Die zerebrale Kinderlähmung

In Mitteleuropa leiden 2 bis 2,5 Kinder auf 1.000 Lebendgeburten an der infantilen Zerebralparese (ICP), auch cerebrale Kinderlähmung oder Morbus Little genannt. Zu unterscheiden ist sie von der infektiösen Kinderlähmung (Poliomyelitis). Besonders häufig ist die infantile Zerebralparese bei Frühgeborenen und Mehrlingen sowie Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht.

Die zerebrale Kinderlähmung bezeichnet eine Haltungs- und Bewegungsstörung infolge einer Funktionsstörung des Gehirns vor, während oder direkt nach der Geburt. Sie entsteht somit im noch nicht ausgereiften Gehirn. Dort können sowohl Hirnblutungen als auch Verschlüsse von Hirngefässen (also Mangeldurchblutungen), aber auch eine Zerstörung von Nervenzellen als Folge eines Sauerstoffmangels (Asphyxie) auftreten, die dann zu einer Vielzahl unterschiedlicher Symptome führen.

  • Spastische Form: Sie ist gekennzeichnet durch eine erhöhte Muskelspannung und verstärkte Reflexe. Dieser Krankheitstyp findet sich bei 85% aller betroffenen Kinder. Gleichzeitig besteht fast immer eine Schwäche der Bauch- und Rückenmuskulatur. Die spastische Form kann als Di-, Para- und Tetraparese bestehen.
  • Schlaffe Form: Die Muskelspannung fehlt fast völlig. 
  • Dyskinetische Form: Neben der Spastik kommt es zusätzlich zu unkontrollierbaren, unwillkürlichen Bewegungen (Athetose). 
  • Ataktische Form: Das Zusammenspiel der willkürlichen Bewegungen ist gestört (Verlust der Muskelkoordination).

Daneben bestehen nicht selten gleichzeitig eine Epilepsie, Lernschwierigkeiten, Verhaltensstörungen, Beeinträchtigungen der Sinnesorgane, der Augenbeweglichkeit und Feinmotorik.

Die Behandlung von Kindern mit zerebraler Kinderlähmung besteht aus vielen individuell abgestimmten Einzelbausteinen, z.B. Neuroorthopädie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Neuropsychologie. Ein einheitliches Therapiekonzept für die ICP gibt es leider aufgrund der Vielfalt der möglichen Symptome der Kinder und der hierdurch vorhandenen Behinderungen nicht. Dies verunsichert Eltern, Ärzte und Therapeuten, die immer wieder neue Wege zum Ziel finden müssen.

Stand: 04/14, BH