Bratwurst mit Senf

Aktuelles Gewicht: 60.2 kg   
Blutdruck: 90/50

Und? Hast du schon irgendwelche seltsamen Gelüste? Nö, sage ich und das zu eigentlich jedem, der weiss, dass ich schwanger bin. Dieses Ess-Verhalten-Phänomen scheint irgendwie alle „Nicht-Schwangeren“ um mich herum viel mehr zu beschäftigen als mich selber. Ich achte zwar jetzt besser auf meine Ernährung, versuche, viel Früchte und Gemüse zu essen, trinke Wasser und Tee in rauen Mengen (damit meine ich die zwei Liter, die ich maximal in mich reinschütten kann), aber abartige Kombinationen waren bisher keine dabei.

Ein einziger Ess-Gedanke lässt mich aber dennoch nicht mehr los: Bratwurst mit Senf! Klingt erstmal ziemlich unspektakulär, gehören Cervelat und Bratwurst doch immerhin zum Schweizer Kulturgut. Ich allerdings bin Vegetarier! Wann immer ich in letzter Zeit aber an einem Grillstand vorbeigekommen bin, ist mir unkontrolliert das Wasser im Mund zusammengelaufen. Ich kann mir kaum etwas Befriedigenderes vorstellen, als herzhaft in eine Kalbsbratwurst mit Senf zu beissen.

Heute ist es dann auch soweit. Mein Mann hat Geburtstag und wir veranstalten eine kleine Grillparty im Garten von meiner Mutter und ihrem Freund. Da liegt sie vor mir, mit dunkelbraunen, fast schwarzen Grillstreifen, duftet nach einer Mischung aus „gewürztem Fleisch, Holzkohle und einem herrlichen Sommertag am See“. Und jetzt beisse ich zu… mmmhhh!!! Eine Geschmacksexplosion, die alle Fleischersatzprodukte Lügen straft. Der Senf ist leicht scharf, die Wurst innen zart und saftig, ein Genuss sag ich Euch, ein Genuss. Alle um mich herum amüsieren sich köstlich über das Bild der wurstverzehrenden Vegetarierin und mein Mann meint triumphierend:“Als nächstens versuchen wir ein Steak, Liebling, dann hast du’s geschafft!“

Ich denke zwar nicht, dass ich jetzt der Fleischeslust komplett verfalle, aber ich kann allen nur raten: Folgt Eurem Instinkt, die erste Bratwurst schmeckt bestimmt :-)

Bei manch anderen Lebensmitteln ist der Fall dann aber doch nicht so einfach, wie ich dachte. Bin nun in der 8. SSW und meine FÄ meint, dass Rohmilchprodukte, geräuchertes Fleisch und roher Fisch (Sushi) nicht gut seien. Vor allem wegen der Listerien. Bakterien, die eine Infektionskrankheit (Listeriose) auslösen können. Für Erwachsene nahezu harmlos, für das Ungeborene perfiderweise aber sehr gefährlich (mehr dazu auf www.swissmom.ch). Ich mache mir also brav eine Liste von dem, was die FA mir zum Thema Ernährung sagt und gehe nach Hause.

Am nächsten Tag muss ich allerdings feststellen, dass „Rohmilchprodukte“ doch ein etwas weiterer Begriff sind, als ich dachte. Kurz gesagt, ich habe keinen blassen Schimmer, was ich jetzt essen darf und was nicht. Ist Frischkäse ok? Joghurt? Wenn ja, alle Sorten? Mozzarella? Fertigsalate? Mayonnaise? Selbstgemachte Mayonnaise? Meine Güte, soll ich etwa nur noch Karotten und Äpfel essen? Ich kann ja auch nicht in jedem Supermarkt an der Kasse nachfragen, ob die Lebensmittel, die ich einkaufe, für Schwangere verträglich sind.

Ich lese also so viel wie möglich nach, frage meine Mam und meine Schwester. Meine Mutter hat drei Kinder, ist aber in jener Generation schwanger gewesen, für die Folsäure, 3D Ultraschall und Kinderwunsch-App nicht existent waren. Und meine Schwester meint nur: “Ich glaube, Salami solltest Du nicht essen, sonst wirst Du schon wissen, was gut ist.“ Mit Lesen und zwei Anrufen bei meiner FÄ bin ich mittlerweile ziemlich gut ausgerüstet in Sachen Ernährung in der SSW. Aber mal ehrlich, wer kennt den schon den Unterschied zwischen Frischkäse und Ricotta und wie zum Teufel finde ich auf der Verpackung die Kennzeichnung für „pasteurisiert“?

Fragen über Fragen, aber ich weiss jetzt zumindest, dass Lebensmittelverpackungen über die notwendigen Informationen verfügen (müssten) und mit etwas Glück oder einer netten Bedienung findet man sie auch.

Unsere Kolumnistin Stefanie Besmens schreibt jede Woche über die Höhen und Tiefen, Freuden und Leiden ihrer Schwangerschaft. Fortsetzung folgt...

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