Anzeige
Giftschlangen
©
iStock

Schlan­gen­bis­se


Ex­per­ten-Tipp von Adri­en­ne Sur­bek, Apo­the­ke­rin


So ver­mei­den Sie Schlan­gen­bis­se und kön­nen gif­ti­ge von un­gif­ti­gen Schlan­gen un­ter­schei­den. Mit Ers­te-Hil­fe-Tipps sind Sie bes­tens im Fal­le ei­nes Schlan­gen­bis­ses vor­be­rei­tet. Ru­hig und über­legt er­grei­fen Sie die rich­ti­gen, ers­ten Mass­nah­men. Schlan­gen­bis­se von Vi­pern oder Kreuz­ot­tern (Gift­schlan­gen) in der Schweiz sind für Er­wach­se­ne meist un­ge­fähr­lich, Kin­der be­nö­ti­gen al­len­falls ein Ge­gen­gift (An­ti­venin). Zur Be­ob­ach­tung soll­ten be­trof­fe­ne Per­so­nen bei Bis­sen von Gift­schlan­gen im Spi­tal 24 Stun­den über­wacht wer­den.

Wie gross ist die Ge­fahr ei­nes Schlan­gen­bis­ses in der Schweiz?


Ver­gli­chen mit In­sek­ten­sti­chen sind Schlan­gen­bis­se in der Schweiz sel­ten. Zwei Gift­schla­gen sind ein­hei­misch: Die Kreuz­ot­ter (=Vi­pe­ra be­rus) und die As­pis­vi­per (=Vi­pe­ra as­pis). Zu ein­zel­nen Biss­ver­let­zun­gen kommt es je­des Jahr.

Ringelnatter
©
iStock

Wie un­ter­schei­det man gif­ti­ge und un­gif­ti­ge Schlan­gen?


Gift­schlan­gen un­ter­schei­den sich von den un­gif­ti­gen - wie z.B. den ein­hei­mi­schen Nat­tern - durch die Pu­pil­len­form. Die gif­ti­gen Vi­pern ha­ben ver­ti­ka­le Spalt­pu­pil­len (wie Kat­zen), wäh­rend die un­gif­ti­gen Nat­tern run­de Pu­pil­len auf­wei­sen. Die Vi­pern sind klei­ner und ihr Kör­per ist ge­drun­ge­ner. Eine Schlan­ge, die län­ger als 90 cm ist, ist sie mit Si­cher­heit un­gif­tig. Ein­hei­mi­sche Vi­pern sind alle klei­ner.

 Aspis Viper
©
iStock

Die As­pis­vi­per ist eine Schlan­gen­art mit viel­sei­ti­gem Aus­se­hen. Es gibt be­trächt­li­che Un­ter­schie­de in der Fär­bung (grau, braun oder schwarz) und der Be­schup­pung. Un­ter­schie­de exis­tie­ren nicht nur re­gio­nal, son­dern auch un­ter den ein­zel­nen Tie­ren. Ty­pi­scher­wei­se sind auf dem Rü­cken zahl­rei­che schwar­ze Fle­cken sicht­bar, ein­zeln oder in der Form ei­ner Zick­zack­li­nie.

Kreuzotter
©
iStock

Die Kreuz­ot­ter ist we­ni­ger viel­fäl­tig und zeigt auf dem Rü­cken eine re­gel­mäs­si­ge Zick­zack­li­nie und eine Rei­he dunk­ler Fle­cken ent­lang bei­der Sei­ten. In den Berg­re­gio­nen be­trägt die Län­ge durch­schnitt­lich 50-55 cm. Ex­em­pla­re in den Ebe­nen sind un­ge­fähr 10 cm län­ger.

Wo le­ben Gift­schlan­gen in der Schweiz?


