Anzeige
  • Kinderwunsch
    • Schwangerschaft
      • Geburt
        • Wochenbett
          • Baby
            • Kind

              • Stillen
                • Krankheiten
                  • Familie
                    • Frau
                      • Erziehung
                        • Vater werden
                          • Gesund Leben
                            • Arbeit, Recht und Finanzen

                              Säugling wird mit Muttermilch gefüttert
                              ©
                              Shutterstock

                              Stil­len von Früh­ge­bo­re­nen  

                              In­ter­view mit Re­na­te Hlau­schek


                              swiss­mom: Ist es grund­sätz­lich mög­lich, auch ein Früh­ge­bo­re­nes zu stil­len?

                              Re­na­te Hlau­schek: Mei­ner Mei­nung nach ist das Stil­len von Früh­ge­bo­re­nen mög­lich, wenn wir der Mut­ter und dem früh ge­bo­re­nen Kind vol­le Un­ter­stüt­zung, Be­glei­tung und Hil­fe bie­ten. 

                              swiss­mom: Wie reif muss ein Früh­ge­bo­re­nes min­des­tens sein, da­mit das Stil­len klappt?

                              Re­na­te Hlau­schek: Es gibt un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen, wann ein Früh­ge­bo­re­nes erst­mals an­ge­legt wer­den kann. So gilt der Saug- und Schluck­re­flex zwi­schen der 32. und 34. SSW als aus­ge­reift und wird häu­fig als Mass da­für ge­nom­men, dass zu die­sem Zeit­punkt mit der ers­ten Füt­te­rung be­gon­nen wer­den kann. Stu­di­en (Kers­tin Ny­quist) be­le­gen je­doch, dass der Saug-Schluck-Re­flex bei Früh­ge­bo­re­nen frü­her aus­reift, wenn er re­gel­mäs­sig sti­mu­liert wird. Dies ist ein Zei­chen für die An­pas­sungs­fä­hig­keit, zu der ein Früh­ge­bo­re­nes in der Lage ist. Bei mei­ner Ar­beit mit Früh­ge­bo­re­nen und ih­ren Müt­tern durf­te ich er­le­ben, wie ein Baby, in der 27. SSW ge­bo­ren, schon an der Brust der Mut­ter saug­te. 

                              Zur Per­son

                              Interview mit Renate Hlauschek, diplomierte Kinderkrankenschwester und Landesvorsitzende des Vereins MOKI (mobile Kinderkrankenpflege) in Niederösterreich.

                              swiss­mom: Wo lie­gen die Schwie­rig­kei­ten?

                              Re­na­te Hlau­schek: Ich ar­bei­te­te vie­le Jah­re auf ei­ner Früh­ge­bo­re­nen­sta­ti­on im LKH Möd­ling bei Wien. Mei­ner Er­fah­rung nach ist es eine der schwie­rigs­ten Si­tua­tio­nen, eine ge­ra­de ent­bun­de­ne Mut­ter so zu stär­ken und zu stüt­zen, dass sie ihr zu früh ge­bo­re­nes Baby stil­len kann. Ei­ner der Grün­de ist die frü­he Tren­nung von Mut­ter und Kind durch zu frü­he Be­en­di­gung der Schwan­ger­schaft meist durch Kai­ser­schnitt. In der Re­gel ver­ge­hen vie­le Stun­den oder so­gar Tage bis die Müt­ter mit ih­ren Kin­dern wie­der in Kon­takt tre­ten kön­nen. Je trau­ma­ti­scher die Tren­nung von Mut­ter und Kind ist – das hängt von der Län­ge der Tren­nung ab und wie es dem Kind auf der In­ten­siv­sta­ti­on geht – des­to schwie­ri­ger ist es, wie­der in Kon­takt zu tre­ten. Auch die Angst, dass das Baby nicht über­le­ben könn­te, macht es schwie­rig, die Be­zie­hung wie­der auf­zu­bau­en. Ein wei­te­rer As­pekt ist die ei­ge­ne Ge­schich­te, mit der die Frau, so­bald sie selbst Mut­ter wird, kon­fron­tiert ist. Wenn sie selbst eine schwie­ri­ge Be­zie­hung zu ih­rer Mut­ter hat, kom­men ver­mehrt ei­ge­ne Ängs­te und Kon­flik­te hoch, die sie be­schäf­ti­gen. Sie stellt häu­fig die Fra­ge  „Bin ich eine gute Mut­ter?“ und gleich­zei­tig hat sie das Ge­fühl, als Mut­ter ver­sagt zu ha­ben. Auch beim Va­ter wird ei­ni­ges ak­ti­viert, je nach ei­ge­ner Ver­ar­bei­tung. Ich hat­te z.B. ei­nen Va­ter auf der Sta­ti­on, der selbst ein zu früh ge­bo­re­nes Baby auf die­ser Ab­tei­lung war, und er konn­te nur ganz sel­ten wäh­rend des Auf­ent­hal­tes zu Be­such kom­men. Es ist wich­tig, die­sen Kreis­lauf zu er­ken­nen und da­ge­gen schon im Kran­ken­haus zu ar­bei­ten. 

                              swiss­mom: Was muss beim Stil­len Früh­ge­bo­re­ner be­son­ders be­ach­tet wer­den? 

