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Fetales Fibronektin (f FN) - der biochemische Indikator für eine Frühgeburt

swissmom: Was ist Fibronektin?

Prof. Dr. Andreas R. Huber:  Fetales Fibronektin (f FN) ist ein Eiweiss, das im Körper von verschiedenen Zellen hergestellt und abgesondert wird. Es  hat unterschiedliche Aufgaben, unter anderem die Unterstützung der Wundheilung. Fibronektin ist auch ein Bestandteil der Eihäute. Fetales Fibronektin dient dazu, die Fruchtblase (Chorion) mit der obersten Gebärmutterschicht (Decidua) zu verkleben. Wird es freigesetzt und in das Vaginalsekret abgegeben, deutet dies auf eine Veränderung dieser fetalen Membranen, die das Kind und das Fruchtwasser umschliessen. Der Nachweis des Fibronektins im Scheidensekret kann bereits vor Auftreten körperlicher Symptome wie vorzeitiger Wehen, einer Verkürzung der Zervix oder gar einem vorzeitigen Blasensprung auf das erhöhte Risiko für eine Frühgeburt hinweisen. Es zeigt also an, ob der Körper zur Geburt bereit ist.

Zur Person

Professor Andreas R. Huber leitet das Zentrum für Labormedizin im Kantonsspital Aarau. Er ist Internist mit Spezialisierung in Onko-Hämatologie und als Labormediziner in sehr vielen Bereichen der labormedizinischen Analytik ausgewiesener Fachmann. Professor Andreas Huber ist verheiratet und Vater von drei Söhnen.

Zur Person

swissmom: Welche Bedeutung hat die Präsenz von Fibronektin im Vaginalsekret in der Schwangerschaft, genauer in der 22. bis 35. Schwangerschaftswoche?

Prof. Dr. Andreas R. Huber: Die Ausscheidung von f FN in die Umgebung des Muttermundes beginnt normalerweise erst ganz kurz vor der Geburt. Eine Ausscheidung vor der 38. Schwangerschaftswoche weist auf eine drohende (Früh-) Geburt hin.
Mehrere grössere Studien in USA, Kanada aber auch bei uns in Aarau haben gezeigt, dass es bei negativem (also sehr tiefem) f FN in den nachfolgenden 1 bis 2 Wochen selten zu einer Geburt kam. Unnötige Wehenhemmung und Hospitalisation könnte somit vermieden werden. Ein positives (erhöhtes) f FN sagt leider wenig aus, wann die Geburt erfolgen wird. Weitere klinische Untersuchungen und Massnahmen sind dann angezeigt.

swissmom: Wie kann eine Frühgeburt ausgelöst werden? Welche Mechanismen sind bekannt?

Prof. Dr. Andreas R. Huber:  Durch verschiedene Faktoren wie Infekt der Mutter oder des Kindes, Durchblutungsstörungen des Kindes, Plazentastörung oder Plazentaablösung, Hormonstörungen, vorzeitige Wehen; Mehrlingsschwangerschaftenzu viel FruchtwasserPräeklampsie und so weiter. Wichtig für die werdende Mutter ist, dass sie die vorsorglichen Schwangerschaftsuntersuchungen bei der Gynäkologin/dem Gynäkologen wahrnimmt und körperliche Veränderungen dabei anspricht.

swissmom: Gibt es einen Test, um das Risiko einer Frühgeburt zu bestimmen? Kann die werdende Mutter den Test auch selbst zu Hause machen? Oder wird der Test bei der behandelnden Ärztin / dem behandelnden Arzt gemacht?

Prof. Dr. Andreas R. Huber:  Hier hat sich nebst der Messung der Muttermundslänge mittels Ultraschall besonders das f FN bewährt. Der Test sollte durch die behandelnde Ärztin / den behandelnden Arzt gemacht werden, weil neben der korrekten Entnahme auch andere Faktoren wie Zustand des Muttermundes, Aussehen des Sekretes, körperliche Untersuchung, Vorgeschichte und andere Erkrankungen der Mutter sowie weitere Labortests mit einbezogen werden müssen. 

swissmom: Wie präzise ist eine Messung?

Prof. Dr. Andreas R. Huber:  Der seit einigen wenigen Jahren erhältliche Test hat eine genügend gute Präzision. Viel wichtiger als die Präzision sind aber die korrekte Entnahme des Sekretes am Muttermund und die Durchführung durch geschulte Fachkräfte sowie zeitgerechte Übermittlung der Resultate. Wie bei jedem Test gibt es Resultate in der Grauzone. Da empfiehlt sich eine Wiederholung des Testes ein paar Tage später. In der Schweiz werden hauptsächlich QuikCheck Tests direkt am Krankenbett auf der Station oder in der Praxis durchgeführt und das Resultat wird gleich ermittelt. Einige Kliniken führen die Geräte-unterstützte Variante (Rapid fFN® Test) durch, die dann gleich im dazugehörigen Labor im Hause ausgewertet wird.

swissmom: Welche gesundheitlichen Probleme beim Kind sind mit einer Frühgeburt verbunden?

Prof. Dr. Andreas R. Huber: Kinder, die zu früh zur Welt kommen, sind logischerweise noch nicht genügend ausgereift, zu klein und untergewichtig.  Hier spielt besonders die Lungenreife eine grosse Rolle. Ist diese noch zu wenig weit, stellen sich nach der Geburt gefährliche Atemstörungen ein, die eine entsprechende Behandlung benötigen. Ganz frühe Frühgeburten können zudem zu einer Hirnschädigung (Hirnblutung) führen, welche im schlimmsten Falle eine lebenslange Behinderung des Kindes nach sich ziehen können.

Letzte Aktualisierung : 31-08-16,

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