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                              krankes Kind auf dem Sofa
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                              Shutterstock

                              Grip­pe­imp­fung bei Ba­bys und Kin­dern


                              swiss­mom: Wer soll­te sich ge­gen die Grip­pe imp­fen las­sen?

                              Bo­ris Utsch: Die „ech­te Grip­pe“ (In­flu­en­za) soll­te nicht mit ei­ner ba­na­len Vi­rus­in­fek­ti­on ver­wech­selt wer­den, wo­ge­gen die Grip­pe­imp­fung kei­nen Impf­schutz bie­tet. Auch soll­te die Schwei­ne­grip­pe („H1N1“) nicht mit der In­flu­en­za gleich­ge­setzt wer­den.

                              Für die Grip­pe­imp­fung („Ech­te“ Grip­pe, In­flu­en­za) gibt es of­fi­zi­el­le Emp­feh­lun­gen des Bun­des­am­tes für Ge­sund­heit (BAG), auf die im Fol­gen­den zum Teil wört­lich ver­wie­sen wird. Für die ein­zel­nen Grip­pe-Impf­stof­fe be­stehen un­ter­schied­li­che Emp­feh­lun­gen, die für je­den ein­zel­nen Impf­stoff im Schwei­zer Arz­nei­mit­tel Kom­pen­di­um nach­ge­schla­gen wer­den kön­nen. Dies soll­te aber auch im­mer mit dem be­treu­en­den Arzt in­di­vi­du­ell be­spro­chen wer­den.

                              Zur Per­son

                              PD Dr. med. Boris Utsch, MHBA ist Medizinischer Leiter des Kinderarzthaus Zürich

                              Die Grip­pe-Imp­fung wird für fol­gen­den Per­so­nen­kreis emp­foh­len:

                              • Per­so­nen ab 65 Jah­ren

                              • Schwan­ge­re Frau­en und Frau­en, die in den letz­ten 4 Wo­chen ent­bun­den ha­ben,

                              • Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten in Pfle­ge­hei­men und in Ein­rich­tun­gen für Per­so­nen mit chro­ni­schen Er­kran­kun­gen.

                              • Früh­ge­bo­re­ne (ge­bo­ren vor der 33. Schwan­ger­schafts­wo­che oder mit ei­nem Ge­burts­ge­wicht < 1500 g) ab dem Al­ter von 6 Mo­na­ten für die ers­ten zwei Win­ter nach der Ge­burt

                              • Per­so­nen mit ei­ner der fol­gen­den chro­ni­schen Er­kran­kun­gen: Herz­er­kran­kung, Lun­gen­er­kran­kung (ins­be­son­de­re Asth­ma bron­chia­le), Stoff­wech­sel­stö­run­gen mit Aus­wir­kung auf die Funk­ti­on von Herz, Lun­gen oder Nie­ren (wie zum Bei­spiel Zu­cker­krank­heit „Dia­be­tes“ oder schwe­re Fett­sucht („Adi­po­si­tas“), Neu­ro­lo­gi­sche („Ner­ven­er­kran­kun­gen“) oder Er­kran­kung, die Mus­keln und das Ske­lett be­tref­fend, mit Aus­wir­kung auf die Funk­ti­on von Herz, Lun­gen oder Nie­ren, Le­ber­er­kran­kun­gen, Un­zu­rei­chen­de Nie­ren­funk­ti­on („Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz“), Feh­len­de Milz („As­ple­nie“ oder Funk­ti­ons­stö­rung der Milz) in­klu­si­ve ge­stör­te Bil­dungs­stö­run­gen des ro­ten Blut­farb­stof­fes („Hä­mo­glo­bi­no­pa­thi­en“), Schwä­chen des Im­mun­sys­tems („Im­mun­de­fi­zi­enz“ wie zum Bei­spiel HIV-In­fek­ti­on, Krebs, im­mun­sys­tem­un­ter­drü­cken­de „im­mun­sup­pres­si­ve“ The­ra­pie),

                              • Zu­dem für Per­so­nen, wel­che in der Fa­mi­lie oder im Rah­men ih­rer pri­va­ten oder be­ruf­li­chen Tä­tig­kei­ten re­gel­mäs­si­gen Kon­takt ha­ben mit: Per­so­nen der vor­ge­nann­ten Ka­te­go­ri­en, Säug­lin­gen un­ter 6 Mo­na­ten (die­se ha­ben ein er­höh­tes Kom­pli­ka­ti­ons­ri­si­ko und kön­nen auf­grund ih­res jun­gen Al­ters nicht ge­impft wer­den). 

                              Die Grip­pe­imp­fung ist ins­be­son­de­re emp­foh­len für alle Me­di­zi­nal- und Pfle­ge­fach­per­so­nen, alle im pa­ra­me­di­zi­ni­schen Be­reich tä­ti­gen Per­so­nen, Mit­ar­bei­ten­de von Kin­der­krip­pen, Ta­ges­stät­ten so­wie Al­ters- und Pfle­ge­hei­men, in­klu­si­ve Stu­die­ren­de so­wie Prak­ti­kan­tin­nen und Prak­ti­kan­ten. Die Grip­pe­imp­fung kann auch für alle Per­so­nen in Be­tracht ge­zo­gen wer­den, die ihr Ri­si­ko für eine Grip­pe aus pri­va­ten und/oder be­ruf­li­chen Grün­den ver­min­dern möch­ten. Vor al­lem bei Per­so­nen, wel­che be­ruf­lich Kon­takt mit Schwei­ne­be­stän­den ha­ben, kann die Grip­pe­imp­fung das Über­tra­gungs­ri­si­ko zwi­schen Tier und Mensch re­du­zie­ren.

