Mami liest vor

Vorlesen – sieben wichtige Tipps

Vorlesen ist ein wunderbares, gemeinschaftliches Erlebnis. Regelmässiges Vorlesen unterstützt Kinder aber auch in ihrer Entwicklung. Denn Kinder, denen regelmässig vorgelesen wird, verfügen über einen grösseren Wortschatz als ihre gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen ohne Vorleseerfahrung. Sie lernen leichter lesen und schreiben, bringen im Durchschnitt bessere Noten nach Hause und haben grössere Bildungschancen.

Kleine Kinder begegnen übers Vorlesen erstmals Literatur. Sie hören, wie literarische Sprache klingt und nehmen unbewusst ihre Erzähl- und Sprachmuster auf. Diese helfen ihnen später, Texte leichter zu verstehen und zu interpretieren.

Geschichten regen die Fantasie von Kindern an und befördern ihre Kreativität und Ausdrucksfähigkeit. Sie bieten Gesprächsanlässe für alltägliche und grundlegende Themen. Sie ermöglichen, gerade im vertrauten Rahmen, die Verarbeitung von Sorgen und Konflikten und das Erleben von ganz neuen Welten.

Vorlesen heisst Beisammensein und gemeinsam Geschichten erleben, es bietet Kindern Nähe und Aufmerksamkeit. Dass Mama, Papa, Grossmutter, Grossvater oder eine andere Person sich Zeit zum Vorlesen nimmt, ist ebenso wichtig wie die Märchenprinzessinnen, Superhelden und mutigen Mädchen in den vorgelesenen Geschichten.

  1. Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe: Vorlesen bedeutet, gemeinsam Zeit verbringen und füreinander da sein. Achten Sie deshalb auf eine entspannte Vorlese-Atmosphäre. Wählen Sie einen günstigen Moment im Tagesablauf aus. Das kann vor dem Schlafengehen sein, nach dem Mittagessen oder vor dem Hausaufgabenmachen. Auch ein gemütlicher Platz ist beim Vorlesen viel wert. Und wenn Sie nicht gerade ein digitales Buch vorlesen oder eine Bilderbuch-App gemeinsam anschauen, schalten Sie während der Vorlesezeit Ihr Handy und den Fernseher aus.
  2. Wählen Sie Bücher zusammen mit Ihrem Kind aus: Lesen Sie vor, was Ihrem Kind und Ihnen Spass macht. Kinder haben unterschiedliche Interessen. Lassen Sie deshalb Ihr Kind, das Vorlesebuch selbst auswählen - zu Hause, in der Buchhandlung oder der Bibliothek. Und haben Sie Geduld, wenn Ihr Kind schon wieder dieselbe Geschichte hören möchte. «Noch einmal!» - das ist ein gutes Zeichen dafür, dass Sie alles richtigmachen. Wenn Sie mehrere Kinder haben, lassen Sie diese Ihre Vorlesebücher abwechselnd auswählen.
  3. Lesen Sie lebendig vor: Sie müssen kein Vorleseprofi sein, um ein Buch vorzulesen oder zu erzählen. Ein paar kleine Tricks können Ihnen aber helfen, Geschichten zu einem lebendigen Erlebnis zu machen: Sprechen Sie genügend laut und deutlich. Variieren Sie Ihre Stimme und nutzen Sie Mimik und Gestik so, wie es Ihnen damit wohl ist. Nehmen Sie während dem Vorlesen immer wieder Blickkontakt zu Ihrem Kind auf und machen Sie während dem Vorlesen kleine Pausen, das erzeugt Spannung.
  4. Beziehen Sie Ihr Kind ins Vorlesen ein: Vorlesen ist keine Einbahnstrasse: Sie und Ihr Kind erleben gemeinsam eine Geschichte. Lassen Sie deshalb Ihrem Kind Zeit, eigene Gedanken zu entwickeln und während dem Vorlesen Fragen zu stellen. Stellen Sie auch selbst Fragen und regen Sie Ihr Kind an, kreativ zu sein: Wie könnte zum Beispiel die Geschichte anders enden? Gehen Sie gemeinsam den Fragen nach und lassen Sie Gespräche entstehen. Vorlesen ist eine Chance, mit Ihrem Kind über alles zu sprechen, was es beschäftigt.
  5. Lesen Sie in Ihrer eigenen Sprache vor: Lesen Sie Ihrem Kind in der Sprache vor, die Sie am besten sprechen. Das kann Hochdeutsch, Schweizerdeutsch oder eine andere Sprache sein. Sie können Bücher und Geschichten auch erzählen. Ob Sie zum Beispiel ein Bilderbuch Hochdeutsch vorlesen oder Schweizerdeutsch erzählen, bestimmen Sie und Ihr Kind. Es muss auch nicht immer ein Buch sein: auch erfundene Geschichten machen Spass und fördern die Fantasie, die Ausdrucksfähigkeit und die Kreativität von Kindern.
  6. Lesen Sie regelmässig vor: Kinder mögen Rituale, denn sie geben ihnen Sicherheit und ermöglichen Vorfreude. Lesen Sie deshalb regelmässig vor: am besten jeden Tag. Wie lange diese Vorleserituale bei Ihnen dauern, finden Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Kind heraus. Wichtig ist die Regelmässigkeit, denn bereits fünf Minuten Vorlesen pro Tag wirken positiv auf die Entwicklung Ihres Kindes. Zudem unterstützt das Vorlesen auch Ihre Beziehung zum Kind, indem Sie ihm beim Vorlesen Zeit, Nähe und Aufmerksamkeit schenken.
  7. Hören Sie nicht mit Vorlesen auf: Vorlesen kennt keine Altersbeschränkung. Auch Kinder, die schon lesen können, dürfen Vorleserituale geniessen. Lesen Sie Ihrem Kind deshalb auch dann noch vor, wenn es bereits selber lesen kann. Gemeinsame Geschichten-Erlebnisse kennen keine Altersgrenze. Selbst Jugendliche und Erwachsene hören gerne zu – vielleicht auch Ihr Partner, Ihre Mutter oder Ihr Freund.

Quelle: https://schweizervorlesetag.ch/de/vorlesen-tipps/

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Lies mir vor! | 13.04.2018

Leseförderung ist dringend nötig: Die PISA-Studien der letzten Jahre bescheinigten jedem fünften bis sechsten Jugendlichen in der Schweiz am Ende der Schulzeit ungenügende Lesekompetenz. Vorlesen kann diesem Missstand entgegenwirken, wie eine Studie unter Prof. Jürgen Belgrad von der Pädagogischen Hochschule Weingarten ergab: Kinder, denen täglich vorgelesen wird, verfügen über einen grösseren Wortschatz und sie lernen leichter lesen und schreiben als Gleichaltrige ohne Vorleseerfahrung. Sie entwickeln einen positiven Bezug zum Lesen und greifen später mit mehr Freude zu Büchern, Zeitungen oder E-Books und haben somit auch bessere Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg. Hier finden Sie die wichtigsten Vorlesetipps. Weitere Informationen unter: www.schweizervorlesetag.ch.

Letzte Aktualisierung: 03.2018, BH