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                              Frederike Haslbeck bei der Musiktherapie
                              ©
                              USZ

                              Mu­sik­the­ra­pie för­dert die Ge­hirn­ent­wick­lung bei früh­ge­bo­re­nen Kin­dern

                              Gast­bei­trag von Dr. Frie­de­ri­ke Hasl­beck, Mu­sik­wis­sen­schaft­le­rin


                              Früh­ge­bo­re­ne Kin­der ha­ben ein ho­hes Ri­si­ko für Hirn­schä­den. Eine Stu­die am Uni­ver­si­täts­spi­tal Zü­rich in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Uni­ver­si­täts-Kin­der­spi­tal Zü­rich zeig­te nun, dass Krea­ti­ve Mu­sik­the­ra­pie die Hirn­ent­wick­lung der Kin­der för­dert und ei­nen schüt­zen­den Ef­fekt hat.

                              Ge­hirn­ent­wick­lung früh­ge­bo­re­ner Kin­der


                              Früh­ge­bo­re­ne Kin­der ha­ben ei­nen schwie­ri­gen Start ins Le­ben. Dank me­di­zi­ni­scher Fort­schrit­te sind ihre Über­le­bens­chan­cen in den letz­ten Jah­ren je­doch mas­siv ge­stie­gen. Die Ge­hir­ne von Kin­dern, die lan­ge vor dem er­rech­ne­ten Ge­burts­ter­min zur Welt kom­men, sind aber noch un­aus­ge­reift und des­halb an­fäl­lig für blei­ben­de neu­ro­lo­gi­sche Schä­den. Die Schä­di­gun­gen kön­nen ko­gni­ti­ve und psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen, Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten oder Be­we­gungs­stö­run­gen zur Fol­ge ha­ben, die über die Kind­heit hin­aus bis ins Ju­gend- und Er­wach­se­nen­al­ter be­stehen blei­ben. Hin­zu kommt, dass die Kin­der in ei­ner neo­na­to­lo­gi­schen In­ten­siv­sta­ti­on mit Licht, Ge­räu­schen und auch Schmer­zen un­ver­meid­lich ei­nem ge­wis­sen Stress aus­ge­setzt sind – und der be­ru­hi­gen­de Herz­schlag der Mut­ter fehlt eben­so plötz­lich wie die schüt­zen­de Um­ge­bung der Mut­ter.

                              Mu­sik­the­ra­pie für die Früh­star­ter


                              Aus Stu­di­en bei Men­schen und Tie­ren ist be­kannt, dass po­si­ti­ve Hör­erleb­nis­se die Ent­wick­lung des Ge­hirns för­dern und das Hö­ren von Mu­sik neu­ro­bio­lo­gi­sche Pro­zes­se, neu­ro­lo­gi­sches Ler­nen und die Ak­ti­vi­tät und Bil­dung der Syn­ap­sen un­ter­stützt. Frü­he­re Un­ter­su­chun­gen ha­ben zu­dem ge­zeigt, dass die Krea­ti­ve Mu­sik­the­ra­pie (crea­ti­ve mu­sic the­ra­py, CMT) bei früh­ge­bo­re­nen Kin­dern ei­nen po­si­ti­ven Ein­fluss auf Stö­run­gen und da­mit Schä­di­gun­gen in der Ge­hirn­ent­wick­lung ha­ben kann. Da­bei neh­men spe­zi­ell aus­ge­bil­de­te The­ra­peu­tin­nen und The­ra­peu­ten das Atem­mus­ter und phy­si­sche An­zei­chen etwa von Schmerz oder Un­ru­he der Kin­der auf und un­ter­stüt­zen die Kin­der durch Sin­gen und Sum­men im Wie­gen­lie­der­stil da­bei, sich sel­ber zu re­gu­lie­ren. Wenn mög­lich wer­den auch die El­tern in die The­ra­pie ein­be­zo­gen und zum ei­ge­nen Sin­gen an­ge­lei­tet; so kann die The­ra­pie z.B. wäh­rend des «Kän­gu­ru» im Haut­kon­takt mit Va­ter oder Mut­ter durch­ge­führt wer­den, um die Bin­dung zu un­ter­stüt­zen.

                              Die The­ra­pie be­wirkt au­gen­schein­lich bei den Kin­dern eine merk­li­che Ent­span­nung, was sich in der Atem­fre­quenz, aber auch an Ges­ten oder am Ge­sichts­aus­druck zeigt. Die kör­per­li­che Nähe zu Mut­ter und Va­ter ver­stärkt die po­si­ti­ven Ef­fek­te der The­ra­pie. Zu­sätz­lich eb­ben die häu­fig vor­han­de­nen Ängs­te der El­tern ab, was sich auf die Kin­der wei­ter be­ru­hi­gend aus­wirkt. Ob sich die CMT auch nach­weis­bar kurz- und mit­tel­fris­tig po­si­tiv auf die neu­ro­na­le Ent­wick­lung und be­stimm­te Hirn­re­gio­nen aus­wirkt, war bis­her je­doch nicht un­ter­sucht wor­den.

