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Die ver­trau­li­che Ge­burt

Frauenhände halten die Hand einer liegenden Schwangeren
©
iStock

Sie sind schwan­ger, doch Sie kön­nen das Kind nach der Ge­burt nicht be­hal­ten? Dann ha­ben Sie die Mög­lich­keit, das Kind zur Ad­op­ti­on frei­zu­ge­ben. Doch was tun wenn nie­mand er­fah­ren darf, dass Sie schwan­ger sind? In der Schweiz ha­ben Sie das Recht auf eine ver­trau­li­che Ge­burt: Sie kön­nen im Spi­tal ge­bä­ren, ohne dass Ihr Um­feld da­von er­fährt. Wich­tig ist: Blei­ben Sie mit die­sen Fra­gen nicht al­lei­ne. Las­sen Sie sich in die­ser schwie­ri­gen Si­tua­ti­on von Fach­per­so­nen be­glei­ten.

Ad­op­ti­on


Wenn Sie ein Kind zur Ad­op­ti­on frei­ge­ben, kön­nen Sie den Ent­scheid wäh­rend sechs Wo­chen rück­gän­gig ma­chen. Da­nach er­hält das Kind eine neue Fa­mi­lie. Die Ad­op­tiv­el­tern sind ab die­sem Zeit­punkt für das Kind ver­ant­wort­lich. Sie über­neh­men alle Rech­te und Pflich­ten. Die Kin­des- und Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de prüft, ob das Kind gut be­treut wird. Mit 18 Jah­ren kön­nen ad­op­tier­te Per­so­nen er­fah­ren, wer ihre leib­li­chen El­tern sind.

Wen­den Sie sich an eine Be­ra­tungs­stel­le zu Schwan­ger­schaft oder an die Or­ga­ni­sa­ti­on PACH (Pfle­ge- und Ad­op­tiv­kin­der Schweiz). Dort er­hal­ten Sie um­fas­sen­de In­for­ma­tio­nen und Un­ter­stüt­zung bei Ih­rer Ent­schei­dung. Wenn Sie sich für eine Ad­op­ti­on ent­schei­den, wird die Be­ra­tungs­stel­le Sie an die zu­stän­di­gen kan­to­na­len Stel­len ver­wei­sen. Die Fach­per­so­nen un­ter­stüt­zen Sie bei den Fra­gen zum Vor­ge­hen und zu den Fol­gen die­ser Ent­schei­dung. Sie be­glei­ten Sie bei den ad­mi­nis­tra­ti­ven Schrit­ten und in­for­mie­ren Sie über die recht­li­chen As­pek­te.

Ver­trau­li­che Ge­burt


Falls nie­mand er­fah­ren darf, dass Sie ein Kind be­kom­men, gibt es die Mög­lich­keit der ver­trau­li­chen Ge­burt. Der­zeit be­steht das An­ge­bot  in 18 von 26 Kan­to­nen, in wei­te­ren Kan­to­nen wird das The­ma dis­ku­tiert.

Sie er­hal­ten dann im Spi­tal ein Pseud­onym (Deck­na­me) oder ei­nen Code. Wäh­rend der Schwan­ger­schaft und der Ge­burt wer­den Sie un­ter die­sem Deck­na­men be­treut und me­di­zi­nisch ver­sorgt. Das Spi­tal hält Ihre Per­so­na­li­en ge­heim. Die Kran­ken­kas­se be­zahlt Ihre Kos­ten di­rekt, so dass Sie kei­ne Post nach Hau­se er­hal­ten. So kön­nen Sie die Schwan­ger­schaft und die Ge­burt vor Ih­rem Um­feld ge­heim hal­ten. Trotz­dem er­hal­ten Sie die me­di­zi­ni­sche Be­treu­ung, die Ih­nen und Ih­rem Kind zu­steht.

Über die ver­trau­li­che Ge­burt und Ihre Iden­ti­tät in­for­miert das Spi­tal aus­schliess­lich die Zi­vil­stands­be­hör­de und die Kin­des- und Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de. Die Be­hör­den sind zur Ge­heim­hal­tung ver­pflich­tet. Sechs Wo­chen nach der Ge­burt ent­schei­den Sie dar­über, ob Sie das Kind zur Ad­op­ti­on frei­ge­ge­ben möch­ten. Da­nach ha­ben Sie noch­mals sechs Wo­chen Zeit, sich an­ders zu ent­schei­den. Die Ad­op­tiv­el­tern er­fah­ren nicht, wer Sie sind. Wenn das Kind er­fah­ren möch­te, wer sei­ne leib­li­che Mut­ter ist, er­hält es Ihre Per­so­na­li­en ab sei­nem 18. Ge­burts­tag.

