Lebensmittel mit Eisen
Ernährung | Schwangerschaft

Eisenmangel bei Frauen, insbesondere in der Schwangerschaft und Stillzeit - neue Aspekte

swissmom: Frauen und Eisen – oft eine komplizierte Beziehung. Speziell während der Schwangerschaft und nach der Geburt gilt es die Eisenwerte im Blick zu behalten. Warum?

Dr. A.F. Schaub: In der Schwangerschaft ist die Eisenbilanz trotz optimaler Resorption im Darm negativ, weil ein erhöhter Bedarf an Eisen besteht. Daher sollte in der Schwangerschaft grosszügig Eisen substituiert werden. Schwangere Frauen haben daher in 10 bis 15 % eine Anämie (Blutarmut, verminderter Hämoglobingehalt). 80 % der Schwangeren haben entleerte Eisenspeicher. Während der Schwangerschaft sollte der Eisenspeicher kontrolliert werden und mindestens 50 ng/l Ferritin (Eisenspeicherprotein) betragen.

Zur Person

Dr. med. Andreas F. Schaub ist Facharzt FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe, führt eine eigene Praxis in Zürich und setzt sich für die Geburtserleichterung mittels Geburtsgel ein.

Zur Person

swissmom: Jeden Monat während der Menstruation verlieren Frauen Eisen. Wie lässt sich dieser Bedarf wieder ersetzen?

Dr. A.F. Schaub: Die Eisenspeicher sind das Resultat zwischen Eisenaufnahme über die Nahrung und Eisenverlust vor allem durch die Menstruation. Bei vielen Frauen ist der Eisen-Verlust höher als die Aufnahme, so dass es zu einem Eisenmangel kommt. In diesen Fällen sollte eine Frau regelmässig die Eisenaufnahme mit einem Eisenpräparat ergänzen (oral: Tabletten, Dragees, Tropfen). Dies sollte langfristig erfolgen.

swissmom: Während der Schwangerschaft sollen Frauen nicht essen für zwei. Gilt dies auch für das Eisen?

Dr. A.F. Schaub: Der Mehrbedarf an Eisen in der Schwangerschaft kann nicht durch eine vermehrte Nahrungsaufnahme kompensiert werden, mehr Essen nützt daher nichts. Daher sollte in der Schwangerschaft präventiv ein orales Eisenpräparat eingenommen werden, um einem Eisenmangel vorzubeugen.  

swissmom: Können Sie uns die Symptome eines Eisenmangels schildern?

Dr. A.F. Schaub: Bei einem Eisenmangel zeigen sich vielfach Symptome wie körperlicher oder geistiger Leistungsabfall , Müdigkeit, Nackenspannen, Kopfschmerzen, depressive Stimmungslage und Haarausfall. Ein Eisenmangel kann durch seine Symptome in der Schwangerschaft und im Wochenbett sehr belastend sein. Ein unbehandelter Eisenmangel kann in vielen Fällen auch zu einer Eisenmangelanämie (Blutarmut) führen mit Gefährdung von Mutter und Kind. Auch nach der Geburt muss grosszügig Eisen substituiert werden, denn häufig führt der Blutverlust bei der Geburt zu einem Anämie und Eisenmangel. Deshalb sollte ein Eisendefizit insbesondere in der Schwangerschaft und im Wochenbett immer vorsorglich behandelt werden.

swissmom: Wie wird Eisen gemessen? Im Zusammenhang von Eisen sprechen wir oft von Hämoglobin und Ferritin. Können Sie uns dies näher erklären?

Dr. A.F. Schaub: Der Eisenspeicher wird mittels dem Eisenspeicherprotein Ferritin gemessen (empfohlener Wert: mindestens 50 ng/l Ferritin). Der Hämoglobinwert ist ein Mass für den Blutgehalt. Werte unter 12 g/l sind per Definition eine Anämie (Blutarmut). Im Falle einer Anämie ist der Eisenspeicher leer. Hingegen kann auch bei einem normalen Blutgehalt der Eisenspeicher entleert sein und zu Eisenmangelsymtomen führen.

swissmom: Wichtig ist die Wahl eines Eisenpräparates. Es gibt orale Eisenpräparate (Tabletten) und die intravenöse Eisentherapie. Welche Therapie empfehlen Sie wann?

Dr. A.F. Schaub: Bei leichten Eisenmangelzuständen kann eine orale Eisen Substitution genügen (bis 160 mg/Tag). Hier ist darauf zu achten das die Eisentabletten vor dem Essen optimal mit Orangensaft eingenommen werden sollten. Bei schweren Eisenmangelformen mit Hämoglobin-Werten unter 10 g/dl oder wenn das Eisen nicht genügend im Darm resorbiert wird, sollte Eisen intravenös substituiert werden. Hierzu wird das Eisen mit einer Kurzinfusion direkt in den Blutkreislauf zugeführt, was sehr viel effektiver ist.

swissmom: Welche Nebenwirkungen gibt es bei der oralen Einnahme von Eisen und mit welchen Nebenwirkungen muss man bei einer intravenösen Eisensubstitution rechnen?

Dr. A.F. Schaub: Häufig wird die orale Substitution nicht vertragen aufgrund Nebenwirkungen wie Verstopfung und Übelkeit. In solchen Fällen muss dann das Eisen auch intravenös eingesetzt werden. Die intravenöse Eisensubstitution wird meistens sehr gut vertragen. Gelegentlich berichten Frauen am ersten Tag nach der Infusion über leichte Gliederschmerzen.

swissmom: Gibt es Substanzen, die die Eisenaufnahme positiv oder negativ beeinflussen? Können Sie uns diese nennen?

Dr. A.F. Schaub: Die Eisenaufnahme wird durch Vitamin C haltige Produkte (Orangensaft, Fisch, Früchte) gefördert. Die Eisenresorption wird durch Getreidenahrungsmittel (Vollkorn, Hülsenfrüchte), Fleisch und Käse als auch durch Kaffee, Tee, Kakao und Eier gehemmt, darauf sollte geachtet werden. Auch hindern säurebindende Medikamente wie Alucol gegen „Magenbrennen“ die Eisenresorption. 

Letzte Aktualisierung : 03-08-16, BH

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