                              swiss­mom: Wird bei Kin­dern der glei­che Impf­stoff ein­ge­setzt wie bei Er­wach­se­nen?

                              Bo­ris Utsch: Es gibt Grip­pe Impf­stof­fe, die für Er­wach­se­ne und Kin­der ab 6 Mo­na­ten ver­ab­reicht wer­den kön­nen. An­de­re hin­ge­gen sind nur für spe­zi­el­le Al­ters­klas­sen zu­ge­las­sen. Un­ter 6 Mo­na­ten sind Grip­pe­impf­stof­fe auf­grund feh­len­der Er­fah­run­gen nicht zu­ge­las­sen.

                              Die­se sind: Agrip­pal®, Flua­ri­x®, In­fle­axl® und In­flu­va­c®. Impf­stof­fe wie Cel­tu­re®, Fo­ce­tria®, Flua­d® und Op­ta­flu® sind hin­ge­gen für an­de­re Al­ters­klas­sen bzw. In­di­ka­tio­nen zu­ge­las­sen.

                              swiss­mom: Gibt es für Kin­der spe­zi­el­le Ri­si­ken oder Ne­ben­wir­kun­gen?

                              Bo­ris Utsch: Es ist im All­ge­mei­nen für alle Ge­impf­ten, auch Er­wach­se­ne, zu un­ter­schei­den zwi­schen lo­ka­len Re­ak­tio­nen, die in etwa 10-40% der Ge­impf­ten auf­tre­ten kön­nen und we­ni­ge Stun­den bis 2 Tage an­hal­ten kön­nen (leich­te lo­ka­le Re­ak­ti­on an der Ein­stich­stel­le, Schmer­zen, vor­über­ge­hen­de Rö­tung, lo­ka­le Schwel­lung, Ver­här­tung und Juck­reiz) und leich­ten sys­te­mi­schen Re­ak­tio­nen wie Fie­ber, Un­wohl­sein, Mus­kel-, Ge­lenk- und Kopf­schmer­zen und an­de­ren grip­pa­len Sym­pto­men, die in etwa 5-10% be­ob­ach­tet wer­den kön­nen. Die­se kön­nen bis zu 2 Ta­gen an­dau­ern und be­dür­fen eben­falls kei­ner The­ra­pie. Jede ur­säch­lich auch nur ver­mu­te­te schwe­re un­er­wünsch­te oder bis an­hin un­be­kann­te Wir­kung muss dem Schwei­ze­ri­schen Heil­mit­tel­in­sti­tut Swiss­me­dic ge­mel­det wer­den. Schwe­re sys­te­mi­sche Re­ak­tio­nen sind sehr sel­ten. Re­ak­tio­nen all­er­gi­scher Art und neu­ro­lo­gi­sche, das Ner­ven­sys­tem be­tref­fen­de Sym­pto­me oder Krank­heits­bil­der sind mit un­ter 1/10.000 sehr sel­ten. Das au­to­im­mun be­ding­te Guil­lain-Bar­ré-Syn­drom (GBS; etwa ein Fall pro 1 Mil­lio­nen ge­impf­te Per­so­nen) ist äus­serst sel­ten und tritt meist un­ab­hän­gig von der Grip­pe­imp­fung auf und ist wenn, eher mit an­de­ren bak­te­ri­el­len oder vi­ra­len In­fek­ten as­so­zi­iert.

                              Bei Kin­dern kommt häu­fi­ger nach ei­ner Grip­pe­imp­fung zu ei­ner Er­hö­hung der Kör­per­kern­tem­pe­ra­tur oder so­gar Fie­ber, wie dies auch bei an­de­ren Imp­fun­gen auf­tre­ten kann. Sehr sel­ten kann dies auch ein­mal ei­nen Fie­ber­krampf aus­lö­sen, was aber nicht di­rekt auf die Imp­fung, son­dern mehr auf den  Fie­ber­an­stieg zu­rück­zu­füh­ren ist. Al­ler­dings ist ein ho­hes Fie­ber und ein Fie­ber­krampf um ein Viel­fa­ches häu­fi­ger an­zu­tref­fen bei ei­ner ech­ten In­flu­en­za-In­fek­ti­on als nach ei­ner Grip­pe­imp­fung.

                              Zu­sam­men­fas­send lässt sich sa­gen, dass das Ri­si­ko ei­ner ernst­haf­ten Kom­pli­ka­ti­on in­klu­si­ve des GBS bei ei­ner Grip­pe­er­kran­kung um ein viel­fa­ches hö­her ist als die Wahr­schein­lich­keit ei­ner schwe­ren un­er­wünsch­ten Wir­kung nach ei­ner Imp­fung.

                              swiss­mom: Wo kann man Kin­der ge­gen Grip­pe­vi­ren imp­fen las­sen?

                              Bo­ris Utsch: Ab dem Al­ter von 6 Mo­na­ten bei o.a. In­di­ka­tio­nen und ohne Kon­tra­in­di­ka­ti­on po­ten­ti­ell in je­der Haus­arzt­pra­xis für Kin­der- und Ju­gend­me­di­zin.

                              Letzte Aktualisierung: 06.11.2019, CH
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