Vergeben und vergessen

Aktuelles Gewicht: ca. 61 kg (jetzt geht’s los)    
Blutdruck: noch immer stabil („Houz alänge..“)

23. SSW. Das Gewicht steigt (der Appetit auch..), der Bauch wächst und Julian meldet sich alle paar Stunden mit sanften Tritten. Wenn ich meinen Bauch lange genug beobachte, sehe ich sogar von aussen eine kleine Beule.

Thomas hat es bisher einmal gesehen und zweimal gespürt – irgendwie wirkt seine Stimme wohl beruhigend. Immer, wenn er die Hand auf den Bauch legt und dem Menschlein da drin etwas zuflüstert, herrscht Stille im Brutkasten. Ich hoffe, unser Sohn reagiert auch noch so entspannt auf Papi’s Stimme, wenn er draussen ist… so oder so geniesse ich diese Momente der Dreisamkeit extrem.

Zurzeit gibt es daher äusserst wenig, worüber ich mich beschweren könnte, aber dazu später. Dass es nicht selbstverständlich ist, sich einfach gut zu fühlen, sehe ich an meiner Freundin Kira. Sie ist in der 25. SSW und Liegen ist angesagt! 15-20 Min. Bewegung am Tag maximal und je nachdem, wird dieser Zustand bis zur Geburt andauern. Sie sagte, dem Baby gehe es sensationell, „er dörf eifach nöd usecho..“. Wenn ich mir vorstelle, dass ich jeweils schon nach zwei Tagen Kranksein vollkommen verstört zu Hause herumwandle und mir verzweifelt die Wiederholung der Wiederholung von „How i met your mother“ im Fernsehen ansehe, dann muss ihre Situation so eine Art Langeweile-Supergau sein.

Ich beschäftige mich derweil mit verhältnismässig lächerlichen Einschränkungen: Schwangerschaftsdemenz ist angesagt! Für die Wahl des richtigen Spitals findet heute die erste offizielle Gebärsaalbesichtigung mit Präsentation und Information zu Natürlicher Geburt und Kaiserschnitt statt. Um 08:00 Uhr müssen wir da sein.

Pünktlich auf die Minute – muss das erwähnen, weil es eher atypisch ist für uns – marschieren wir zur Empfangstheke. „Guten Tag, mein Name ist Besmens und wir kommen zur Kreissaalbesichtigung“. Die verdutzte Miene der Dame hinter der Glasscheibe verheisst nichts Gutes, denke ich. „Ok, haben sie das mit der Hebamme besprochen?“ Ich sage einfach mal Ja. „Dann einfach mit dem Lift ins „K“ hoch.“ Gesagt, getan. Mit uns im Lift fährt eine junge Frau in weissen Spitalklamotten und als sie sieht, welchen Knopf ich drücke, lacht sie mich an und meint: „Frau Streck?“ Ähhm…nein, Besmens, wir kommen zur Kreissaalbes….hab den Satz noch nicht beendet, da schaut sie schon auf ihre Uhr und sagt: „Ja, aber das wäre dann um 20:00 Uhr, also heute Abend.“

Aus dem Augenwinkel sehe ich Thomas ein Lachen unterdrücken. Ich bedanke mich höflich für die Auskunft, lächle ein bisschen verlegen und versuche noch einen kurzen Blick in die Geburtsabteilung zu erhaschen. Verdammt! Mit Terminen bin ich doch sonst ganz gut. Ich war mir so sicher, dass sie 08:00 Uhr gesagt hat. Wir schauen uns das Spital trotzdem ein bisschen näher an, aber der Frustteufel in mir findet jetzt sowieso alles irgendwie doof. Wieder zurück auf dem Parkplatz, rede ich mich um Kopf und Kragen und versuche Liebling davon zu überzeugen, dass man mir klar sagen muss, dass 08:00 Uhr auch abends sein kann.

„Dann gehen wir eben heute Abend nochmals dahin und hören uns die Präsentation an, Schatzi. Das nächste Mal frag aber besser zweimal nach.“ Ein bisschen gönnerhaft, mein Herz, denke ich während ich nervös in meiner Tasche herumwühle, um den Autoschlüssel zu finden – ah ja, den hatte er ja vorhin eingesteckt, hab ich wohl vergessen :-)

Unsere Kolumnistin Stefanie Besmens schreibt jede Woche über die Höhen und Tiefen, Freuden und Leiden ihrer Schwangerschaft. Fortsetzung folgt...

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