Arzt hört mit Stethoskop Lunge der Frau ab
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Was tun bei Husten und Halsschmerzen in der Schwangerschaft?

Husten in der Schwangerschaft bereitet allen werdenden Müttern Sorge. Bei einem Hustenanfall zieht sich der gesamte Unterleib krampfartig zusammen - wird das Baby dann noch ausreichend versorgt? Gelangen die Erreger bis zum Kind? Werden unter Umständen sogar vorzeitige Wehen ausgelöst?

Keine Angst: Hustenstösse sind für Ihr Baby nicht gefährlich. Das Fruchtwasser umgibt Ihr Baby und fängt alle Erschütterungen zuverlässig ab. Das Kind nimmt höchstens ein Schaukeln wahr. Zudem können die Krankheitserreger von Erkältung & Co. nicht bis zu dem Ungeborenen vordringen. Und eine Wehenanregung ist nur möglich, wenn durch andere Faktoren ein Frühgeburtsrisiko besteht.

Husten ist eigentlich ein sinnvoller Schutzmechanismus, um Schleim aus den Lungen zu entfernen. Wenn irgendwie möglich, sollte man ihn deshalb nicht unterdrücken. Aber er kann schlafraubend und lästig, mitunter sogar schmerzhaft sein. Da wünscht man sich ein Mittel, das schnell Abhilfe schafft. Da jedoch viele Medikamente Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben, ist beim Husten in der Schwangerschaft Vorsicht geboten.

Bei starkem Husten kann zunächst einmal mit Inhalieren und viel Flüssigkeit (Kräutertee, s.u.) eine Schleimlösung erreicht werden. Empfehlenswert in der Schwangerschaft ist ein Thymian-Hustensirup (z.B. Weleda Husten Elixir) oder ein Efeu-Präparat (z.B. Prospan). Auch Einreibungen mit einer Brustsalbe mit ätherischen Ölen wie Thymian und Majoran können Linderung bringen. Ein heisser Kartoffelwickel gibt tiefgehende Wärme und kann so den Hustenreiz dämpfen. Hierfür müssen drei Kartoffeln gekocht, zerstampft und nach dem Überprüfen der Temperatur in ein Tuch gewickelt auf die Brust gelegt werden.

Ist das erfolglos, kann ein sogenanntes Mukolytikum eingenommen werden, wie Acetylcystein (z.B. Fluimucil), Ambroxol (z.B. Mucosolvon) und Bromhexin (z.B. Bisolvon). Dies am besten am Morgen, damit der verflüssigte Schleim abgehustet werden kann. Auf Jodsalze zur Schleimlösung sollte in der Schwangerschaft verzichtet werden, weil sie die fetale Schilddrüse in ihrer Entwicklung behindern können.

Gegen den Hustenreiz sind zunächst Weleda Pertudoron Tropfen oder, wenn das nicht hilft,  Dextromethorphan (z.B. Dextromed, Calmesin Mepha, Bexin, Calmerphan-L) unter ärztlicher Aufsicht zu empfehlen.

Codein sollten Schwangere nicht einnehmen: Es steht im Verdacht, in der Frühschwangerschaft Fehlbildungen auszulösen - ausserdem kann es Verstopfung als Nebenwirkung auslösen. Auch Huflattich-Drogen sind wegen ihres Gehaltes an Pyrrolizidinalkaloiden kontraindiziert und Fenchelöl hat eine möglicherweise fehlgeburtenfördernde Wirkung.

Halsschmerzen werden am besten mit viel heissem Tee aus Anis, Kamillenblüten, Pfefferminzblättern (da Pfefferminz den Reflux fördert, nur kurzfristig, d.h. nicht mehr als eine Woche, anwenden) und unterstützend dazu mit Lutschbonbons lokal (z.B. Kamille-, Glycerin- oder Salbeipastillen oder Echinadoron Lutschtabletten mit niedrig dosiertem Echinacea-Extrakt) und einem wärmenden Schal gelindert. Heisse Milch mit Honig und Gurgeln mit einer Lösung von Benzydamin, Chlorhexidin oder Dequalinumchloridum tun wohl. Cetylpyridinumchlorid oder Hexetidin hilft auch manchmal. Wohltuend ist auch eine Inhalation mit Kochsalz: Ein Dampfinhalator aus der Apotheke wird mit heissem Salzwasser (9 g Salz/ Liter Wasser) befüllt. Durch das Einatmen des Wasserdampfes werden die Schleimhäute befeuchtet und der Schleim löst sich.

