Ausblick

Aktuelles Gewicht: ca. 61,4 kg    
Blutdruck: 106/62

In 15 Wochen bin ich Mutter!! Gestern habe ich, wie in jedem neuen Monat, Fotos von meinem Bauch gemacht und musste feststellen, dass meine Wahrnehmung etwas trügerisch ist. Ich hatte angenommen, dass die Kugel um einiges grösser sein sollte, also mit anderen Worten, ich dachte mein Bauch wäre überhaupt nicht gewachsen.

Weit gefehlt, er ist gewachsen. Was hingegen deutlich geschrumpft ist, ist meine Taille. Jedenfalls wird mir beim Betrachten der Bilder einmal mehr bewusst, dass der kleine Zwerg unter meinem Herzen nicht mehr lange genügend Platz haben und wohl schneller als ich zum jetzigen Zeitpunkt ahnen kann in Fleisch und Blut neben Thomas und mir in seinem Bettchen liegen wird.

Unweigerlich muss ich schmunzeln, stelle mir in der gleichen Sekunde aber auch die allseits beliebte und selbstverständlich unsinnige Frage: Werde ich das packen?

Die Szene, die sich jetzt abspielt, könnte in Anbetracht dieser Gedanken nicht passender sein. Das Tram, indem ich sitze, hält an, und drei Jungen im Alter zwischen 7 und 9 Jahren steigen ein. Zwei von Ihnen sind mit diesen Trottinettes ausgerüstet und bugsieren sie umständlich mit sich hinein. Der eine entschuldigt sich sogar noch höflich bei mir für den kleinen Rempler. Über irgendetwas scheinen sie sich allerdings draussen gestritten zu haben, denn der kleinste von ihnen dreht sich zu seinem Kumpel um und sagt: „F…* dini Muetter Alte!“ Unbeeindruckt von dieser doch sehr persönlichen Wortwahl bellt dieser zurück: „Ach halt d’Fräss du H….*sohn.“ Ich traue meinen Ohren nicht. Bereits bei der nächsten Haltestelle scheint sich die Situation aber schon abgekühlt zu haben, denn der dritte Junge meint ausgelassen: „Ey, mir müesse use, mann das wird meeeega.“ Und schon sind sie um die nächste Ecke verschwunden.

Vielen Dank auch für die Impfung, denke ich. In meinem Bauch zappelt Julian gemütlich vor sich hin und ich versuche, mich nicht allzu intensiv zu fragen, wie es wohl sein wird, wenn mein eigenes Kind mich zum ersten Mal Scheisse findet und mir das auch sagt. Wie ich klarkommen werde mit einem Jungen, wo ich doch von Natur aus nur die Wünsche, Sorgen und Ängste eines Mädchens kenne. Ist es ein Vorteil, wenn man sich nicht immer eins zu eins in sein Kind hineinversetzen kann? Bietet die geschlechtsbedingte Unwissenheit vielleicht sogar den notwendigen neutralen Boden?

Für heute belasse ich es wohl einfach dabei, Juli’s Tritte zu beobachten, ihm am Abend sein Musikdöschen vorzuspielen und mir die neuesten Bilder der Babygalerie unseres Spitals anzusehen. Unschuldige kleine Bebes, umgeben von flauschigen Deckchen, deren einzige Aufgabe es ist, niedlich zu sein. Notiz an mich: Nicht vergessen, diese Kolumne an Julian zu übergeben, wenn ich ihm zum ersten Mal den Mund verbieten muss wegen eines Kraftausdrucks.

Unsere Kolumnistin Stefanie Besmens schreibt jede Woche über die Höhen und Tiefen, Freuden und Leiden ihrer Schwangerschaft. Fortsetzung folgt...

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