Zwei Mütter mit Babys im Kaffee
Familie | Kolumne

Wer ist sie denn, die Schweizer Mama?

Die Frage beschäftigt mich schon seit längerer Zeit, aber jetzt, wo ich für dieses Portal namens swissmom schreiben darf, dreht sie noch öfter in meinem Kopf herum: Wer ist sie denn, diese Swiss Mom, diese Schweizer Mama? Um der Sache auf den Grund zu gehen, wage ich hier den Versuch einer nicht wissenschaftlich fundierten Definition.

Schweizer Mama (f., die) In der Schweiz lebende Frau, die eines oder mehrere Kinder geboren, adoptiert oder angenommen hat. Die Gattung der Schweizer Mama gliedert sich in unzählige Arten. Die bekanntesten drei sind:

  • Die (teilzeitlich) berufstätige Mama. Inzwischen wohl die am weitesten verbreitete Art. Sie widmet sich hauptsächlich ihrer Familie und arbeitet gewöhnlich an ein bis drei Wochentagen in ihrem angestammten Beruf. Ihre grösste Herausforderung ist, einen Krippenplatz zu bekommen oder die -> Grossmama davon zu überzeugen, diesen Job gratis zu übernehmen.  Weitere Herausforderungen sind: Nach Bezahlung der Betreuungskosten noch etwas auf dem Konto zu haben, zusätzlich zu Kind und Job die Hausarbeit zu erledigen und den Job auch dann behalten zu können, wenn die Wirtschaft mal wieder eine Krise durchmacht. Im Allgemeinen ist die teilzeitlich berufstätige Mama gesellschaftlich akzeptiert, spätestens ab einem Arbeitspensum von fünfzig Prozent läuft sie aber Gefahr, von ihrem Umfeld der Art -> Rabenmutter zugeordnet zu werden. Selten auftretende boshafte Exemplare der Art berufstätige Mama werden hin und wieder dabei beobachtet, wie sie hämisch über nicht berufstätige Mamas lästern.
  • Die nicht berufstätige Mama. Über lange Zeit war dies die am weitesten verbreitete Art, doch seit einiger Zeit nehmen die Bestände auch in der Schweiz ab. Sie widmet sich vollzeitlich der Betreuung ihrer Kinder und der Führung ihres Haushalts. Oft ist sie zudem ehrenamtlich tätig, was bedeutet, dass sie mit grossem Engagement für die Gesellschaft unverzichtbare Dienste leistet, ohne dafür eine Entschädigung zu bekommen. Ihre Herausforderungen sind: Krank sein zu dürfen, wenn sie krank ist, sich gegenüber ihrem Umfeld nicht rechtfertigen zu müssen, weil sie „nicht arbeitet“, das Leben ohne ein zweites Einkommen meistern zu können und  auszuhalten, dass ein Grossteil der von ihr geleisteten Arbeit nie sichtbar wird, weil sie sogleich wieder von schmutzigen Kinderhänden zunichte gemacht wird. Auch in dieser Art werden hin und wieder aggressive Exemplare gesichtet. Diese versuchen mit missionarischem Eifer die Welt davon zu überzeugen, dass nur eine Mama am Herd eine gute Mama ist.
  • Die alleinerziehende Mama. Auch diese Art tritt vermehrt auf. Die alleinerziehende Mama ist zugleich Hausfrau, Mutter und Berufstätige. Sie begegnet allen Herausforderungen, denen auch die teilzeitlich berufstätige und die  nicht berufstätige Mama ausgesetzt sind, in verstärkter Form. Dazu kommen noch: versteckte Vorwürfe bei Elterngesprächen, die Überforderung, viele wichtige Entscheide alleine fällen zu müssen, Einsamkeit und je nach Situation auch noch ein Kindsvater, der sich einen Dreck um den gemeinsamen Nachwuchs schert.  Natürlich gibt es auch unter den alleinerziehenden Mamas weniger gutmütige Exemplare. Diese prophezeien glücklich verheirateten Frauen, dass auch für sie der Tag, an dem sie plötzlich alleine mit Kindern und Verantwortung dastehen, nicht mehr fern sei.

Aus Platzgründen verzichten wir auf die Nennung der unzähligen weniger verbreiteten Arten. Lediglich auf zwei, die eine wichtige Rolle spielen, sei hier noch hingewiesen:

  • Die Grossmama. Ohne sie wäre schon manche Familie in den finanziellen Ruin getrieben worden und ohne ihren Einsatz müsste die Wirtschaft auf viele kompetente Mitarbeiterinnen verzichten. Man munkelt, dass es auch unter den Grossmüttern  Exemplare gibt, die nicht ganz harmlos sind, nämlich jene, die sich weigern, ihre Töchter zu unterstützen, weil sie ja „damals“ auch alles alleine machen mussten.
  • Die Rabenmutter. Obschon ihre Existenz weiterhin umstritten ist, wird über sie noch hitziger diskutiert als über die anderen Arten. Es gibt Menschen, die sehen in jeder Mutter, die sich nur einen Hauch von einem Eigenleben gönnt, eine Rabenmutter, während andere deren Existenz standhaft leugnen, auch wenn sie gerade dabei zusehen, wie eine Mutter sich aus dem Staub macht, um sich nie wieder ihrer Kinder annehmen zu müssen. 

Letzte Aktualisierung : 04-07-16, TV

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