Aufsteigende Dämpfe: So inhalieren Sie richtig!

Ein Erkältungsbad mit z.B. Thymian oder Nadelholzölen kann auch Linderung verschaffen. Aber Achtung: Nicht zu heiss baden, damit der Blutdruck nicht zu sehr sinkt. Langsam aus der Wanne steigen. Und niemals ohne eine Person in der Nähe, die im Notfall (Ohnmacht, Ausrutschen) helfen kann.

Unsere detaillierten Tipps gegen Schnupfen finden Sie hier.


Häufige Fragen zum Thema

Welches Mittel kann man bei hartnäckiger Bronchitis zur Schleimlösung nehmen – trotz Schwangerschaft? Und wie ist es mit Hustentropfen?

Schadet ständiges Husten meinem Baby? Und was ist mit Niesen oder Naseputzen?

Ich soll wegen einer Halsentzündung Penizillin einnehmen. Sind Antibiotika denn in der Schwangerschaft überhaupt erlaubt?


Newsticker

Halsschmerzen | 29.01.2018

Ein altbewährtes Hausmittel bei Halsschmerzen ist das Gurgeln. Kräutertees aus Kamille, Thymian oder Salbei wirken entzündungshemmend und lindern die Schluckbeschwerden. Aber auch eine einfache Salzlösung kann die Krankheitserreger wegspülen und die bei Halsschmerzen wunde Schleimhaut beruhigen. Für die Gurgellösung nimmt man vorportionierte Mineralsalze aus der Apotheke oder 1/4 TL Kochsalz pro Glas lauwarmes Wasser. Einen Halswickel macht man so: Befeuchten Sie ein Leinentuch mit kaltem Wasser, falten Sie es zu einem Schal und wickeln Sie es um den Hals. Darauf wickeln Sie ein trockenes Tuch und anschliessend einen Wollschal. Alternativ können Sie das feuchte Tuch auch noch mit einer fingerdicken Schicht kaltem Quark bestreichen. Der Wickel bleibt so lange am Hals, bis der Quark getrocknet ist.

Schokolade gegen Husten | 02.05.2017

Britische Forscher haben im Hauptbestandteil dunkler Schokolade, Theobromin, einen Wirkstoff gegen Husten gefunden, der um mehr als ein Drittel wirksamer ist als das bekannte Hustenmittel Codein -  bei wesentlich weniger Nebenwirkungen. Hustende Schwangere und Kinder sowie Babys sollten deshalb mit codeinhaltigen Hustenmitteln vorsichtig sein. Codein ist ein Opiat, welches den Hustenreiz unterdrückt, allerdings die Atmung unterdrückt, rezeptpflichtig ist und süchtig machen kann. Theobromin hat eine muskelentspannende, nervenstimulierende und gefäßerweiternde Wirkung. Zusätzlich wird durch die Schoggi der Hals ausgekleidet, was wiederum Nervenenden im Rachen schützt, die den Hustenreiz auslösen. Hustensirup basiert auf demselben Mechanismus. Allerdings muss täglich eine Tafel halbbittere Schokolade gegessen werden, die es durch viel Zucker und Fett auf stolze 500 kcal bringt.

Newsticker

Codein - nichts für Kinder und Schwangere:Husten kann quälend sein, vor allem in der Nacht. Hustenmittel mit Codein unterdrücken den Hustenreiz und bringen schnell Linderung. Doch Vorsicht: Codein zählt zu den Opioiden und wird im Körper zu Morphin umgewandelt. Bei Kindern ist die Wirkung unkalkulierbar. Gefürchtet ist v.a. die lebensbedrohliche Beeinträchtigung der Atemfunktion. Deshalb hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bestimmt: Codein darf bei Kindern unter zwölf Jahren nicht mehr angewandt werden. Ebenso wenig bei Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren mit ausgeprägten Atemwegsbeeinträchtigungen wie Asthma, bei Schwangeren sowie stillenden Müttern. Hinzu kommen jene 5-10 % Europäer, die eine genetische Veranlagung für eine schnelle Umwandlung von Codein zu Morphin haben (ultraschnelle CYP2D6-Metabolisierer). Dadurch steigt der Morphinspiegel in ihrem Blut rasch an. (swissmom Newsticker, 28.6.15)

Letzte Aktualisierung : 10-12-18, BH / AS

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