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                              Vater mit Baby auf dem Arm, Ärztin bereitet Spritze vor
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                              Sind Imp­fun­gen wirk­lich nö­tig?


                              Ein Gast­bei­trag von Ümit Yo­ker

                              Vie­le Fra­gen nach Not­wen­dig­keit und Nut­zen von Imp­fun­gen dürf­ten durch das Co­ro­na­vi­rus in ein neu­es Licht ge­rückt wor­den sein. Ant­wor­ten braucht es trotz­dem – oder so­gar erst recht. Zwei Kin­der­ärz­te ha­ben sie.

                              Wie ra­sant sich ein leicht über­trag­ba­res Vi­rus ver­brei­ten kann, wie vie­le Men­schen es mit sich reis­sen, welch ver­hee­ren­de Fol­gen es ha­ben kann, sol­che Schil­de­run­gen dien­ten noch vor Kur­zem al­lein dazu, uns die Ge­fahr von In­fek­ti­ons­krank­hei­ten zu ver­an­schau­li­chen, die wir nur noch vom Hö­ren­sa­gen kann­ten.

                              Buch­tipp

                              Dr. med. Thomas Schmitz und Sven Siebert
                              «Klartext: Impfen! Ein Aufklärungsbuch zum Schutz unserer Gesundheit», Harper Collins, 2019

                              Seit das Co­ro­na­vi­rus sich welt­weit aus­brei­tet, muss man nie­man­dem mehr er­klä­ren, wie es ist, wenn we­der Me­di­ka­men­te noch Impf­stof­fe exis­tie­ren ge­gen ei­nen Er­re­ger, der wie ein Lauf­feu­er über­hand­nimmt. Tho­mas Schmitz und Sven Sie­bert ha­ben sich – prä-Co­ro­na­vi­rus – für ihr ak­tu­el­les Buch «Klar­text: Imp­fen!» ein­ge­hend da­mit be­schäf­tigt, war­um dem Imp­fen seit Jah­ren mit im­mer mehr Skep­sis be­geg­net wird, wel­che Ri­si­ken es tat­säch­lich birgt und ob über­stan­de­ne Krank­hei­ten nicht auch ihre gu­ten Sei­ten ha­ben.
                              Schmitz ist Fach­arzt für Kin­der- und Ju­gend­heil­kun­de und ar­bei­tet als Ober­arzt und Do­zent in der Kli­nik für Neo­na­to­lo­gie an der Ber­li­ner Cha­rité, Sie­bert ist Jour­na­list und di­plo­mier­ter Bio­lo­ge.

                              Wir ha­ben ei­ni­ge ih­rer Ant­wor­ten zu fol­gen­den Fra­gen zu­sam­men­ge­tra­gen:

                              War­um lö­sen Imp­fun­gen seit ei­ni­ger Zeit so viel Skep­sis aus?


                              El­tern möch­ten ei­gen­stän­dig und be­wusst Ent­schei­dun­gen tref­fen – ganz be­son­ders, wenn es um die Ge­sund­heit ih­rer Kin­der geht. Wir wol­len nicht ein­fach blind den Emp­feh­lun­gen staat­li­cher Ein­rich­tun­gen oder dem Rat der Kin­der­ärz­tin fol­gen. «Das ist grund­sätz­lich ver­ständ­lich und be­rech­tigt, aber meis­tens ver­dammt schwie­rig», schrei­ben Schmitz und Sie­bert in ih­rem Buch.

                              Die Ma­te­rie ist kom­plex und es ist kaum mög­lich, sich mit ein paar Stun­den Re­cher­che im Netz und ei­nem Sta­pel Bü­cher ein um­fas­sen­des Bild zu ma­chen. Die Me­di­zin ste­he heu­te viel­fach in dem Ruf, eine kal­te, Na­tur und Men­schen miss­ach­ten­de Ap­pa­ra­te- und Phar­ma­me­di­zin zu sein, auch wenn das ein sehr ein­sei­ti­ger Blick sei.
                              Ge­ra­de Imp­fun­gen sei­en hier eine ver­lo­cken­de Ge­le­gen­heit, um dem dif­fu­sen Un­be­ha­gen da­ge­gen Aus­druck zu ver­lei­hen und sich dem Ge­sund­heits­sys­tem zu wi­der­set­zen – wohl nicht zu­letzt des­halb, weil wir zum Zeit­punkt des vor­ge­se­he­nen Ein­griffs eben ge­sund sind.