Was be­deu­tet die ver­trau­li­che Ge­burt für die leib­li­che Mut­ter?


  • Sie und Ihr Kind wer­den vor, wäh­rend und nach der Ge­burt me­di­zi­nisch be­treut. Wie alle Schwan­ge­ren er­hal­ten Sie Zu­gang zu den Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen und zur psy­cho­so­zia­len Be­ra­tung. Sie wer­den bei der Ge­burt und im Wo­chen­bett be­glei­tet.

  • Das Spi­tal und die Be­hör­den be­han­deln Ihre Per­so­na­li­en ver­trau­lich, so­dass Ihr Um­feld nicht von der Schwan­ger­schaft und der Ge­burt er­fährt. Ihr Be­dürf­nis nach Pri­vat­sphä­re wird ge­wahrt.

  • Nach der Ge­burt ha­ben Sie sechs Wo­chen Be­denk­zeit. Ent­schei­den Sie sich für die Frei­ga­be zur Ad­op­ti­on, kön­nen Sie den Ent­scheid wäh­rend wei­te­ren sechs Wo­chen rück­gän­gig ma­chen. Hier gilt das Ad­op­ti­ons­recht.

  • Die ver­trau­li­che Ge­burt ist le­gal. Sie ma­chen sich nicht straf­bar: Die Rech­te Ih­res Kin­des wer­den bei der ver­trau­li­chen Ge­burt ge­schützt. 

Was be­deu­tet die ver­trau­li­che Ge­burt für das Kind?


  1. Das Kind wird vor, wäh­rend und nach der Ge­burt me­di­zi­nisch be­treut. Die Ge­sund­heit des Kin­des ist ge­schützt.

  2. Das Kind wird vor­erst durch Pfle­ge­el­tern be­treut und nach sechs Wo­chen zur Ad­op­ti­on frei­ge­ge­ben. So er­hält es durch­ge­hend die nö­ti­ge Für­sor­ge und ein si­che­res Zu­hau­se. Die Kin­des- und Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de prüft, ob das Kind gut be­treut wird.

  3. Mit 18 Jah­ren kön­nen Be­trof­fe­ne er­fah­ren, wer ihre leib­li­che Mut­ter ist. Das Recht des Kin­des, re­gis­triert zu wer­den und über sei­ne Ab­stam­mung zu er­fah­ren, wird so ge­wahrt.

Was ist der Un­ter­schied zwi­schen der ver­trau­li­chen Ge­burt und der Ab­ga­be des Kin­des in ei­ner Ba­by­klap­pe?


In der Schweiz gibt es drei "Ba­by­fens­ter" oder "Ba­by­klap­pen": in Ol­ten, Da­vos und Ein­sie­deln.  Müt­ter in Not ha­ben dort die Mög­lich­keit, ihre Neu­ge­bo­re­nen an­onym ab­zu­ge­ben. Ju­ris­tisch sind die Ba­by­fens­ter aber hei­kel, denn ein Kind hat ein Recht auf Kennt­nis sei­ner Ab­stam­mung und muss in­nert we­ni­ger Tage bei den Be­hör­den ge­mel­det wer­den. Müt­ter, die ihr Neu­ge­bo­re­nes in eine Ba­by­klap­pe le­gen, ma­chen sich also ei­gent­lich straf­bar, weil sie die Rech­te des Kin­des ver­let­zen. Zu­dem ha­ben Mut­ter und Kind in der un­mit­tel­ba­ren Zeit nach der Ge­burt kei­ne ad­äqua­te me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung und sind da­durch ge­sund­heit­lich ge­fähr­det.

An wen kann ich mich wen­den?


Las­sen Sie sich bei ei­ner an­er­kann­ten Be­ra­tungs­stel­le zu Schwan­ger­schaft kos­ten­los be­ra­ten. Oder wen­den Sie sich an eine Frau­en­ärz­tin/​ei­nen Frau­en­arzt. Sie alle un­ter­ste­hen der Schwei­ge­pflicht.

Letzte Aktualisierung: 21.02.2022, BH

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