Thrombose und Embolie

Thrombose und Embolie

Thrombosen sind Blutgerinnsel, die nicht zum Verschluss einer Wunde entstehen, sondern schon im Blutgefäss. Ein kleines Gerinnsel kann zu einem gefährlichen Blutpfropf (Koagel) werden und ein Gefäss völlig verstopfen. Noch gefährlicher ist es aber, wenn sich der Pfropfen wieder löst und in die Lunge gespült wird: Die gefürchtetste Komplikation einer Thrombose ist die akute Durchblutungsstörung der Lunge, die Lungenembolie. Sie führt zu Brustschmerzen, Übelkeit, lebensgefährlicher Atemnot und schliesslich zum Herzstillstand und muss sofort ärztlich behandelt werden.

Am häufigsten bilden sich Thrombosen in den Beinvenen, denn dort fliesst das Blut am langsamsten. Eine Vorstufe und Alarmzeichen ist die Venenentzündung (Phlebitis) mit den klassischen Beschwerden wie schwere Beine, ein Ziehen in den Waden, Spannungsgefühl, Rötung und Erwärmung der Haut. Im Liegen nehmen die Beschwerden meist ab. Wenn aber ein Bein schmerzhaft anschwillt, sich bläulich-violett verfärbt oder die Wade extrem druckempfindlich wird, sollte eine werdende Mutter unbedingt einen Arzt aufsuchen. Sehr oft gibt es jedoch gar keine äusseren Anzeichen für eine tiefe Becken- oder Beinvenenthrombose.

Während einer Schwangerschaft ist das Thromboserisiko um das Fünffache erhöht. Der veränderte Hormonhaushalt beeinflusst die Blutgerinnung, die Elastizität der Venenwände lässt nach und die Blutgefässe sind weiter gestellt. Ausserdem erhöht sich mit fortschreitender Schwangerschaft der Druck auf die grossen Venen im Bauchraum, und das Blut in den Becken- und Beinvenen wird gestaut. So bilden sich auch leicht Krampfadern. Manchmal kommt noch eine familiäre Gerinnungsstörung oder eine Verletzung der Venen-Innenwand (Thrombophlebitis) oder der Venenklappen, z.B. durch Schlag oder Stoss, hinzu.

Schwangere mit bestimmten Risikofaktoren (frühere Thrombose oder Thrombosen in der Familie, wiederholte Fehlgeburten, Präeklampsie, starkes Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Krampfadern, Diabetes mellitus, Nierenerkrankung, Bluthochdruck) sollten besonders sorgfältig überwacht werden. Wahrscheinlich wird Ihr Frauenarzt, Ihre Frauenärztin zu Beginn der Schwangerschaft dann auch zusätzliche Laboruntersuchungen durchführen, um Gerinnungsfaktoren im Blut zu bestimmen. Denn es gibt einige genetische Gerinnungsstörungen, wie z.B. das Antiphospholipid-Syndrom (APS), den Faktor-V-Leiden-Mangel (APC-Resistenz) oder den Antithrombinmangel, die eine grosse zusätzliche Gefährdung darstellen. Das gilt besonders, wenn eine Kombination von mehreren der oben genannten Faktoren vorliegt.

Thrombosen entstehen häufiger, wenn der Körper ruhiggestellt wird, in der Schwangerschaft zum Beispiel bei Bettruhe wegen Blutungen oder vorzeitiger Wehentätigkeit, aber auch im Wochenbett und nach Operationen wie einem Kaiserschnitt. Bewegungsmangel bei längeren Reisen mit dem Auto oder dem Flugzeug gehört ebenfalls zu den Risikofaktoren. Achten Sie auf eine gleichmässige Durchblutung Ihrer Beine durch häufiges Aufstehen und Herumlaufen. Bewegung ist deshalb die beste Vorbeugung gegen eine Thrombose. Die Muskelanspannung der Beinmuskeln (Muskelpumpe) fördert den Blutfluss zurück zum Herzen. Längeres Stehen und Sitzen sollten vermieden werden. Wir geben Ihnen viele Tipps, was Sie gegen schwere oder geschwollene Beine und Krampfadern tun können.

Eine Thromboseneigung wird mit blutverdünnenden Medikamenten (z.B. Heparin) vorsorglich behandelt. Das ist ab der 12. Woche auch in der Schwangerschaft erlaubt. Kompressionsstrümpfe drücken die erweiterten Venen etwas zusammen, sodass das Blut wieder etwas schneller fliesst. Schon entstandene Thromben können, wenn sie noch frisch genug sind, manchmal medikamentös (Blutverdünnung) wieder aufgelöst werden. Die operative Entfernung des Blutgerinnsels (Thrombektomie) wird in der Schwangerschaft kaum durchgeführt.

Newsticker

Thrombose nach der Schwangerschaft: Frauen haben laut einer neuen Studie noch über 12 Wochen nach der Entbindung ein signifikant erhöhtes Thromboserisiko, doppelt so lange als bisher angenommen. Die gesteigerte Blutgerinnung, zu der es auch bei gesunden Frauen in der Schwangerschaft kommt, ist ein Schutzmechanismus gegen zu hohe Blutverluste unter der Geburt. Der Nachteil ist eine erhöhte Neigung zu Thromben (Blutgerinnseln), die neben tiefen Venenthrombosen auch die (seltene) Gefahr von Schlaganfällen und Herzinfarkten birgt. Nach der Geburt normalisiert sich das Gerinnungssystem erst langsam wieder. Gefährdete Frauen sollten daher länger antithrombotisch behandelt werden. (swissmom Newsticker, 6.3.14)

Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH