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Va­sek­to­mie: Die Ste­ri­li­sa­ti­on beim Mann


Bei ab­ge­schlos­se­ner Fa­mi­li­en­pla­nung kann die Un­ter­bin­dung (Va­sek­to­mie) beim Mann eine ein­fa­che Ver­hü­tungs­mass­nah­me sein.

Die Va­sek­to­mie ist in den meis­ten Fäl­len ein kom­pli­ka­ti­ons­lo­ser Ein­griff, der aber wahr­schein­lich end­gül­tig sein wird. Mit­tels ei­ner kom­pli­zier­ten mi­kro­chir­ur­gi­schen Ope­ra­ti­on zur Re­fer­ti­li­sie­rung sind nach­her nur etwa die Hälf­te der Män­ner wie­der zeu­gungs­fä­hig. Zwar kön­nen dann Sper­mi­en für eine künst­li­che Be­fruch­tung aus dem Ho­den­ge­we­be ent­nom­men wer­den (MESA oder TESE), die Er­folgs­ga­ran­tie ist aber be­grenzt. Je län­ger der Ein­griff zu­rück­liegt, des­to ge­rin­ger sind die Chan­cen der Wie­der­frucht­bar­ma­chung des Man­nes. Die Ent­schei­dung zur Ste­ri­li­sie­rung soll­te des­halb gut über­legt sein und ohne Druck ge­trof­fen wer­den.

Im Ver­gleich zur Ste­ri­li­sa­ti­on bei der Frau (Tu­ben­li­ga­tur) ist eine Un­ter­bre­chung der Sa­men­lei­ter kom­pli­ka­ti­ons­är­mer und preis­güns­ti­ger. Aus­ser­dem kann der Ein­griff am­bu­lant, meist in der Pra­xis des Uro­lo­gen/Chir­ur­gen, durch­ge­führt wer­den.

So ver­läuft eine Va­sek­to­mie


  • Vor der Ope­ra­ti­on wird der Pe­nis mit ei­nem Kleb­strei­fen am Bauch fi­xiert.

  • Der Ho­den­sack wird ra­siert und des­in­fi­ziert.

  • Der Uro­lo­ge er­tas­tet den Sa­men­lei­ter mit der Hand, fi­xiert ihn und bringt die lo­ka­le Be­täu­bung an.

  • Da­nach legt der Arzt den Sa­men­lei­ter durch ein bis zwei klei­ne Schnit­te am Ho­den­sack frei und ent­fernt ein cir­ca ein bis drei Zen­ti­me­ter lan­ges Stück des Sa­men­lei­ters.

  • Die En­den wer­den ver­ödet und so ver­näht, dass sie nicht von selbst wie­der zu­sam­men­wach­sen kön­nen.

  • An­schlies­send wird der of­fe­ne Be­reich mit ei­ner Naht un­ter­bun­den, die sich nach ei­ni­gen Ta­gen von selbst auf­löst.

  • Der­sel­be Ein­griff er­folgt auf der an­de­ren Sei­te.

  • Der Haut­schnitt wird mit ein paar Sti­chen zu­ge­näht.

Es kann sein, dass Män­ner wäh­rend der Ope­ra­ti­on ein leich­tes Zie­hen ver­spü­ren, Schmer­zen soll­ten aber kei­ne auf­tre­ten.

Bei ei­ner neue­ren Me­tho­de (Non-Scal­pel-Ver­fah­ren) wird die Haut um we­ni­ger als zehn Mil­li­me­ter ge­öff­net und der Sa­men­lei­ter mi­ni­mal-in­va­siv, das heisst mit kleinst­mög­li­chem Auf­wand, mit Spe­zi­al­in­stru­men­ten frei­ge­legt. Mit die­ser Me­tho­de ver­rin­gern sich Schmer­zen wie auch das Ri­si­ko ei­ner Nach­blu­tung oder In­fek­ti­on und die Haut­wun­de muss nicht ge­näht wer­den.

Nach der Va­sek­to­mie


In der Re­gel dau­ert der Ein­griff we­ni­ger als eine hal­be Stun­de, da­nach kann der Mann wie­der nach Hau­se ge­hen. Er be­kommt eine Win­del­ein­la­ge, die ein Nach­blu­ten ver­hin­dern soll und die Ho­den si­cher ein­packt. Da­mit kön­nen auch Schmer­zen ein­ge­dämmt wer­den. Zu Hau­se soll­te er sich ein paar Stun­den hin­le­gen, eben­falls um Nach­blu­tun­gen, Schwel­lun­gen und Ent­zün­dun­gen zu ver­hin­dern, Eis­pa­ckun­gen hel­fen da­bei. Wenn die ört­li­che Be­täu­bung nach­lässt, kann es ein paar Tage lang Schmer­zen ge­ben, die aber kein Grund zur Be­un­ru­hi­gung sind. Ein leich­tes Schmerz­mit­tel kann ein bis zwei­mal pro Tag ein­ge­nom­men wer­den. In sel­te­nen Fäl­len kann es zu ei­ner An­schwel­lung und da­mit ver­bun­den zu star­ken Schmer­zen in den Ho­den kom­men (Blut­stau). In die­sem Fall muss so­fort der Arzt kon­sul­tiert wer­den.

Die ers­ten fünf Tage darf der Mann kein Sitz- oder Voll­bad neh­men, denn die Näh­te dür­fen nicht ein­ge­nässt wer­den. Beim Du­schen sol­len die Näh­te dar­um mit ei­nem spe­zi­el­len Heft­pflas­ter ab­ge­deckt wer­den. Über den Zeit­raum von acht bis zehn Ta­gen darf nicht über 10 Ki­lo­gramm ge­ho­ben wer­den und auch mit Sport müs­sen Män­ner wäh­rend die­ser Tage pau­sie­ren.

Nach dem Ein­griff be­fin­den sich noch meh­re­re Mo­na­te be­fruch­tungs­fä­hi­ge Sper­mi­en in der Sa­men­flüs­sig­keit (Eja­ku­lat). Un­ge­schütz­ter Ge­schlechts­ver­kehr darf des­halb erst nach ei­ner Kon­trol­le des Eja­ku­lats statt­fin­den, wel­ches zu die­sem Zweck nach ein paar Wo­chen un­ter­sucht wird. Erst wenn beim Sper­mio­gramm zwei­mal hin­ter­ein­an­der mi­kro­sko­pisch kei­ne Sa­men mehr zu se­hen sind, kann un­ge­schütz­ter Ge­schlechts­ver­kehr statt­fin­den, ohne dass mit ei­ner Schwan­ger­schaft ge­rech­net wer­den muss.

Was ver­än­dert sich nach ei­ner Va­sek­to­mie?


Die Va­sek­to­mie macht den Mann zeu­gungs­un­fä­hig, be­ein­träch­tigt sei­ne Po­tenz je­doch nicht. Bei ei­ner fach­ge­recht aus­ge­führ­ten Va­sek­to­mie wird aus­schliess­lich der Sa­men­lei­ter durch­trennt. Und die­ser dient le­dig­lich dazu, die Sper­mi­en zu trans­por­tie­ren. Das Männ­lich­keits­hor­mon Tes­to­ste­ron wird wei­ter­hin im Ho­den pro­du­ziert und ins Blut ab­ge­ge­ben. Die Lust auf Sex, Glied­ver­stei­fung und Eja­ku­la­ti­on so­wie die Or­gas­mus­fä­hig­keit blei­ben be­stehen. Die Sa­men­flüs­sig­keit ent­hält ein­fach kei­ne Sper­mi­en mehr, die aber nur ei­nen sehr klei­nen An­teil des Eja­ku­lats aus­ma­chen. Da­durch ent­fällt die Angst vor ei­ner un­ge­woll­ten Schwan­ger­schaft und die meis­ten Män­ner be­schrei­ben ihr Se­xu­al­le­ben nach dem Ein­griff als ent­spann­ter und so­gar bes­ser.

Wich­tig: Eine Va­sek­to­mie schützt in kei­nem Fall vor ei­ner HIV-An­ste­ckung oder an­de­ren se­xu­ell über­trag­ba­ren Er­kran­kun­gen.

Si­cher­heit und Kos­ten ei­ner Va­sek­to­mie


Die Durch­tren­nung der Sa­men­strän­ge gilt als eine fast hun­dert­pro­zen­ti­ge Ver­hü­tungs­me­tho­de (Pearl-In­dex von 0,1). Die­ser Wert gibt an, wie vie­le von 100 Frau­en in­ner­halb ei­nes Jah­res schwan­ger wer­den, ob­wohl die­se Me­tho­de an­ge­wen­det wur­de. Zum Ver­gleich: Der Pearl In­dex der Anti-Baby-Pil­le liegt bei 0,1 bis 0,9. In sehr sel­te­nen Fäl­len kön­nen sich die durch­trenn­ten Sa­men­strän­ge wie­der fin­den und er­neut zu­sam­men­wach­sen, dann kann es wie­der zu ei­ner Zeu­gungs­fä­hig­keit kom­men.

Die Va­sek­to­mie ist kei­ne kran­ken­kas­sen­pflich­ti­ge Leis­tung, meis­tens über­neh­men die Kran­ken­kas­sen trotz­dem ei­nen An­teil. Die Kos­ten be­lau­fen sich auf ca. 650 bis 1'000 Fr. Bei ei­ner Zu­satz­ver­si­che­rung be­steht die Chan­ce, dass die Kos­ten so­gar voll­stän­dig ge­deckt wer­den. Die Re­ope­ra­ti­on (Wie­der­frucht­bar­ma­chung) wird nicht von der Kran­ken­kas­se über­nom­men. Die­se Ope­ra­ti­on kos­tet in der Schweiz zwi­schen 3'000 und 4'000 Fran­ken.

Letzte Aktualisierung: 21.01.2021, BH
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