Neugeborenes mit Nabelschnur

Stammzelltherapie

Früher war mit Stammzelltherapie der Wiederaufbau des Knochenmarks im Rahmen von Krebsbehandlungen gemeint. Bei hochdosierten Chemotherapien sollen möglichst alle Krebszellen zerstört werden, dabei wird aber als Nebenwirkung auch das Knochenmark geschädigt. Allerdings muss für die Knochenmarkstransplantation immer ein geeigneter Spender gefunden werden, der möglichst gut zum Empfänger passt.Der Grund: Die Zellen unseres Körpers tragen auf der Oberfläche Strukturen (z.B. sog. HLA-Antikörper), nach denen sie vom Immunsystem als eigen oder fremd erkannt werden. Fremde Zellen werden zerstört, eigene nicht. Bei Transplantationen von fremden Zellen und Organen kann dies ein grosses Problem sein. Man sucht daher nach möglichst ähnlichen Spendern für einen bestimmten Patienten (HLA-kompatibel) und unterdrückt medikamentös eine mögliche Immunantwort des Patienten. Gewebeunverträglichkeit gehört zu den wichtigsten Todesursachen nach Transplantationen.

Bei Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sind diese Nachteile sehr viel weniger stark ausgeprägt. Deshalb ist heute das Nabelschnurblut im Bereich der Stammzelltherapie schon wichtiger geworden als die Knochenmarkstransplantation. In der Schweiz haben in den letzten Jahren wahrscheinlich fast 100 Patienten eine Stammzellen-Transplantation aus Nabelschnurblut erhalten. Die meisten Empfänger sind Kinder mit Leukämien oder genetischen Erkrankungen, aber auch zunehmend Erwachsene. Das ist möglich, weil man inzwischen weiss, dass man typengleiche HLA-Spenden mischen kann und damit die notwendige Menge an Stammzellen, die es bei Erwachsenen braucht, erreichen kann. Die Heilungschancen der verschiedenen Krankheiten dank Nabelschnurblut liegen momentan etwa bei 50 Prozent.

In vielen Geburtsspitälern kann das wertvolle Blut für eine Nabelschnurblutbank gesammelt werden, die international vernetzt ist und aus der dann geeignetes Spenderblut für Empfänger in aller Welt zur Verfügung gestellt werden kann. Stammzellen können auch in vielen Spitälern für die evtl. später erforderliche Eigenverwendung gewonnen und von privaten Firmen eingefroren werden (sog. Private Banking). In der Schweiz lagern derzeit etwa 3500 Nabelschnur-Spenden.

Hier lesen Sie, wie die Nabelschnurblutspende gleich nach der Geburt durchgeführt wird.

Stammzellen aus dem eigenen Nabelschnurblut bieten bei einer späteren Organverpflanzung den Vorteil, dass es körpereigene Zellen wären. Somit würden Abstossungsreaktionen von vorneherein ausgeschlossen. Bei manchen Erkrankungen ist aber das eigene Blut als Quelle nicht geeignet, weil die Erkrankung schon bei der Geburt in den Zellen angelegt war. Es ist auch möglich, die Nabelschnurstammzellen bei Verwandten ersten Grades einzusetzen. Denn für alle erstgradigen Verwandten, also Geschwister und Eltern, besteht biologisch eine hohe Chance, dass sich die Zellen des Kindes und des Empfängers vertragen. Aber selbst wenn die Stammzellen weder für den Eigenbedarf noch für nahe Verwandte gebraucht werden und einem HLA-kompatiblen "Fremden" eingesetzt werden, kommt es im Gegensatz zur Knochenmarkspende viel seltener zu einer Abstossungsreaktion, weil die kindlichen Zellen im Nabelschnurblut unreifer sind - ein grosser Vorteil!

Weitere Krankheiten, bei denen eine Stammzelltherapie helfen kann, sind Autoimmunerkrankungen und verschiedene Bluterkrankungen. Auch gibt es Forschungen, Stammzellen für den Ersatz anderer Organfunktionen, z.B. Leber, Nervengewebe, zu züchten. Beim Herzmuskel ist dies schon experimentell gelungen. Es ist denkbar, dass diese vielleicht in der Zukunft irgendwann einem Patienten zum Ersatz seiner durch Krankheit zerstörten Gewebe transplantiert werden können. Stammzellen gelten zudem als grosse Hoffnungsträger für die Behandlung von schweren Krankheiten wie Parkinson, ALS oder Querschnittlähmung.

Newsticker

Stammzellen in der Muttermilch: Brustmilch von weiblichen Mäusen enthält Stammzellen, die später zu Teilen des Körpers eines Nachkommen werden, wie australische Wissenschaftler herausgefunden haben. Ob das auch beim Menschen der Fall ist, bleibt offen. Vor einigen Jahren hatten Mediziner entdeckt, dass die menschliche Muttermilch auch eine Art von Stammzellen enthält. Das Resultat der nachfolgenden Tierstudie: Die Zellen, die aus dem Magen in das Blut gelangen, integrieren sich komplett und übernehmen eine Funktion im kindlichen Blut und im Gewebe von Gehirn, Thymusdrüse, Bauchspeicheldrüse, Leber, Milz und den Nieren. Diese Erkenntnis könnte bald einen gezielten medizinischen Einsatz sinnvoll machen. (swissmom Newsticker, 18.12.14)

Letzte Aktualisierung : 19-06-16, BH

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