Das Ver­brei­tungs­ge­biet der As­pis­vi­per in der Schweiz um­fasst die Al­pen­süd­sei­te (Tes­sin und süd­li­che Bünd­ner Tä­ler), die Al­pen, west­li­chen Vor­al­pen (VS, VD, FR, BE), den Süd­wes­ten des Lan­des (Rho­ne Tal, Gen­fer­see­ge­biet), so­wie die Ju­ra­ket­te (von Genf bis auf die Höhe von Brugg am lin­ken Aare Ufer).

In der Schweiz kom­men Kreuz­ot­tern haupt­säch­lich nörd­lich der Al­pen vor, mehr­heit­lich in den öst­li­chen Re­gio­nen. Weit ver­brei­tet sind sie in den Kan­to­nen Schwyz, Uri, St. Gal­len und vor al­lem in den Kan­to­nen Gla­rus und Grau­bün­den. Im Ju­ra­mas­siv ist die Kreuz­ot­ter sehr sel­ten, wenn über­haupt in dem der Ro­man­die zu­ge­hö­ri­gen Ge­biet. Im Mit­tel­land fin­det man Kreuz­ot­tern nur im Kan­ton Zü­rich.

Wis­sens­wer­tes über Schlan­gen


Wich­tig: Vi­pern sind nicht ag­gres­siv und grei­fen Men­schen nie­mals an. Sie flüch­ten, so­bald sich ein Mensch ih­nen nä­hert. Füh­len sich die Tie­re je­doch an­ge­grif­fen, kön­nen sie beis­sen. Die bei­den in der Schweiz le­ben­den Vi­pern Ar­ten, die Kreuz­ot­ter und As­pis­vi­per be­sit­zen ei­nen hoch­ent­wi­ckel­ten Gift­ap­pa­rat. Die bei­den fron­ta­len Gift­zäh­ne sind be­weg­lich und stel­len sich beim Biss auf. Das Gift tritt durch eine Öff­nung an de­ren Spit­ze aus.

Wie ver­mei­det man Schlan­gen­bis­se?


Schlan­gen re­agie­ren auf Be­we­gun­gen. Sie ha­ben kei­ne Ohr­öff­nun­gen und sind taub. Schlan­gen sind scheue Tie­re und weh­ren sich nur durch Zi­schen und Beis­sen in Not­la­ge. Sie schlüp­fen zum Schutz vor Fein­den in Rit­zen, un­ter Stei­ne, Blech-, Stein- und Eter­nit­plat­ten, un­ter Holz- und Stein­hau­fen oder Bruch­stein­mau­ern. Auf­fäl­li­ge Be­we­gun­gen ei­nes Men­schen ver­an­las­sen die Tie­re zur Flucht. Nä­hern sich Schlan­gen ei­nem Men­schen, ha­ben sie die­sen nicht be­merkt. Dies kommt häu­fig zur Paa­rungs­zeit vor. Schlan­gen sind meist bei feucht­war­mem Wet­ter un­ter­wegs - etwa Mit­te Fe­bru­ar bis Mit­te Ok­to­ber. Bei Re­gen, Hit­ze, Tro­cken­heit oder Käl­te zie­hen sie sich in ih­ren Schlupf­win­keln zu­rück.

Ver­lauf von Ver­gif­tun­gen durch Schlan­gen­bis­se


Die Sym­pto­me ver­ur­sacht durch ei­nen Schlan­gen­biss sind un­ter­schied­lich. Der Schwe­re­grad der Ver­gif­tung hängt von der Biss­stel­le, der in­ji­zier­ten Gift­men­ge, der Gift­ak­ti­vi­tät, so­wie dem Ge­sund­heits­zu­stand und Al­ter der be­trof­fe­nen Per­son ab. Stets soll­te nach ei­nem sol­chen Er­eig­nis eine 24-stün­di­ge Über­wa­chung im Spi­tal er­fol­gen.

Ers­te Hil­fe bei Schlan­gen­bis­sen


Ruhe be­wah­ren und Un­fall­op­fer be­ru­hi­gen: Das Gift ent­fal­tet erst nach meh­re­ren Stun­den sei­ne vol­le Wir­kung. Da­her bleibt ge­nü­gend Zeit, um me­di­zi­ni­sche Hil­fe zu ho­len.

