Theorie ist nicht Praxis

Aktuelles Gewicht: warte bis zum nächsten FA Termin, schätze 62kg
Blutdruck: bin optimistisch (zwischendurch bisschen zittrig, aber meistens ok)

Wenn diese Woche vorbei ist, bin ich bereits im 5. Monat schwanger! Die 16. SSW bedeutet für mich im Moment vor allem eins: Noch zwei Wochen bis zum nächsten FA Termin und hoffentlich der Gewissheit, ob es ein „Buebli“ oder ein „Meitli“ wird.

Ich treffe mich in ein paar Minuten mit meiner Bekannten und ihrem Sohn (1) zum Mittagessen. Als sie mit etwas Verspätung angerauscht kommt, kann ich kaum glauben, wie sehr sich der Kleine verändert hat. Ein süsser, aufgeweckter Wonneproppen sitzt da im Kinderwagen und schaut mich mit seinen braunen Kulleraugen an.

Meine Verzückung ist aber nicht von langer Dauer, denn im Restaurant angekommen, geht das Abenteuer los. Wir brauchen einen anderen Tisch, denn der uns zugewiesene steht zu ungünstig, um einen Kinderwagen daneben zu platzieren. Dann möchte der kleine Nik auf keinen Fall ins Kinderstühlchen sitzen und wehrt sich mit allen Mitteln – zu allererst natürlich ohrenbetäubendes Geschrei. „Ok, Schätzchen, was möchtest du denn?“ fragt die etwas nervös wirkende Mutter. Nikki zeigt auf den Ventilator im vorderen Teil des Lokals. Mit leicht geröteten Wangen geht meine Kollegin also zum Objekt der Begierde und ich sitze allein am Tisch, bestellt haben wir noch nicht.

Irgendwann kommt sie zurück und versucht erneut, Kind und Kinderstuhl in Einklang zu bringen – der Versuch scheitert kläglich. Mit dem schreienden Kind auf dem Arm sieht sie sich, um Fassung bemüht, die Speisekarte durch und bittet mich, für sie zu bestellen. Mittlerweile ist meine Mittagspause halb vorbei und ich bemerke den ein oder anderen, man könnte sagen mitleidigen Blick, von den Gästen um uns herum. Ein paar Minuten später sitzt das quengelnde Baby in seinem Stühlchen und ist durch die Tischdeko und ein Stück Brot kurzzeitig abgelenkt.

Ich nutze die Gunst und teile Eva mit, dass ich schwanger bin. Die Freude ist gross, wird aber vom Versuch des Kleinen unterbrochen, in seinem Hochstuhl aufzustehen. Mit einer hilflosen Geste sieht sie mich an und meint: „Im Moment kann man wirklich nirgends mit ihm hingehen, er ist so aktiv…“ Ach nee? denke ich. Unser Essen kommt, ich habe noch zehn Minuten. Klein Nikki findet meine Pasta sehr viel leckerer als seine Kinderkekse und ich versuche abwechselnd, ihn zu füttern und selber auch noch ein paar Gabeln im eigenen Mund verschwinden zu lassen.„So, ich muss leider“ sage ich und Eva meint: „Ja klar, bald können wir ja zusammen rumhängen mit unseren Kleinen.“

Als ich zurück zum Büro laufe, streichle ich über meinen Bauch und muss beim Gedanken schmunzeln, dass man teilweise ganz vergisst, dass eine Schwangerschaft ja damit endet, dass man ein Baby hat…wie oft werde ich wohl beim Versuch scheitern, mein eigenes Kind in ein Kinderstühlchen zu zwängen :-)

Unsere Kolumnistin Stefanie Besmens schreibt jede Woche über die Höhen und Tiefen, Freuden und Leiden ihrer Schwangerschaft. Fortsetzung folgt...

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