                              MRI-Un­ter­su­chung der Kin­der­ge­hir­ne im Schlaf


                              Die Mu­sik­wis­sen­schaft­le­rin und Pio­nie­rin der Krea­ti­ven Mu­sik­the­ra­pie in der Neo­na­to­lo­gie Frie­de­ri­ke Hasl­beck konn­te nun zu­sam­men mit ei­nem Team in der Kli­nik für Neo­na­to­lo­gie am Uni­ver­si­täts­spi­tal Zü­rich und am Uni­ver­si­täts-Kin­der­spi­tal Zü­rich in ei­ner Stu­die die Ent­wick­lung und Ver­än­de­run­gen der Ge­hir­ne früh­ge­bo­re­ner Kin­der un­ter der Mu­sik­the­ra­pie un­ter­su­chen. Um die Kin­der ma­xi­mal zu scho­nen, wur­de für die Un­ter­su­chung dif­fu­si­ons­ge­wich­te­te Ma­gnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (DTI) ein­ge­setzt. Das Ver­fah­ren wird zur Un­ter­su­chung des Ge­hirns ein­ge­setzt und er­laubt Rück­schlüs­se auf den Ver­lauf der gros­sen Ner­ven­fa­ser­bün­del. Wie die be­kann­te­re Ma­gnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (MRI), ist die DTI nicht­in­va­siv, sie er­for­dert we­der eine In­jek­ti­on von Kon­trast­mit­teln noch den Ein­satz von io­ni­sie­ren­der Strah­lung. In die Stu­die konn­ten 82 Kin­der auf­ge­nom­men wer­den, die Hälf­te der Kin­der er­hielt zu­sätz­lich zur üb­li­chen The­ra­pie zwei- bis drei­mal wö­chent­lich Mu­sik­the­ra­pie wäh­rend ca. 20 Mi­nu­ten, je­des Kind nach ei­nem in­di­vi­du­ell er­stell­ten The­ra­pie­plan. Die Auf­ent­halts­dau­er der Kin­der im Spi­tal be­trug drei bis zehn Wo­chen, die Zahl der The­ra­pie­ein­hei­ten acht bis dreis­sig. Die Un­ter­su­chung im MRI wur­de je­weils wäh­rend des na­tür­li­chen Schla­fes ge­macht. Um sie dar­in nicht zu stö­ren, wur­de den Kin­dern zu­dem ein Ge­hör­schutz auf­ge­setzt. Zur Si­cher­heit wur­den wäh­rend des MRI per­ma­nent die Herz­fre­quenz und die Sauer­stoff­sät­ti­gung im Blut über­wacht. Kein Kind zeig­te ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen der Un­ter­su­chung.

                              Sicht­ba­re Ef­fek­te der Mu­sik­the­ra­pie


                              Die Aus­wer­tung der Da­ten zeig­te we­nig Ein­fluss der Mu­sik­the­ra­pie auf die grund­le­gen­den Struk­tu­ren des Ge­hirns. «Bei den Kin­dern mit Mu­sik­the­ra­pie stell­ten wir je­doch eine si­gni­fi­kant ge­rin­ge­re Ver­zö­ge­rung in den Funk­ti­ons­pro­zes­sen zwi­schen Tha­la­mus und Hirn­rin­de, stär­ke­re funk­tio­na­le Netz­wer­ke und ein ver­bes­ser­tes Zu­sam­men­spiel ver­schie­de­ner Hirn­re­gio­nen, un­ter an­de­rem in den für die Mo­to­rik und Spra­che re­le­van­ten Be­rei­chen fest», fasst Frie­de­ri­ke Hasl­beck die Er­geb­nis­se zu­sam­men. «Da­mit konn­ten wir zum ers­ten Mal auch mit Bild­ge­bung ei­nen po­si­ti­ven und da­mit schüt­zen­den Ef­fekt der Mu­sik­the­ra­pie auf die Hirn­ent­wick­lung nach­wei­sen.» In ei­ner gross an­ge­leg­ten Fol­ge­stu­die in meh­re­ren Neo­na­to­lo­gi­en der Schweiz will Frie­de­ri­ke Hasl­beck nun un­ter­su­chen, ob sich die Mu­sik­the­ra­pie auch län­ger­fris­tig po­si­tiv auf die Ent­wick­lung der früh­ge­bo­re­nen Kin­der aus­wirkt.

                              Lie­der­buch

                              «Mit dem Ok­to­pus ins Lie­der­meer» – Ein Cha­ri­ty Lie­der­buch-Pro­jekt zum Welt­früh­ge­bo­re­nen­tag am 17. No­vem­ber 2021

                              Oktopus-Liederbuch Musiktherapie

                              Der Verein amiamusica veröffentlicht am diesjährigen Weltfrühgeborenentag ein Liederbuch mit ausgewählten, interkulturellen Liedern und Texten von Familien für Familien frühgeborener Kinder zur spielerischen Förderung im ersten Lebensjahr. Das Ziel ist, 5000 Exemplare Eltern und Kindern auf Neonatologie-Stationen in der Schweiz, Deutschland und Österreich zu schenken und die dazugehörigen Audiodateien zur Verfügung zu stellen. Warum? amiamusica will Familien motivieren, ihre Kinder mit Musik zu fördern und für und mit ihren Kindern zu singen. 

                              Möchten auch Sie Liederbücher bestellen und damit die Vertonung der Lieder unterstützen? Dann senden Sie Ihre Bestellung (18 CHF pro Liederbuch zuzüglich Porto) an: liederbuch@amiamusica.ch

                              Letzte Aktualisierung: 05.11.2021, Friederike Haslbeck, JL

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