                              Ist denn jeg­li­che Impf­kri­tik aus der Luft ge­grif­fen?


                              Nein, na­tür­lich nicht. Imp­fun­gen sind mit Ri­si­ken ver­bun­den, wie an­de­re me­di­zi­ni­sche Mass­nah­men auch. Das strei­ten auch die­je­ni­gen Fach­leu­te nicht ab, die von de­ren Nut­zen und Not­wen­dig­keit über­zeugt sind. Eine Ent­schei­dung zu ei­ner Imp­fung be­deu­tet im­mer ab­zu­wä­gen: Wie gross ist das Ri­si­ko, dass eine Er­kran­kung gra­vie­ren­de oder so­gar töd­li­che Fol­gen mit sich bringt? Und wie hoch die Wahr­schein­lich­keit, dass ei­ner Imp­fung schwer­wie­gen­de Schä­den fol­gen, bei­spiels­wei­se ein Kreis­lauf­schock oder eine Ge­hirn­ent­zün­dung? Nur wenn Ers­te­res um ein Viel­fa­ches grös­ser ist als Letz­te­res, recht­fer­tigt sich der Ein­griff in die kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit und wird eine Imp­fung über­haupt zu­ge­las­sen.

                              Ge­ra­de bei den gän­gi­gen, zig­mil­lio­nen­fach er­prob­ten Imp­fun­gen für Ba­bys und Kin­der sind dra­ma­ti­sche Impf­schä­den oder un­vor­her­ge­se­he­ne Kon­se­quen­zen je­doch äus­serst sel­ten. Selbst­ver­ständ­lich wür­de man sei­nem Kind auch ger­ne un­an­ge­neh­me Ne­ben­wir­kun­gen wie Fie­ber, Rö­tun­gen oder Mus­kel­schmer­zen er­spa­ren; doch die­se sind in der Re­gel schnell vor­bei und harm­los.

                              Ei­nen Ver­dacht auf Impf­schä­den kann man üb­ri­gens nicht nur mel­den, man muss so­gar: Den Emp­feh­lun­gen der Eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­si­on für Impf­fra­gen – dem Schwei­ze­ri­schen Impf­plan – ist ein Mel­de­for­mu­lar für un­er­wünsch­te Imp­fer­schei­nun­gen an­ge­hängt. Zu­stän­dig für die Ab­klä­rung ist das Heil­mit­tel­in­sti­tut Swiss­me­dic.

                              Und was ist mit Au­tis­mus?


                              Seit Ende der 1990er-Jah­re hat das Miss­trau­en ge­gen­über Imp­fun­gen eine ganz neue Dy­na­mik an­ge­nom­men. 1998 pu­bli­zier­te der bri­ti­sche Me­di­zi­ner An­drew Wake­field in der Fach­zeit­schrift «The Lan­cet» eine Stu­die, in der er ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen Au­tis­mus und der Drei­fachimp­fung ge­gen Ma­sern, Mumps und Rö­teln fest­stell­te.

                              Die Ar­beit warf rie­si­ge Wel­len, doch zeig­te sich bald, dass der Wis­sen­schaft­ler nur eine sehr klei­ne Zahl von Fäl­len un­ter­sucht und spe­ku­la­ti­ve Schlüs­se ge­zo­gen hat­te, wie Schmitz und Sie­bert schrei­ben. Die Stu­die ist längst zu­rück­ge­zo­gen und mehr­fach wi­der­legt, Wake­field hat sei­ne Ap­pro­ba­ti­on ver­lo­ren. War­um aber hält sich der Ver­dacht trotz­dem hart­nä­ckig?

