Anzeige
  • Kinderwunsch
    • Schwangerschaft
      • Geburt
        • Wochenbett
          • Baby
            • Kind

              • Stillen
                • Krankheiten
                  • Familie
                    • Frau
                      • Erziehung
                        • Vater werden
                          • Gesund Leben
                            • Arbeit, Recht und Finanzen

                              Kind spielt mit Neocolor
                              ©
                              GettyImages

                              Au­tis­mus


                              Bei ei­ner au­tis­ti­schen Stö­rung (oder Au­tis­mus-Spek­trum-Stö­rung ASD) kommt es zu ei­ner tief­grei­fen­den Ent­wick­lungs­stö­rung des Kin­des, die sich durch Ab­kap­se­lung von der Aus­sen­welt und man­geln­dem In­ter­es­se an so­zia­len Kon­tak­ten be­merk­bar macht. Die Be­zeich­nung Au­tis­mus kommt aus dem Grie­chi­schen und setzt sich aus den bei­den Wör­tern „au­tos“ = selbst und „is­mos“ = Zu­stand zu­sam­men. Es be­schreibt also eine Art Rück­zug ins In­nen­le­ben.

                              Je nach Schwe­re­grad un­ter­schei­det man vier ver­schie­de­ne Er­schei­nungs­for­men, wo­bei die bei­den häu­figs­ten For­men den Na­men „Kan­ner–Syn­drom“ und „Asper­ger-Syn­drom“ tra­gen. Kna­ben sind häu­fi­ger be­trof­fen als Mäd­chen. Meist macht sich eine au­tis­ti­sche Stö­rung vor dem 3. Le­bens­jahr be­merk­bar. Neue­re For­schun­gen ge­hen so­gar da­von aus, dass be­reits im Al­ter von 6 Mo­na­ten der Au­gen­kon­takt, das so­zia­le Lä­cheln so­wie wei­te­re Kri­te­ri­en der so­zia­len In­ter­ak­ti­on ab­neh­men.

                              Als der­zeit bes­ter Fra­ge­bo­gen zur ers­ten Ab­klä­rung au­tis­ti­scher Sym­pto­me gilt der M-CHAT (Mo­di­fied Check­list for Au­tism in Todd­ler­hood). Wich­tigs­te Fra­gen dar­in sind: Zeigt Ihr Kind In­ter­es­se an an­de­ren Kin­dern? Hat Ihr Kind je­mals den Zei­ge­fin­ger be­nutzt, um auf et­was zu zei­gen oder um In­ter­es­se für et­was zu be­kun­den? Re­agiert Ihr Kind auf sei­nen Na­men, wenn Sie es ru­fen?

                              Bei der Ent­ste­hung spie­len nach dem heu­ti­gen Wis­sens­stand meh­re­re Fak­to­ren eine Rol­le:

                              • erb­li­che Ver­an­la­gung, d.h. ge­ne­ti­sche Ver­än­de­run­gen an den Chro­mo­so­men 5 und 11;

                              • Stoff­wech­sel­stö­run­gen im Ge­hirn und Funk­ti­ons­stö­run­gen des Ge­hirns;

                              • fa­mi­liä­re Ge­ge­ben­hei­ten - vor al­lem ein hö­he­res Al­ter des Va­ters wird im­mer wie­der als be­güns­ti­gend in Be­tracht ge­zo­gen;

                              • auch eine Be­güns­ti­gung der Ent­ste­hung durch Rö­teln in der Schwan­ger­schaft wird dis­ku­tiert.

                              Ganz si­cher ist aber, dass ein Au­tis­mus nicht durch Er­zie­hungs­feh­ler oder fa­mi­liä­re Kon­flik­te ent­steht.

                              Haupt­pro­blem bei au­tis­ti­schen Kin­dern ist das man­geln­de In­ter­es­se zur Kom­mu­ni­ka­ti­on. Das macht es für vie­le El­tern nur sehr schwer mög­lich, ei­nen Kon­takt zu ih­rem au­tis­ti­schen Kind her­zu­stel­len. Die Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten ma­chen sich vor al­lem in drei Be­rei­chen be­merk­bar:

                              • Be­ein­träch­tig­te Kom­mu­ni­ka­ti­on, so­wohl sprach­lich als auch nicht sprach­lich: Au­tis­ten tre­ten nur sel­ten durch Blick­kon­takt oder Lä­cheln mit an­de­ren Men­schen in Kon­takt. Auf Ver­su­che von aus­sen re­agie­ren sie oft mit Ab­wei­sung, z.B. sträu­ben sich au­tis­ti­sche Kin­der oft vor Um­ar­mun­gen. Wenn Au­tis­ten spre­chen, dann fal­len oft Ei­gen­hei­ten der Spra­che auf: un­ge­wöhn­li­che Be­to­nun­gen, ver­än­der­te Stimm­me­lo­die, Ge­schwin­dig­keit oder Ton­hö­he, häu­fig wer­den be­stimm­te Wör­ter oder Sät­ze stän­dig wie­der­holt oder Wör­ter er­fun­den.

                              • Man­geln­des In­ter­es­se an zwi­schen­mensch­li­chen Kon­tak­ten: Häu­fig neh­men Au­tis­ten an­de­re Men­schen und de­ren Ge­füh­le nicht wahr, z.B. re­agiert das au­tis­ti­sche Kind nicht auf den Kum­mer der Mut­ter oder es ver­mag den ei­ge­nen Kum­mer nicht aus­zu­drü­cken. Ein an­de­res Bei­spiel wäre, dass zum Ab­schied kein Win­ken er­wi­dert wird. Be­zie­hun­gen zu an­de­ren Men­schen wer­den nur sehr schwer auf­ge­baut, so be­zie­hen sie beim Spie­len nur sel­ten an­de­re Per­so­nen mit ein.

