Schwangere beim Tai Chi Training

Erfahrungsbericht zu Tai Chi und Qi Gong während Schwangerschaft, Geburt und danach

Ich übe seit ein paar Jahren Tai Chi (Yang- und Chen-Stil) und habe auch schon Qi-Gong-Kurse (8 Brokatübungen) besucht. Als ich schwanger wurde, nahm ich mir vor, Tai Chi weiter zu betreiben.

Zu Beginn machte ich mir etwas Sorgen, vor allem wegen des Gleichgewichts. Zu beiden Übungsabfolgen (so genannte «Formen»), die ich kenne, gehören nämlich Übungen, bei denen man laaaaange auf einem Bein steht, weil man sich ja so langsam bewegt. Mein Lehrer meinte aber, dass es grundsätzlich kein Problem sei. Die Übungen können bei Bedarf nämlich problemlos etwas abgeändert werden. Man geht dann beispielsweise nicht so tief in die Knie (weil man NIE mehr hochkommen würde) oder macht die Hopser nicht mehr so hoch, wenn der Bauch zu schwer wird.

Tatsächlich konnte ich mich während des Trainings richtig gut entspannen. Die Bewegungen gehen beim Tai Chi von der Körpermitte aus, also genau von der Stelle, wo der Bauch zu wachsen beginnt. Dadurch bekam ich ein Bewusstsein für meinen sich verändernden Körper. Der Gleichgewichtssinn wurde laufend trainiert und an die veränderten Gegebenheiten angepasst, ich konnte sanft die Muskeln dehnen und die Übungen waren auch eine Art Haltungsschulung (gut gegen Rücken- und Kreuzschmerzen), weil man immer wieder die Mitte und das Gleichgewicht sucht. Für meinen Rücken nahm ich auch ein paar Qi-Gong-Übungen wieder auf. Das Kind war während des Trainings jeweils auffallend ruhig, bloss danach hatte ich lustigerweise immer das Gefühl, es mache die ganzen Bewegungen in meinem Bauch nach. Jedenfalls hatte ich eine problemlose Schwangerschaft, was ich zum Teil wohl dem Tai Chi verdanke; 10 Tage vor der (termingerechten) Geburt habe ich noch zum letzten Mal trainiert, danach fehlte mir einfach die Zeit. Tatsächlich ist es wohl eine der ganz wenigen «Sport»arten, die frau bis zur Geburt ausüben kann.

Auch dass ich Schwangerschaft und Geburt vergleichsweise gelassen nahm, führe ich unter anderem auf das Tai-Chi-Training zurück. So hatte ich Vertrauen in meinen Körper und machte mir relativ wenig unnötige Sorgen um das ungeborene Kind und um meine Gesundheit. Für die Geburt im Geburtshaus fühlte ich mich sicher und gewappnet – auch weil ich mit einer Kollegin gesprochen hatte, welche ausser Tai Chi keine Geburtsvorbereitung gemacht hatte und fand, es habe ihr bei der Geburt geholfen.

Tatsächlich erlebte auch ich das so. Denn erstens hatte ich ein Wissen über An- und Entspannung, welches mir half, während der Wehen nicht den ganzen Körper zu verkrampfen, sondern – ausser der Gebärmutter halt – entspannt zu bleiben. Das half bestimmt auch gegen die Schmerzen. Und zweitens sind bei den Tai-Chi-Übungen die Bewegungen mit der Atmung koordiniert (beispielsweise hebt man die Arme bein Ein- und senkt sie wieder beim Ausatmen). Weil ich schon tausendfach beim Anheben und Heranholen ein- und beim Senken und Wegstossen ausgeatmet hatte und Übungen kannte, bei denen man mit dem Atem die Aufmerksamkeit im Körper «herumwandern» lässt, machte ich das bei der Geburt automatisch richtig.

Etwa sechs Wochen nach der Geburt habe ich wieder langsam mit ersten Übungen angefangen; wahrscheinlich wäre es sogar früher gegangen, ich hatte aber vorher einfach keine Zeit dazu.

Mein Fazit: Wer schon vor der Schwangerschaft Tai Chi betrieben hat, soll damit unbedingt fortfahren, wenn es zeitlich drinliegt und körperlich möglich ist. Damit neu anzufangen würde ich allerdings nicht unbedingt empfehlen, weil die Bewegungsabläufe doch ziemlich kompliziert sind (die zwei Formen, die ich kenne, gehen je 15-20 Minuten) und einiges an Koordination und Gleichgewicht fordern. Das ist mit einem durch die Schwangerschaft aus dem Gleichgewicht geratenen Körper nicht ganz einfach, vor allem, wenn frau noch keine Übung hat. Qi Gong dagegen, das mit der Wiederholung einfacherer Bewegungen funktioniert, kann ganz bestimmt auch während der Schwangerschaft erlernt werden.

Clara

Letzte Aktualisierung : 05-08-16, BH

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