                              Die bei­den Au­toren ha­ben ei­nen Er­klä­rungs­an­satz da­für: Au­tis­mus hat zwar ge­ne­ti­sche Ur­sa­chen und die ent­spre­chen­den Ver­än­de­run­gen im Ge­hirn set­zen lan­ge vor der Ge­burt ein. Die ers­ten An­zei­chen re­gis­trie­ren El­tern je­doch oft im zwei­ten Le­bens­jahr – der Zeit­punkt ei­ner Dia­gno­se fällt des­halb nicht sel­ten mit der MMR-Imp­fung zu­sam­men.

                              Im Zu­sam­men­hang mit Au­tis­mus ist zu­dem im­mer wie­der vom queck­sil­ber­hal­ti­gen Kon­ser­vie­rungs­mit­tel Thio­mer­sal so­wie von Alu­mi­ni­um die Rede, das als Wirk­ver­stär­ker bei Tot­impf­stof­fen ein­ge­setzt wird. So­wohl bei Ers­te­rem als auch bei Letz­te­rem konn­te bis­her kei­ner­lei Zu­sam­men­hang mit Au­tis­mus nach­ge­wie­sen wer­den.

                              In den USA wie auch in Eu­ro­pa rie­ten Ge­sund­heits­be­hör­den be­reits in den 1990er-Jah­ren zu ei­nem Ver­zicht auf Thio­mer­sal auf. Es ist heu­te in kei­ner Imp­fung für Klein­kin­der mehr ent­hal­ten. Alu­mi­ni­um­hy­dro­xid oder Alu­mi­ni­um­p­hos­phat wer­den ein­ge­setzt, um die Im­mun­re­ak­ti­on bei Imp­fun­gen zu ver­stär­ken, die kei­ne le­ben­den Er­re­ger ent­hal­ten.

                              Ohne Wirk­ver­stär­ker wä­ren Imp­fun­gen ge­gen Di­ph­te­rie, Te­ta­nus oder Keuch­hus­ten nicht mög­lich. Es kann da­bei wie bei an­de­ren Arz­nei­mit­teln zu Un­ver­träg­lich­kei­ten kom­men, auch zu all­er­gi­schen oder ent­zünd­li­chen Re­ak­tio­nen. Al­ler­dings, ge­ben die bei­den Au­toren zu be­den­ken, neh­men wir über die Nah­rung deut­lich mehr Alu­mi­ni­um zu uns, als die­ses in Impf­stof­fen zu fin­den ist.

                              "Es geht bei über­trag­ba­ren In­fek­ti­ons­krank­hei­ten nie nur um die Ge­fahr für ei­nen selbst, son­dern auch um den Schutz der Ge­sell­schaft."

                              Ver­lau­fen Ma­sern nicht meis­tens harm­los?


                              Ma­sern müs­sen nicht schlimm sein. Bei zwei bis drei von zehn Er­krank­ten gibt es je­doch Kom­pli­ka­tio­nen. Dann be­deu­ten Ma­sern nicht nur rote Fle­cken und Fie­ber, son­dern mög­li­cher­wei­se auch eine Mit­tel­ohr-, eine Lun­gen- oder in ganz schlim­men Fäl­len so­gar eine Hirn­haut­ent­zün­dung.

                              Es geht bei Ma­sern wie bei al­len über­trag­ba­ren In­fek­ti­ons­krank­hei­ten nie nur um die Ge­fahr für ei­nen selbst, son­dern auch um den Schutz der Ge­sell­schaft: Es wird im­mer Men­schen ge­ben, die sich nicht imp­fen las­sen kön­nen und für die das Ri­si­ko ei­nes dra­ma­ti­schen Krank­heits­ver­laufs viel grös­ser ist als für an­de­re: Men­schen mit an­ge­bo­re­ner Im­mun­schwä­che etwa, Säug­lin­ge, alle, die das HI-Vi­rus in sich tra­gen, die ge­ra­de eine Che­mo­the­ra­pie durch­ge­macht ha­ben oder eine Or­gan­trans­plan­ta­ti­on.

