Vegane Milch aus Mandeln

Laktose-Unverträglichkeit

Eine der häufigsten Lebensmittel-Unverträglichkeiten ist die gegen Laktose (Milchzucker). Die Laktoseintoleranz ist, im Gegensatz z. B. zur Milcheiweissallergie, keine wirkliche Allergie, da das Immunsystem hier nicht beteiligt ist (keine Antikörper-Bildung).

Mindestens jeder zehnte Schweizer leidet unter der Lactoseintoleranz, oft ohne es genau zu wissen. Die Beschwerden müssen nicht schon in der Kindheit begonnen haben. Nicht selten stellt sich die Unverträglichkeit aus unbekannter Ursache erst im Erwachsenenalter ein, denn die Laktase-Aktivität wird mit zunehmendem Alter geringer.

Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit fehlt ganz oder teilweise ein Enzym (die Laktase), das bei der Milchzuckerverdauung im Dünndarm eine Rolle spielt. Dadurch kann der Milchzucker (ein Zweifachzucker) im Dünndarm nicht ausreichend verdaut werden, d.h. nicht in Galaktose und Glukose (jeweils Einfachzucker) gespalten werden. Grössere Mengen gelangen, anstatt durch die Darmwand ins Blut, in den unteren Darmbereich (Dickdarm), der mit Bakterien besiedelt ist. Diese bauen den Milchzucker zwar ab, dabei entstehen aber grosse Mengen an Gasen und organischen Säuren (Milchsäure, Essigsäure), die das Einströmen von Wasser in den Darmabschnitt fördern. Wenn Laktose-haltige Nahrung (s.u.) aufgenommen werden, reagiert der Organismus mit vermehrten Darmbewegungen und Verdauungsbeschwerden, d.h. Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Aufstossen, Völlegefühl, Koliken, Krämpfen und Blähungen.

Der Milchzucker ist Bestandteil der Milch bei fast allen Säugetieren, und deshalb nicht nur in der Kuhmilch, sondern auch in der Schaf- und Ziegenmilch vorhanden. Es nützt also nichts, die Kuhmilch durch z.B. Schafmilch zu ersetzen. Milchzucker (Laktose) kommt natürlich auch in Muttermilch vor und liefert Babys in den ersten Monaten wichtige Nährstoffe zur Sättigung und zum Wachstum und fördert zudem die Bildung der Darmflora.

Weil Milchzucker im späteren Leben dann aber nicht mehr zu den lebensnotwendigen Nahrungsbestandteilen gehört, könnte man ihn einfach vermeiden - aber das ist aus anderem Grund problematisch: Milchprodukte sind unsere wichtigsten Kalzium- und Vitamin-B2-Quellen und es kann dadurch zu Mangelerscheinungen kommen. Calcium ist v.a. bei Kindern für das Wachstum der Knochen, die Gesundheit der Zähne, die Muskeltätigkeit, aber auch für die Nerven und Hormone wichtig.

Meist ist die Laktose-Intoleranz nicht so schwer, dass ganz auf Milchprodukte verzichtet werden muss. Individuell gibt es durchaus eine Grenze, bis zu der keine Symptome auftauchen. Deshalb brauchen die Betroffenen in der Regel nur die Laktose-haltigen Lebensmittel zu reduzieren oder auf solche auszuweichen, die nur geringe Mengen Lactose enthalten und generell gut vertragen werden, wie Butter und Hartkäse (Schnittkäse). Joghurt und Sauermilchprodukte enthalten zwar relativ viel Laktose, aber sie sind durch die Wirkung der darin enthaltenen Milchsäurebakterien leichter verdaulich. Besonders gut funktioniert das mit probiotischen Milcherzeugnissen. Halbhartkäse und Weichkäse sind auch meist nicht so problematisch. Die meisten Beschwerden werden von Frischkäse (Quark, Blanc battu und Hüttenkäse), Milch, Buttermilch und Molke verursacht. Aber auch Milch in kleinen Mengen (ein Glas) kann gut vertragen werden, wenn sie langsam und in kleinen Schlucken getrunken wird.

Ist bei einem Kind oder Erwachsenen eine schwere Laktoseintoleranz diagnostiziert worden, können auch kleine Spuren von Lactose schon Beschwerden auslösen und man sollte beim Einkaufen die Zutatenliste der Lebensmittel sehr genau lesen: Ausser in Milch und Milchprodukten, kommt Milchzucker versteckt in vielen verarbeiteten Lebensmitteln, auch in Form von Aromen oder Stabilisatoren vor, wie z.B. Babyfertignahrung, Backwaren, Bonbons, Brot oder Brötchen, Brotaufstriche, Cremes, diätetische Produkte, Fertiggerichte, Fischkonserven, Fruchtjoghurts, Frühstücksflocken, Gebäck, Gemüsekonserven, Gewürzmischungen, Gnocchi, Kekse, Knabbergebäck, Kuchen, Malzbier, Margarine, Majonnaise, Molkereiprodukte, Müesli, Nudeln, Pesto, Pizza, Pudding, Pralinen, Salatdressing, Süssspeisen, Süssigkeiten Schokolade, Teigwaren, Trockensuppen, Weizenkeimöl, Wurstwaren (z.B. Kochschinken), Verdickungsmittel. Das ist viel mehr als man denkt!

Damit der Körper dennoch ausreichend mit den in Milchprodukten enthaltenen Vitaminen und Mineralstoffen, v.a. Kalzium, versorgt wird, empfehlen sich Laktose-freie Produkte wie Laktose-freie Milch, die überall im Handel erhältlich ist. In dieser Milch ist der Milchzucker bereits in seine beiden Bestandteile Glukose und Galaktose aufgespalten. Das Verdauungsenzym Laktase ist deshalb nicht mehr nötig zur Verdauung. Diese Milch schmeckt sehr viel süsser, ist aber ansonsten genauso wertvoll wie normale Milch. Eventuell kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin auch zusätzlich ein Calcium-Präparat (meist als Lutsch- oder Brausetabletten) verschreiben. Eine andere Möglichkeit ist, vor den Mahlzeiten eine Laktase-Tablette einzunehmen, welche dann im Körper den Laktose-Abbau übernimmt. Diese Tabletten gibt es rezeptfrei in der Apotheke, sie werden jedoch auf ärztliche Anordnung von der Krankenkasse übernommen. Schwangere und Stillende brauchen deshalb heutzutage sicher nicht mehr auf die wertvollen Milchprodukte zu verzichten.

Sehr zu empfehlen sind auch calciumreiche, laktosefreie Nahrungsmittel, wie calciumhaltiges Gemüse (z.B. Brokkoli, Spinat, Grünkohl) oder Mandeln, Feigen und Bananen.

Das in der Milch enthaltene Milcheiweiss kann Allergien hervorrufen. Davon sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder betroffen; im Erwachsenenalter ist die Kuhmilcheiweiss-Allergie (Kuhmilchallergie) sehr selten.

Die Laktoseintoleranz ist häufig mit einer Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiss in verschiedenen Getreidesorten verbunden (Zöliakie) sowie verschiedenen chronischen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn).


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Laktoseintoleranz


Letzte Aktualisierung : 05-08-16, BH

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