  • Bei Schwin­del oder Be­wusst­lo­sig­keit: Pa­ti­en­ten in Rü­cken- oder sta­bi­le Sei­ten­la­ge brin­gen.
 Be­trof­fe­ne Glied­mas­se ru­hig­stel­len: So ver­zö­gern Sie die Ver­brei­tung des Gif­tes im Kör­per.

  • Bei ei­nem Biss in die Hand: Le­gen Sie den Arm in eine Schlin­ge. Ent­fer­nen Sie Rin­ge und Arm­bän­der.

  • Bei ei­nem Biss in das Bein oder den Fuss: Le­gen Sie eine Schie­ne an (z.B. mit Bret­tern oder Äs­ten an­fer­ti­gen).


  • Des­in­fi­zie­ren

  • Bei Be­wusst­lo­sig­keit: Pa­ti­ent in sta­bi­ler Sei­ten­la­ge la­gern.

  • Bei Schock: Schock­la­ge­rung, dh den Kopf tie­fer als den Kör­per la­gern.

  • Trans­port: Pa­ti­ent da­nach mög­lichst in Lie­ge­po­si­ti­on ins nächs­te Spi­tal oder zum Arzt trans­por­tie­ren.

  • Bei be­kann­ter All­er­gie auf Schlan­gen­bis­se: Stellt sich ein Blut­druck­ab­fall und Be­wusst­lo­sig­keit in­nert Mi­nu­ten ein, ver­ab­rei­chen Sie ein Not­fall­me­di­ka­ment (z.B. Epipen).

  • All­ge­mein: Ver­mei­den Sie mög­lichst Be­we­gun­gen, da Mus­kel­kon­trak­tio­nen eine ra­sche­re Gift­aus­brei­tung be­wir­ken.

  • Beim Trans­port scho­nen Sie den Pa­ti­en­ten oder ru­fen am bes­ten die Am­bu­lanz.

  • Tau­chen in­nert den ers­ten sechs Stun­den kei­ne Sym­pto­me (lo­kal oder sys­te­misch) auf, kann da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass kei­ne re­le­van­ten Gift­men­gen in den Kör­per ge­lang­ten.

  • Der Pa­ti­ent ge­hört si­cher­heits­hal­ber im­mer für eine 24-Stun­den-Über­wa­chung ins Spi­tal.

Fol­gen­den Mass­nah­men bei Schlan­gen­bis­sen un­be­dingt ver­mei­den


  • Druck- und Stau­ver­bän­de: Das Ab­bin­den mit Schnü­ren und ähn­li­chen kann zu schwe­ren Schä­den der be­trof­fe­nen Glied­mas­se oder gar zu de­ren Ver­lust füh­ren.


  • Ma­ni­pu­la­tio­nen an der Biss­wun­de aus­ser ei­ner gu­ten Des­in­fek­ti­on soll­ten un­be­dingt un­ter­las­sen wer­den: Eis­be­hand­lung, Aus­sau­gen der Biss­stel­le, Ein­schnei­den oder Druck an der Biss­wun­de.

  • 
Flös­sen Sie dem Pa­ti­en­ten kei­nen Al­ko­hol ein.


  • In­jek­ti­on von Schlan­gen­ge­gen­gift (An­ti­veni­nen) un­be­dingt un­ter­las­sen. Die­se dür­fen nur vom Arzt ver­ab­reicht wer­den! Bei Bis­sen durch eu­ro­päi­sche Vi­pern wird eine An­ti­se­rum­the­ra­pie sehr re­strik­tiv ge­hand­habt. Er­wach­se­ne über­le­ben sol­che Bis­se prak­tisch im­mer, bei Kin­dern kann eine An­ti­se­rum­the­ra­pie je­doch not­wen­dig sein.

Letzte Aktualisierung: 27.03.2020, AS
Anzeige
Anzeige