Häppy Börsdei kleiner Schatz

Fortsetzung der Schwangerschafts-Kolumne von Stefanie Besmens

Heute ist es soweit, Julian wird 2 Jahre alt! Ein kleiner Mensch, der zum Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns geworden ist, der uns an trüben Tagen zum Lachen bringt, uns vor Verzweiflung heulen lässt.

Ich kann mich gut an den ersten richtigen Schreianfall von unserem Baby erinnern: Gerade mal eine Woche aus dem Krankenhaus und wir sind schon am Ende mit unserem Latein. Nichts hilft, Brust, Nuggi, Herumtragen – Fehlanzeige. In meinen Fingern beginnt es zu kribbeln und dann kommt Thomas mit dem Handy ins Wohnzimmer: „Schatz, jetzt reicht‘s, wir fahren in die Notaufnahme!“ Etwas irritiert sage ich: “Ähm, er schreit seit fünf Minuten, vielleicht warten wir noch ein bisschen…“

Seit diesem Tag habe ich einiges über Julian, mich, Thomas und das Leben an sich gelernt. Zum Beispiel, dass die Lautsprecherdurchsage am Bahnhof übertrieben laut ist, wenn dein Kind gerade im Wagen schläft. Oder, dass ein Rucksack viel praktischer ist als die schicke Wickeltasche. Dass Stillen in der Öffentlichkeit nur bei denen Schamgefühle hervorruft, die gerade selber nicht Stillen. Und natürlich, dass Whats App eine Art Foto-Wettbewerbs-Plattform ist, um die kleinen Engel von ihrer besten Seite zu zeigen (gerne auch bei spannenden Aktivitäten).

Ich finde all diese neuen Erkenntnisse aber ganz wunderbar und bin eine der Mütter geworden, die zwar mit Arbeit, Kind und Mann immer mal wieder an ihre Grenzen kommt, aber dennoch davon überzeugt ist: „Ich könnte mir ein Leben ohne den Kleinen gar nicht mehr vorstellen.“ Natürlich darf man mir diese Frage keinesfalls stellen, wenn das süsse Schätzchen um 02:00 Uhr morgends ins Bett gereihert hat, aber da renne ich wahrscheinlich offene Türen ein…

Jedenfalls blicke ich auf die zwei wohl intensivsten Jahre meines Lebens zurück. Und nun ziehe ich Julian ein schickes Hemd und Bluejeans an und setze ihm die Geburtstags-Krone auf (haben wir noch von Drei-König). Er singt seit Tagen „Häppy Bööössdei liäbä Julian“ für sich selber und weiss haargenau, dass es heute um ihn und Geschenke geht. Wir haben uns lange überlegt, ob wir andere Kinder einladen sollen oder nicht. Julian beisst zwischendurch gerne mal zu oder findet „schüpfe“ ganz witzig und da die meisten Kinder in seinem Alter kleiner sind als er, ist der Kampf schnell entschieden. Wir haben die goldene Mitte gewählt und einfach Cousin und Cousine und zwei weitere „Gspändli“ eingeladen. Treffpunkt ist 10:00 Uhr zum Brunch in einem Bistro mit grosser Spielecke und viel Platz und Verständnis für „no chli umerenne Mama“. Julian badet im Meer der Aufmerksamkeit und hat richtig gute Laune. Als sich vor dem Essen alle die Hände reichen und unser Ritual mitmachen, platzt der kleine König fast vor Freude – „wir wünschen einen guten Appetit, alle essen mit!“

Nach dem grossen Schmaus, scheitert der Versuch, nur ein Geschenk nach dem anderen aufzumachen kläglich und Juli findet sich inmitten von Lasti, Traktor, Autos, Büchlein neuen Klamotten und weiss nicht, wo er sich zuerst bedanken muss. Und ich denke mir nur: Wohin mit all dem Zeug? In der nächsten Sekunde ist das Geburtstagskind aber auch schon andersweitig beschäftigt, jetzt gilt es den „Schatz“ zu verteidigen. Andere Kinder dürfen wohl für ihn singen, aber auf gar keinen Fall mit seinen brandneuen Sachen spielen. „Miis, miis, Julian!!“

Bevor das Tauziehen um die kleine Lokomotive ausufert gehe ich dazwischen und es findet sich glücklicherweise in der Spielecke noch eine Alternative. Solche Situationen sind für mich noch neu und ich neige dazu mein eigenes Kind immer extrem in die Pflicht zu nehmen und zu Fairness zu bewegen. Im Nachhinein bereue ich diese Strenge manchmal und frage mich, ob andere Mütter da gelassener sind. Versuche auch Sätze wie: „Sonst ist er gar nicht so“ oder „ja also, normalerweise kann er das schon sehr gut“ zu vermeiden, aber genauso wollte ich auch keine „wenn du jetzt nicht sofort, dann…“ Mam werden. Bin ich natürlich alles und habe auch sämtliche Weisheiten aus meinem Leben ohne Kind über Bord geworfen, um die Probleme zu lösen die nur andere mit ihren Kids haben.

Julian ist jetzt 2 Jahre alt, schläft 10 Stunden in der Nacht, 2-3 Stunden am Tag, isst fast alles (sogar „Raaabi“ Kohlrabi) und bringt bei 98cm 16kg auf die Waage – soweit so gut. Um die Realität aber richtig darzustellen muss ich noch dazusagen, dass er letzte Nacht Fieber bekommen hat, heute nicht in die Kita konnte und wir kurzfristig einen Deal mit Oma und Opa machen mussten, damit wir zur Arbeit können. Wünsche allen grossen und kleinen Kindern von Herzen ein aufregendes Jahr!!

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