                              Re­na­te Hlau­schek: Am wich­tigs­ten ist das Ge­spräch mit der Mut­ter! Was hät­te sie vor­ge­habt? Woll­te sie stil­len oder ge­nau wie ihre Mut­ter das Baby mit der Fla­sche füt­tern? Die Mut­ter muss so un­ter­stützt wer­den, dass sie zu ih­rer Ant­wort fin­den kann, und zwar un­ab­hän­gig da­von, was ich als Be­treu­ungs­per­son vom Stil­len hal­te. Die­ser Pro­zess er­for­dert Zeit. Die El­tern sol­len auch ihre Ängs­te und Sor­gen äus­sern kön­nen, um sich ent­schei­den zu kön­nen. Dann wird durch den frü­hen Erst­kon­takt - schon im Kreis­saal oder Ope­ra­ti­ons­saal - zwi­schen Mut­ter und Kind eine Mög­lich­keit zum Bon­ding ge­ge­ben und das Stil­len ge­lingt leich­ter. Aber egal, wel­che Form der Er­näh­rung auf der In­ten­siv­sta­ti­on mög­lich und ge­wünscht ist: Die Mut­ter soll­te sehr bald nach der Ge­burt oder nach der Sec­tio mit dem Pum­pen der Brust be­gin­nen. Un­ter­su­chun­gen zeig­ten, dass je frü­her mit dem Ab­pum­pen be­gon­nen wur­de, des­to län­ger ge­stillt wer­den konn­te ( Dr. Pau­la Mei­er, Chi­ca­go ). Das Ab­pum­pen ne­ben dem Früh­ge­bo­re­nen er­höht zu­dem die Milch­men­ge. Die Mut­ter kann se­hen und füh­len, für wen sie ihre Milch pumpt. Schliess­lich sind auch noch sehr wich­tig die Nu­ckel­ver­su­che an der Brust, auch wenn das zu früh ge­bo­re­ne Baby noch nicht rich­tig sau­gen kann. Die Klei­nen darf man ru­hig an der Brust lie­gen las­sen. Ich er­le­be im­mer wie­der, wie sehr sich die­se Ba­bys da­bei ent­span­nen, wenn sie die Wär­me spü­ren und die Mut­ter­brust rie­chen. Kän­gu­ru­hen soll­te man so früh wie mög­lich durch­füh­ren. Ge­ra­de die kleins­ten und in­sta­bils­ten Früh­ge­bo­re­nen pro­fi­tie­ren vom Kän­gu­ru­hen am meis­ten.

                              swiss­mom: Wel­che Aus­wir­kun­gen hat das Stil­len auf die Mut­ter-Kind-Be­zie­hung? Und kann es auch ohne Stil­len zu ei­ner gu­ten Be­zie­hung kom­men? 

                              Re­na­te Hlau­schek: Zu den Aus­wir­kun­gen: Die Au­toren Klaus und Kennel schrei­ben in ih­rem be­rühm­ten Buch "Bon­ding": „Ein ur­alter mensch­li­cher Zy­klus setzt sich in die­ser fein ab­ge­stimm­ten In­ter­ak­ti­on zwi­schen Mut­ter und Kind fort: Das Baby saugt an der Brust, müt­ter­li­che Hor­mo­ne wer­den ak­ti­viert, der Let down Re­flex (Milch­spen­de­re­flex, d.Red.) tritt ein, das Baby trinkt und die Mut­ter fühlt sich ih­rem Baby im­mer stär­ker, tie­fer und lie­be­vol­ler ver­bun­den. Es scheint nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Be­frie­di­gung und die Er­fül­lung, die das Baby beim Stil­len er­fährt, sich po­si­tiv auf spä­te­re per­sön­li­che und in­ti­me Be­zie­hun­gen zu an­de­ren Men­schen aus­wirkt.“ Es gibt aber na­tür­lich Mög­lich­kei­ten, trotz­dem zu ei­ner gu­ten Be­zie­hung zu kom­men:

                              • Eine Mög­lich­keit ist das schon ge­nann­te Kän­gu­ru­hen.

                              • Beim Füt­tern mit der Fla­sche auf en­gen Kör­per­kon­takt ach­ten, im Arm füt­tern, Blick­kon­takt hal­ten, vor und nach dem Fläsch­chen län­ger im Arm hal­ten, Schmu­se­zei­ten ein­bau­en.

                              • Das Tra­gen der Kin­der im Tra­ge­tuch. Es ist er­wie­sen, dass ge­still­te Kin­der viel we­ni­ger im Bett lie­gen oder zu an­de­ren Leu­ten ge­ge­ben wer­den als die mit Fla­sche ge­füt­ter­ten Ba­bys. Wenn man dar­auf ach­tet, dass das Kind viel Kör­per­kon­takt be­kommt und ge­tra­gen wird, kann sehr viel an Be­zie­hung auf­ge­baut wer­den.

                              Un­ser Link­tipp: www.moki.at

                              Letzte Aktualisierung: 08.11.2019, BH

                              Mehr zum The­ma

                              Ak­tu­el­les

                              kurz&bündigkurz&bündig
                              11/22/2021
                              Weinendes und krankes Baby und Fieberthermometer

                              Un­ser Baby hat Fie­ber

                              Hat ein Baby im Al­ter bis zu drei Mo­na­ten eine rek­tal ge­mes­se­ne Kör­per­tem­pe­ra­tur von 38 Grad Cel­si­us oder hö­her, …

                              Auch in­ter­es­sant

                              Neu­es­te Ar­ti­kel

                              Unsere Partner

                              Anzeige
                              Anzeige