Frau streicht sich Salbe auf das Fieberbläschen

Behandlung von Lippenherpes

Ein Heilmittel gegen Lippen-Herpes (HSV Typ 1) gibt es leider noch nicht, auch wenn daran geforscht wird. Alle Hausmittel und Medikamente können nur die Dauer des Ausbruchs verkürzen. Ganz verhindern lässt sich ein Herpes-Bläschen nicht. Eine Behandlung ist umso erfolgreicher, je früher sie beginnt. Grundsätzlich gilt immer: So wenig wie möglich mit den Fingern an die brennende Stelle kommen. Beim Abheilen, das sich mitunter bis zu zwei Wochen hinzieht, hält ein Pflegebalsam mit Dexpanthenol die Lippen geschmeidig.

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Weitere Informationen finden Sie unter www.herpesnet.ch.

Medikamentös kommen vor allem zwei Wirkstoffe zum Einsatz: Acyclovir und Penciclovir. Die Substanzen hemmen die Vermehrung der Viren. Das bedeutet, dass sie nur wirksam sind, wenn sie früh im Erkrankungsverlauf zum Einsatz kommen. Sie verkürzen in der Regel aber nur die Dauer des Ausbruchs und verhindern die Bläschenbildung nicht komplett. Diese Lippensalbe ist auch in der Schwangerschaft unbedenklich. Tragen Sie Gel und Creme immer nur punktuell mit einem Wattestäbchen auf die betroffene Stelle auf. Auf gar keinen Fall die Bläschen aufkratzen oder daran herumdrücken!

Weitere, mehr oder weniger erfolgreiche Behandlungsmethoden:

  • Klassische Hausmittel sind Extrakte aus Aloe Vera, Knoblauch, schwarzer Tee, Ingwer, Salbei, Rhabarberwurzel und Zink. Dabei kommt es aber stark darauf an, wann sie zum Einsatz kommen. Wirksam sind sie nur zu Beginn des Herpesausbruchs, im Bläschenstadium können sie nicht mehr helfen. Dafür werden sie aber meist gut vertragen.
  • Seit Jahrhunderten gilt die Zitronenmelisse als ein wertvolles Hausmittel, Herpes eingeschlossen. Tatsächlich ist sie eines der wenigen Hausmittel, bei dem bisher in Studien eine Wirksamkeit bewiesen werden konnte. Bestimmte Wirkstoffe hindern die Herpesviren daran, in die Körperzellen einzudringen. Nach dem Auftragen der Zitronenmelisse auf die betroffenen Stellen tritt oft bereits nach wenigen Tagen oder sogar Stunden eine Besserung auf. Schwellungen und Rötungen gehen angeblich deutlich zurück. Salben und Cremes mit Zitronenmelissenextrakt gibt es in jeder Apotheke.
  • Zahnpasta soll helfen, das Bläschen schneller zu Reifung zu bringen. Die Wirkung von Zahnpasta auf Herpes geht aber wahrscheinlich auf Zink zurück, das aber nur in manchen Sorten enthalten ist. Statt zur Zahnpasta greift man also besser zur Zinksalbe. Und Vorsicht - die Zahncreme trocknet an. Wenn Sie sie entfernen, hebeln Sie schnell auch die schützende Kruste ab. Die dann austretende Flüssigkeit kann weitere Bereiche infizieren. Dasselbe gilt für Essig, Rasierwasser und Alkohol, wodurch die Haut nur unnötig gereizt wird.
  • Zubereitungen mit mindestens 15% Presssaft aus purpurfarbenem Sonnenhutkraut - dreimal täglich dünn aufgetragen - können vorbeugend bei starker Sonneneinstrahlung angewendet werden.
  • Teebaumöl, aufgetupft auf die Bläschen, soll eine antimikrobielle Wirkung besitzen. Vor dem Durchbruch der Antibiotika war es Bestandteil aller Erste-Hilfe-Ausrüstungen in den Tropen stationierter australischer Truppen. Denn bereits im späten 18. Jahrhundert kannte man die desinfizierende Wirkung von Teebaumöl. Das Auftragen der Substanz schon bei ersten Symptomen wie Jucken oder Kribbeln soll sogar einen Ausbruch von Herpes verhindern. Teebaumöl gilt allerdings auch als Auslöser von Hautentzündungen, die durch Kontakt mit bestimmten Reizstoffen entstehen. Unverdünntes Teebaumöl wird sogar als gesundheitsschädlich eingestuft.
  • Rein physikalisch wirken kleine runde Herpesbläschen-Pflaster. Solch ein Patch schützt die Wunde, weist Wasser ab und potenziell infektionsverursachende Bakterien. Durch das optimale Feuchtigkeitsniveau soll der hauteigene Wundheilungsprozess beschleunigt werden.
  • Als wohltuend gegen den Spannungsschmerz kann das Auflegen eines metallenen Löffels aus dem Kühlschrank sein. Auch Eiswürfel, in ein Tuch eingewickelt auf die Herpesstelle gehalten, können in der Frühphase sinnvoll sein und die Virenvermehrung erschweren. Ist der Ausbruch aber bereits in vollem Gange, richtet die Kühlung nichts mehr aus, sondern schadet womöglich der Haut.
  • Auch hochprozentiger Alkohol hat einen kühlenden und desinfizierenden Effekt, allerdings brennt er stark, wenn durch die Herpeserkrankungen offene Stellen an der Haut entstanden sind.
  • Andererseits soll auch Wärmezufuhr, bei den ersten Anzeichen wie Kribbeln angewendet, helfen. Dafür gibt es in der Apotheke einen elektronischen Wärmestift, es funktioniert aber auch mit einem normalen Föhn.
  • Honig ist für seine antibakterielle Wirkung bekannt. Gemäss einigen Studien kann Honig oder Propolis (Bienenharz oder Kittharz) auch gegen Herpes-Viren hilfreich sein. Da Honig die offenen Stellen auch verschliesst, reduziert sich die äusserliche Verbreitung der Viren und damit das Ansteckungsrisiko. Besonders wirkungsvoll soll Manuka-Honig sein, der hauptsächlich in Neuseeland aus den Blüten der Südseemyrte gewonnen wird. Der verantwortliche Wirkstoff ist Methylglyoxal.
  • Kautabletten mit einer natürlichen Aminosäure (Lysin), die einen wichtigen Virus-Nährstoff, verdrängt, sind ein neuer Ansatz. Ausreichend Erfahrungen gibt es noch nicht.

Die Komplementärmedizin schlägt verschiedene vorbeugende Massnahmen vor. Dazu gehört eine gesunde Ernährung mit einem hohen Anteil an Vollkorn-, Frisch- und Rohkost. Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil von Aminosäuren (v.a. Arginin) wie Erdnüsse, Schokolade, Getreideprodukte, können jedoch Herpesviren aktivieren und sollten daher vermieden oder eingeschränkt konsumiert werden. Wechselduschen und Kneippanwendungen werden zur Stärkung des Immunsystems empfohlen.

Im Gegensatz zum Lippenherpes gilt der Genitalherpes (HSV Typ 2) als eine (nicht meldepflichtige) sexuell übertragbare Krankheit und wird über die Schleimhäute (Mund und Geschlechtsorgane) übertragen. Experten schätzen, dass etwa 8% aller Schwangeren HSV2-positiv sind.


Häufige Frage zum Thema

Kann ich meine Salbe gegen Lippenherpes noch weiter anwenden?


Newsticker

Gegen Lippenherpes: Fieberbläschen durch Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus (Lippenherpes) sind nicht nur lästig. Meist kommt es zu immer wiederkehrenden Schüben mit hässlichen und schmerzhaften Bläschen an den Lippen. Eine Datenanalyse aus vier Studien mit insgesamt 1‘891 Teilnehmern zeigt nun, dass eine kombinierte Therapie mittels lokaler Kortisonsalbe und zusätzlichen virenhemmenden Medikamenten (Virostatika) die besten Erfolge bringt. Sie war erfolgreicher als ein Placebo oder eine alleinige Therapie mit dem virenhemmenden Medikament: Unter der kombinierten Behandlung kam es deutlich weniger häufig zu Rückfällen. Nebenwirkungen gab es nicht häufiger als bei der wirkstofflosen Placebobehandlung. (swissmom-Newsticker, 26.4.15)