                              Sie alle sind auf den so­ge­nann­ten Her­den­schutz an­ge­wie­sen – dar­auf also, dass mehr als 95 Pro­zent der Men­schen um sie her­um auf den Krank­heits­er­re­ger im­mun sind und ihn nicht wei­ter­ge­ben kön­nen. Ma­sern, aber auch Diph­the­rie, Starr­krampf oder Keuch­hus­ten sind kei­nes­wegs aus­ge­rot­tet und kön­nen sich sehr schnell wie­der aus­brei­ten.

                              Impf­plan Schweiz 2020

                              Empfohlene Basisimpfungen im ersten Lebensjahr gemäss der Eidgenössischen Kommission für Impffragen und des Bundesamts für Gesundheit: Der Schweizerische Impfplan 2020 sieht für Kinder mit zwei, vier und zwölf Monaten Impfungen gegen Diphtherie, Starrkrampf, Keuchhusten, Hirnhaut- und Kehlkopfentzündung, Kinderlähmung sowie Hepatitis B vor. Im Alter von neun und zwölf Monaten soll gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft werden. Zusätzlich zu diesen Basisimpfungen rät das Bundesamt für Gesundheit für Kinder im Alter von zwei Jahren zu einer Impfung gegen diverse Gruppen von Meningokokken.

                              Liegt der Rück­gang von In­fek­ti­ons­krank­hei­ten nicht an den bes­se­ren Le­bens­be­din­gun­gen?


                              Tat­säch­lich sind man­che Krank­hei­ten vor al­lem ver­schwun­den, weil sich un­se­re Hy­gie­ne- und Le­bens­be­din­gun­gen ver­bes­sert ha­ben. Cho­le­ra, zum Bei­spiel: Nicht eine Imp­fung hat der Krank­heit in Zü­rich den Gar­aus ge­macht, son­dern die 1867 be­schlos­se­ne «Ab­fuhr- und Kloa­ken­re­form ». Sie zog den Bau ei­nes städ­ti­schen Ka­na­li­sa­ti­ons­sys­tems nach sich. Eben­so be­kam man das Kind­bett­fie­ber re­la­tiv schnell in den Griff, als klar war, dass sich Ärz­te nach dem Se­zie­ren von Lei­chen gründ­lich die Hän­de wa­schen soll­ten, be­vor sie zu Frau­en in der Ge­burts­ab­tei­lung hin­über­gin­gen.

                              Doch nicht al­len In­fek­ti­ons­krank­hei­ten ist mit sau­be­rem Trink­was­ser und aus­rei­chend Hy­gie­ne bei­zu­kom­men, das ha­ben die Er­eig­nis­se der ver­gan­ge­nen Mo­na­te ge­zeigt. Und auch Krank­hei­ten wie Ma­sern, Kin­der­läh­mung oder Rö­teln las­sen sich nur durch Im­mu­ni­sie­rung ein­däm­men oder eli­mi­nie­ren.

                              Wirkt sich eine über­stan­de­ne Kin­der­krank­heit auf das Im­mun­sys­tem und auch auf die Per­sön­lich­keits­bil­dung po­si­tiv aus?


                              Nein, tut sie nicht. Eine Imp­fung ak­ti­viert die­sel­be na­tür­li­che Ab­wehr­re­ak­ti­on des Kör­pers wie eine Er­kran­kung – je­doch mit dem ent­schei­den­den Vor­teil, dass man die Krank­heit selbst und all­fäl­li­ge gra­vie­ren­de Fol­gen nicht durch­ma­chen muss, um für wei­te­re An­grif­fe ge­rüs­tet zu sein.

