6. Lebensjahr

5 Jahre alt: Zwischen Kleinsein und Grosswerden

Ist es Ihnen aufgefallen? Wenn Ihr Kind jetzt etwas zeichnet, geht es vermehrt auf Situationen ein, die es kennt. Es zeichnet nicht mehr nur ein Haus oder ein Tier oder einen Menschen. Nein, es beginnt jetzt zu zeichnen, wie die Feuerwehr den Brand löscht oder der Fastnachtsumzug durch die Strassen geht. Es beginnt jetzt auch, einige wenige Details wie Knöpfe oder Hüte zu malen. Das hat einerseits mit seinen Fähigkeiten zu tun – seine Motorik hat sich im letzten Jahr nochmals stark verfeinert.

Aber diese neue Betrachtungsweise Ihres Kindes hat auch einen anderen Grund: Nach dem Trotzalter, in dem Ihr Kind entsprechend seiner Ich-Entwicklungsphase fast ausschliesslich egoistische Sichtweisen und Gefühlte zeigte, werden jetzt langsam andere Gefühle geweckt: Das Füreinander – und somit auch bewusst das Gegeneinander. Anders ausgedrückt: Ihr Kind zeigt soziale Gefühle, achtet mehr auf seine Umwelt, beobachtet genauer, was sein Gegenüber tut. Bis jetzt hatten sich die meisten Gefühle Ihres Kindes gegen sich selbst gerichtet, jetzt beginnt Ihr Kind bewusst, das Spektrum zu erweitern.

Vor allem Gefühle überträgt es jetzt auch auf andere Menschen und auf Tiere. Plötzlich zeigt Ihr Kind Mitleid – und Angst um andere, primär um seine Eltern. Vor allem Mädchen entwickeln in diesem Alter auch starke Fürsorge-Gefühle, sie bemuttern ihr kleines Geschwisterchen, wünschen sich ein Haustier, welches sie hätscheln, hegen und pflegen können.

Die positive und lebenswichtige Fähigkeit des Gespürs für andere lässt sich in diesem Alter mit wohlwollenden Gesprächen über Mitmenschen und Umwelt besonders gut fördern. Eine gleichgültige Erziehung kann dagegen Egoismus und Konfliktunfähigkeit fördern. Geschichten über andere Menschen und deren Probleme sind darum in diesem Alter sehr beliebt. Rollenspiele aller Art werden jetzt noch intensiver.

Die Gemütsbildung ist auch Voraussetzung für die Gewissensbildung. Nur mit viel Liebe können darum Verbote und Gebote durchgesetzt werden. Das vier- bis sechsjährige Kind interessiert sich sehr für gut und böse, für richtig und falsch. Darum liebt Ihr Kind jetzt eindeutige Werte, wie sie oft in Märchen vorkommen. Und es ist in der Regel auch bereit, sich an eindeutige und klare Grenzen zu halten.

Die symbiotische Beziehung zwischen Mutter und Kind öffnet sich zunehmend und das Kind realisiert die Bedeutung anderer Personen im Leben der Mutter. Insbesondere die Beziehung zwischen Mutter und Vater ist von Bedeutung, da sie eine Komponente (sexuell) enthält, welche das Kind realisiert, aber nicht bedienen kann und soll. Hier entstehen wie bereits ab dem vierten Lebensjahr Eifersucht und Rivalität des Kindes mit dem jeweils gleichgeschlechtlichen Elternteil.

Im Alter von ungefähr 5 Monaten hat bei Ihrem Kind die Sprachentwicklung eingesetzt – und jetzt, mit 5 Jahren, ist sie weit fortgeschritten und grösstenteils auch abgeschlossen. Wenn jetzt kein breiter, sprachlicher Grundstock gelegt ist, kann es sein, dass die weitere Sprachentwicklung und das Verständnis und die Begabung für Fremdsprachen harzen werden.

Letzte Aktualisierung: 05.2016, VZ