Kind mit Schwimmweste am Pool
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Ertrinken

Bei Kindern unter 4 Jahren stellt das Ertrinken die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache dar. Jungen sind offenbar besonders gefährdet - sie ertrinken dreimal so häufig wie Mädchen.

Eltern unterschätzen häufig die Gefahrensituation und lassen Ihre Kinder unbeaufsichtigt im Wasser plantschen. Aber sobald ein Kind gross genug ist, um sich alleine im Gelände zu bewegen, besteht die Gefahr, dass es ertrinken kann. Badewannen, Planschbecken, Schwimmbecken, Gartenteiche, Regentonnen usw. können je nach Alter Ihres Nachwuchses gefährlich werden. Sogar 10 cm „flache“ Pfützen sind dann mitunter eine tödliche Falle.

Das Besondere: Bei Kindern liegt der Schwerpunkt, anders als bei Erwachsenen, wegen des grossen Kopfes nicht auf Höhe des Nabels, sondern im Brustbereich. Beugt sich ein kleiner Mensch neugierig über eine spiegelnde Wasserfläche, fällt er leicht hinein. Die untrainierte Nackenmuskulatur kann den verhältnismässig schweren Kopf kaum aus dem Wasser heben. Babys und Kleinkinder ertrinken dann lautlos und so gut wie immer unbemerkt. Sie verlieren die Orientierung, sobald der Kopf unter Wasser ist, und wehren sich nicht gegen das Ertrinken. Sie gehen einfach unter und tauchen meist nicht wieder auf, um nach Hilfe zu rufen. Eltern müssen sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst sein und dürfen ihr Kind beim Baden deshalb nie aus den Augen lassen!

Der Mechanismus des Ertrinkens ist bei Kindern anders als bei Erwachsenen. Sobald das Gesicht kaltes Wasser berührt, wird der Atem reflexartig angehalten (Eintauchreflex). Gelangt das Kind nicht schnell genug wieder an die Oberfläche, kommt es zu einem Blutdruckabfall und zu einer Verlangsamung des Herzschlages. Irgendwann kann die Luft nicht mehr angehalten werden und es kommt zur spontanen Atmung. Wasser wird eingeatmet und gelangt so in die Lunge. Das Kind bekommt Krampfanfälle und wird bewusstlos. Schliesslich hört das Herz auf zu schlagen. Fatale Folgen - sogar im Fall der Rettung - hat zudem der Verschluss der Stimmritzen. Dieser eigentlich sinnvolle Schutzreflex führt dazu, dass das Kind zwar kein Wasser einatmet, aber (wieder an der Luft) nur schwer oder gar nicht wieder atmen kann. 

Erste-Hilfe-Massnahmen:

  • Sofort die zuständige Aufsichtsperson alarmieren. Im Schwimmbad ist das der Bademeister und am Meer die Strandwache.
  • Bergung aus dem Wasser, am besten mit Hilfe eines Rettungsringes, Schwimmbrettes oder ähnlichem. Keine weitere Panik verbreiten.
  • Ist das Kind bewusstlos, aber Atmung und Herzschlag sind in Ordnung, bringen Sie es in eine stabile Seitenlage (Baby: Bauchlage). Dabei ist wichtig, dass der Magen des Kindes tief und der Kopf überstreckt oben liegt. Versuchen Sie nicht, das Kind an den Füssen zu fassen und mit dem Kopf nach unten zu schütteln, damit das Wasser herauskommt. Das ist nicht nur nutzlos, sondern sogar gefährlich.
  • Die nasse Kleidung ausziehen und das Kind in warme Decken wickeln (langsam aufwärmen!).
  • Wenn das Kind Fremdkörper im Mundraum hat wie zum Beispiel Sand, entfernen Sie diesen.
  • Bei Atemstillstand sofort mit der Atemspende beginnen, am besten schon während der Rettung aus dem Wasser. 
  • Bei Herzstillstand gleichzeitiger Beginn einer Herzmassage
  • Notruf. 

Achtung: Jedes Kind, das beinahe ertrunken wäre, muss weiter medizinisch überwacht werden. Auch wenn sich das Kind scheinbar gut von dem Badeunfall erholt hat, sollte man sofort ein Spital aufsuchen. Das in die Lunge eingedrungene Wasser kann nämlich noch bis zu 48 Stunden später Komplikationen auslösen und zu schwerer Atemnot (Lungenödem) führen. Dieses sogenannte “Zweite Ertrinken” kann schwer erkennbar sein, weil die Betroffenen nach dem Vorfall im ersten Moment normal wirken. Beim sekundären Ertrinken kann es aber vorkommen, dass sich Wasser in den sauerstoffreichen Poren der Lunge sammelt. Das stört ihre Fähigkeit, Blut mit Sauerstoff anzureichern. Zusätzlich kann vom Chlorwasser eine chemische Lungenentzündung ausgelöst werden.

Typische Symptome des sekundären Ertrinkens: 

  • plötzliche Veränderung des Verhaltens oder des Bewusstseins des Kindes
  • nicht aufhören wollender Husten
  • Temperaturanstieg (Fieber)

Wenn diese Symptome auftreten, darf man keine Sekunde zögern und muss auf direktem Weg in Krankenhaus mit dem Kind - besser noch: den Notarztwagen rufen.

Wie kann man vorbeugen?

  • Babys und Kleinkinder dürfen niemals unbeaufsichtigt in der Badewanne bleiben.
  • Dasselbe gilt für Schwimmbecken, gefüllte Regentonnen im Garten oder ähnliche Wasserauffangbecken sowie alle offenen Gewässer (Teiche, Flüsse, Seen oder Meer etc.). 
  • Swimmingpools und Planschbecken sollten bei Nichtnutzung stets abgedeckt sein.
  • Gartenteiche sollten kindersicher umzäunt sein. 
  • Regentonnen müssen fest verschlossen werden.
  • Legen Sie bei einer Bootsfahrt dem Kind eine Schwimmweste an.
  • Lassen Sie Ihr Kind nie unmittelbar nach einer Mahlzeit ins Wasser.
  • Kühlen Sie Ihr Kind bei heissen Temperaturen erst mit einer Dusche ab, bevor es ins Wasser geht.
  • Kinder sollten so früh wie möglich – etwa mit drei Jahren – schwimmen lernen. Wichtig ist, dass man das Schwimmen regelmässig übt, da Kinder es schnell wieder verlernen. Schwimmreifen und / oder Schwimmhilfen wie Schwimmflügel schützen nicht vor dem Ertrinken!

Wissen

Schwimmhilfen schützen nicht vor Ertrinken


Letzte Aktualisierung : 03.2018, BH

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