                              Die An­ste­ckung mit ei­ner In­fek­ti­ons­krank­heit bringt ge­gen­über ei­ner Imp­fung kei­nen zu­sätz­li­chen Nut­zen. Im Ge­gen­teil: Krank­hei­ten wie Ma­sern schwä­chen das Im­mun­sys­tem lang­fris­tig eher, wie Schmitz und Sie­bert schrei­ben. Nach ei­ner Ma­sern­in­fek­ti­on sei selbst Jah­re spä­ter noch die Wahr­schein­lich­keit er­höht, an ei­ner In­fek­ti­on durch an­de­re Er­re­ger zu er­kran­ken oder so­gar zu ster­ben.

                              Bleibt die Fra­ge nach dem kind­li­chen Ent­wick­lungs­schub. Schmitz und Sie­bert ha­ben sie je­man­dem ge­stellt, dem in die­sem Be­reich kei­ner so schnell das Was­ser reicht: Remo Lar­go. Tat­säch­lich stel­le man bei Kin­dern nach ei­ner durch­ge­stan­de­nen Er­kran­kung häu­fig ei­nen Sprung in der Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung fest, ant­wor­te­te der Schwei­zer Kin­der­arzt und Buch­au­tor. Das habe al­ler­dings nichts mit der In­fek­ti­on zu tun.

                              Es lie­ge schlicht dar­an, dass das Kind zwei Wo­chen lang ge­lang­weilt und un­tä­tig im Bett ge­le­gen habe – und viel­leicht auch an der be­son­de­ren Zu­wen­dung der El­tern, die ihm in je­ner Zeit zu­teil wur­de. «Sie kön­nen auch ein ge­sun­des Kind 14 Tage lang im Bett be­hal­ten», sagt Lar­go. «Es will dann auch end­lich wie­der ak­tiv sein und ist lern­be­gie­ri­ger als vor­her.»

                              Brau­chen wir eine Impf­pflicht?


                              Es gab in der Schweiz im­mer wie­der Dis­kus­sio­nen über eine Impf­pflicht – so rich­tig und lan­des­weit durch­set­zen konn­te die­se sich aber nie. Ge­ra­de die Po­cken­imp­fung war frü­her je­doch in vie­len Län­dern ob­li­ga­to­risch. So herrsch­te in der BRD bis zur Aus­rot­tung der Krank­heit in den 1970er-Jah­ren die Impf­pflicht, im Os­ten galt die­se so­gar bis zum Ende der DDR.

                              Seit März 2020 gilt in Deutsch­land neu eine Ma­sern­impf­pflicht: Alle Kin­der müs­sen vor Kita- oder Schul­ein­tritt zwei­mal ge­gen Ma­sern ge­impft sein, eben­so Er­zie­hungs­per­so­nen, Lehr­kräf­te und me­di­zi­ni­sches Per­so­nal. Län­der wie Frank­reich oder Ita­li­en ha­ben so­gar wei­ter­ge­hen­de Vor­ga­ben.

                              Der Nut­zen ei­ner Impf­pflicht ist auch un­ter Fach­leu­ten um­strit­ten, die Imp­fun­gen grund­sätz­lich be­für­wor­ten. So sei­en die häu­fi­ge­ren Ma­sern­aus­brü­che der ver­gan­ge­nen Jah­re vor al­lem auf Lü­cken bei Ju­gend­li­chen und jun­gen Er­wach­se­nen zu­rück­zu­füh­ren, schrei­ben Schmitz und Sie­bert. Eine Impf­pflicht für Ba­bys und Klein­kin­der wür­de dies­be­züg­lich we­nig aus­rich­ten. Bes­ser sei­en Auf­klä­rung und In­for­ma­ti­on so­wie auf­su­chen­de Impf­an­ge­bo­te, also Imp­fun­gen in Schu­len oder Un­ter­neh­men.

