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Leistenbruch und Wasserbruch

Ein Leistenbruch kann sowohl bei Mädchen als auch Jungen angeboren sein. Etwa eines von 25 Babys kommt mit einem Leistenbruch zur Welt. Es besteht dabei eine Lücke in der Bauchwand unten in der Leistengegend, die sich während der vorgeburtlichen Entwicklung nicht richtig geschlossen hat. Weil der Samenstrang im Leistenbereich aus dem Bauch in den Hoden zieht und sich die Lücke in dieser Gegend oft unvollständig schliesst, sind Knaben viermal häufiger von einer Leistenhernie betroffen als Mädchen. Bei beiden Geschlechtern findet man einen Leistenbruch häufig unter Frühgeborenen

Durch die "Bruchpforte" können Darmanteile herausgepresst werden, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht, z.B. beim Schreien, Husten und Pressen. Von aussen sieht man eine einseitige, selten auch beidseitige Vorwölbung oder Schwellung in der Leistenbeuge, was häufig beim Windelwechsel oder beim Baden auffällt. Ein Tipp: Fotografieren Sie die Vorwölbung, dann kann sich Ihr Kinderarzt, Ihre Kinderärztin ein Bild davon machen, auch wenn in der Praxis alles normal ausschaut.

Mit den Fingern kann man die "Beule" meist ganz sanft zurückdrücken, das verursacht dem Kind keine Schmerzen. Andererseits können auch kleine Vorwölbungen und Hernien beim Anspannen der Bauchmuskulatur einklemmen und Schmerzen verursachen, weil sie nicht mehr richtig durchblutet werden. So können Teile des Darms (oder manchmal der Eierstock bei Mädchen) beschädigt werden und absterben. Betroffene Kinder sind unruhig, schreien viel und es kann zu Erbrechen kommen. Wenn sich die Vorwölbung rötlich/bläulich/lila verfärbt und/oder hart ist, sollten Sie sofort ins Spital fahren. 

Anders als Nabelbrüche verschliessen sich Leistenbrüche nicht mehr von alleine. Es ist sinnvoll, mit der Operation nicht bis zur gefährlichen Notfallsituation zu warten, denn irgendwann muss ohnehin operiert werden, weshalb die Leistenbruchoperation die am häufigsten durchgeführte Operation im Kindesalter ist. Die Operation ist heute in der Regel nur noch minimal invasiv, erfolgt über eine Bauchspiegelung (also ohne Hautschnitt) und nimmt nicht mehr als 20 bis 30 Minuten in Anspruch. Ein stationärer Aufenthalt ist nur bei Säuglingen unter einem halben Jahr nötig. Ansonsten können die Kinder meist schon wenige Stunden nach dem Eingriff das Spital verlassen. Die Nachsorge erfolgt beim Kinderarzt.

Eine spezielle Form der Leistenbrüche sind die Wasserbrüche (Hydrozelen). Es bildet sich eine Flüssigkeitsansammlung in einem gekammerten Teil oder im gesamten Bruchsack. Ein Wasserbruch kann auch kombiniert mit dem häufigeren Leistenbruch auftreten. Er ist nicht so schmerzhaft wie ein Leistenbruch.

Letzte Aktualisierung : 04-11-19, BH

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