufreunden. Babys brauchen Zeit, um von sich aus Kontakt mit Fremden aufzunehmen. Diesen Vorgang erkennt man darin, dass Kinder gerne von Mamis Arm aus Blickkontakt zu Drittpersonen herstellen – und sofort wieder wegsehen, wenn der andere reagiert.

Sicher ist es manchmal anstrengend, wenn das Kind einem die ganze Zeit am „Schürzenzipfel“ hängt. Aber wer begreift, dass sich das Kleine so die Bestätigung für uneingeschränkte Liebe und Geborgenheit, für Verlässlichkeit und Zuneigung holt, wird dieses Fremdeln gerne in Kauf nehmen.

Da sich mit dem Fremdeln auch die Neugier auf Neues stetig weiterentwickelt, verlieren die Kleinen ihre Ängste in der Regel mit ungefähr 15 Monaten.

Es gibt einige kleine Tricks, wie den Babys das Fremdeln erleichtert werden kann:

  • Mama soll die Beschützerrolle, welche das Kind ihr zuweist, akzeptieren
  • Mama soll reagieren, trösten, wenn das Kind erste Berührungsängste zeigt
  • Mama soll zusammen mit dem Kind einen Schritt zurück gehen, wenn Angst vor Fremden aufkommt

Schon früh lässt sich mit kleinen „Versteckspielen“ üben, wie es ist, wenn Mama kurz weg ist (Gugus-Dada) – und wie verlässlich es ist, dass sie auch wieder zurückkommt. Aber wichtig auch hier: Das Kind darf über keine „Grenze“ hinaus gezwungen werden!

Trennungsängste bei Kindern

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Häufige Frage

Stimmt es, dass ein Kind, das nicht fremdelt, eine schlechte Mutterbindung hat?

Letzte Aktualisierung : 05.2016, VZ / BH

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