                              Eine ge­setz­li­che Pflicht zu ein­zel­nen Imp­fun­gen könn­te zu­dem die Ak­zep­tanz für an­de­re, nicht ob­li­ga­to­ri­sche Imp­fun­gen ver­rin­gern – zu ei­ner Art Trotz­re­ak­ti­on füh­ren also. «In der Schweiz steht eine Ma­sern­impf­pflicht der­zeit nicht zur De­bat­te», sagt auf An­fra­ge Da­ni­el Des­grand­champs, Fach­arzt für Päd­ia­trie und In­fek­tio­lo­gie und wis­sen­schaft­li­cher Se­kre­tär der Eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­si­on für Impf­fra­gen. Die Ma­sern­kam­pa­gne des Bun­des­amts für Ge­sund­heit habe deut­lich zu ei­ner ver­bes­ser­ten Durch­imp­fung bei­getra­gen. Lü­cken be­stün­den auch hier haupt­säch­lich bei jun­gen Er­wach­se­nen.

                              Bund und Kan­to­ne dür­fen eine Impf­pflicht nur «bei er­heb­li­cher Ge­fahr für die öf­fent­li­che Ge­sund­heit und für ein­ge­grenz­te Per­so­nen­krei­se er­las­sen». Sie­bert ver­mu­tet: Soll­te es ei­nen Impf­stoff ge­gen Co­vid-19 ge­ben, ehe die Pan­de­mie zu ih­rem na­tür­li­chen Ende ge­kom­men sei, wer­de die Nach­fra­ge da­nach aber wohl so hoch sein, dass eine Impf­pflicht da­für wahr­schein­lich über­flüs­sig sei. Des­grand­champs geht da­von aus, dass ein sol­cher Impf­stoff je­doch kaum in ab­seh­ba­rer Zeit, also in­ner­halb we­ni­ger als zwölf Mo­na­ten, zur Ver­fü­gung ste­hen dürf­te.
                              Ge­gen­stim­men kri­tisch prü­fen

                              Wer den Emp­feh­lun­gen der Eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­si­on für Impf­fra­gen folgt, lässt sei­nem Kind schon im ers­ten Le­bens­jahr ei­ni­ge Sprit­zen set­zen. Man kann es dre­hen und wen­den, wie man will: Ei­nem ge­sun­den Baby alle paar Mo­na­te ei­nen oder meh­re­re Krank­heits­er­re­ger zu in­ji­zie­ren, macht kei­nen Spass, selbst wenn die­ser ab­ge­tö­tet oder ab­ge­schwächt ist – nicht den El­tern und schon gar nicht dem Kind.

                              Es ver­un­si­chert, dass wir uns ge­ra­de in ei­ner so wich­ti­gen Fra­ge wie der Ge­sund­heit un­se­rer Töch­ter und Söh­ne auf an­de­re ver­las­sen müs­sen. Doch ist das An­lass ge­nug, um dem Ge­sund­heits­sys­tem mit sei­nen Aber­tau­sen­den von Ärz­tin­nen, Kran­ken­pfle­gern und Heb­am­men grund­sätz­lich zu miss­trau­en – an­de­ren aber be­reit­wil­lig zu glau­ben, nur weil sie das Ge­gen­teil des­sen be­haup­ten, was die Schul­me­di­zin sagt?

                              Er­klär­te Impf­geg­ner wer­de wohl auch Co­vid- 19 nicht we­sent­lich in ih­rer Hal­tung be­ein­flus­sen, sagt Sie­bert. Wer bis­her aber ein­fach un­si­cher, skep­tisch oder nach­läs­sig ge­we­sen sei in die­ser Hin­sicht, dem dürf­te das neue Vi­rus nun deut­lich vor Au­gen ge­führt ha­ben, wie wich­tig Impf­stof­fe sind – und wie froh man um sie wäre, wenn eine ge­fähr­li­che neue In­fek­ti­ons­krank­heit auf­taucht. Wenn Mün­dig­keit das Recht heisst zu hin­ter­fra­gen, ob Imp­fun­gen ge­prüft und ge­recht­fer­tigt sind, ob sie si­cher sind und wirk­lich nüt­zen – be­deu­tet sie dann nicht eben­so, auch die Ar­gu­men­te der Ge­gen­stim­men auf Herz und Nie­ren zu prü­fen?

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                              Letzte Aktualisierung: 31.08.2020, Ümit Yoker, wir eltern
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