                              • Ein­ge­schränk­te In­ter­es­sen und Ak­ti­vi­tä­ten: Au­tis­ti­sche Kin­der sind oft von op­ti­schen und akus­ti­schen Rei­zen über­for­dert. Sie sind nicht in der Lage, die „nor­ma­le“ Welt zu ver­ste­hen und sich mit­zu­tei­len. Dies för­dert den Rück­zug in die „ei­ge­ne Welt“. Au­tis­ten sind be­strebt, eine ge­wis­se Gleich­mäs­sig­keit von Ab­läu­fen oder ih­rer Um­ge­bung zu er­hal­ten. Auf Ver­än­de­run­gen (z.B. Um­stel­len von Mö­beln oder Än­de­rung von ge­wohn­ten Ab­läu­fen) re­agie­ren sie oft mit star­ker Er­re­gung. Häu­fig wer­den auch be­stimm­te Kör­per­be­we­gun­gen, z.B. Hand­be­we­gun­gen im­mer wie­der wie­der­holt. Ins­ge­samt sind die In­ter­es­sen der Be­trof­fe­nen stark ein­ge­schränkt, wo­bei aber ver­blei­ben­den In­ter­es­sen (häu­fig an me­cha­ni­schen Ob­jek­ten, wie z.B. der Wasch­ma­schi­ne) be­son­ders be­harr­lich nach­ge­gan­gen wird.

                              • "So tun als ob-Spie­le" gibt es prak­tisch nicht. In der kind­li­chen Fan­ta­sie ver­wan­delt sich ein Bau­klotz schnell ein­mal in ein Stück Käse, eine Tän­ze­rin oder ein Auto. Au­tis­ten spie­len kaum auf die­se Wei­se - bei ih­nen bleibt ein Spiel­zeug das, was es ist.

                              Es geht pri­mär dar­um, fest­zu­stel­len, wel­che Pro­ble­me in wel­chem Aus­mass beim Kind vor­lie­gen. Dies er­folgt ei­ner­seits durch ge­ziel­te Be­fra­gung der El­tern nach Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten und an­de­rer­seits durch Be­ob­ach­tung des Kin­des in ver­schie­de­nen Spiel­si­tua­tio­nen. Zu die­sem Zweck wur­den stan­dar­di­sier­te Fra­ge­bö­gen und Be­ob­ach­tungs­ska­len ent­wi­ckelt, um au­tis­ti­sche Sym­pto­me ge­zielt ab­fra­gen und er­ken­nen zu kön­nen.

                              Das wich­tigs­te The­ra­pie­ziel ist die Ver­bes­se­rung und För­de­rung der kom­mu­ni­ka­ti­ven und so­zia­len Fer­tig­kei­ten des Kin­des. Dazu eig­net sich eine au­tis­mus­spe­zi­fi­sche Ver­hal­tens­the­ra­pie, und zwar je frü­her des­to bes­ser: nach­dem die De­fi­zi­te des Kin­des ge­nau er­fasst sind, wird ver­sucht, die je­wei­li­gen Stö­run­gen durch ge­ziel­tes Trai­ning zu ver­bes­sern. Da­bei ist der Ein­be­zug der El­tern oder Be­treu­ungs­per­so­nen äus­serst wich­tig, um die Übun­gen auch zu Hau­se durch­zu­füh­ren. So wer­den bei­spiels­wei­se bei Sprach­stö­run­gen Sprech­übun­gen ge­macht oder Übun­gen zur Kon­takt­auf­nah­me usw. An­de­re Be­hand­lungs­an­sät­ze wie Mu­sik­the­ra­pie, Be­we­gungs­the­ra­pie oder Tier­the­ra­pie kön­nen im Ein­zel­fall eben­falls hilf­reich sein.

                              Au­tis­mus ist eine chro­ni­sche Er­kran­kung. Zwar nimmt das Er­schei­nungs­bild im Lau­fe des Er­wach­se­nen­al­ters oft ab, eine völ­li­ge Nor­ma­li­sie­rung ist je­doch trotz The­ra­pie un­wahr­schein­lich. In man­chen Fäl­len ist al­ler­dings ein re­la­tiv nor­ma­les Le­ben mög­lich. Au­tis­ten blei­ben aber meist stark iso­liert und er­for­dern da­her gros­se To­le­ranz von den An­ge­hö­ri­gen. Bei zu­sätz­lich auf­tre­ten­den geis­ti­gen Ein­schrän­kun­gen ist auch im Er­wach­se­nen­al­ter eine Be­treu­ung in ent­spre­chen­den In­sti­tu­tio­nen er­for­der­lich.

                              Wei­te­re In­for­ma­tio­nen er­hal­ten Sie in spe­zia­li­sier­ten Be­ra­tungs­stel­len und För­de­rung­fs­ein­rich­tun­gen, z.B. im Au­tis­mus­zen­trum in Rie­hen (BS): www.gsr.ch/au­tis­mus­zen­trum.html

                              Im swiss­mom-Fo­rum


                              Letzte Aktualisierung: 23.01.2020, BH
                              Anzeige
                              Anzeige