Witzbold

Das mit der Ironie, das ist so eine Sache. Vor allem Pepe neigt dazu, viele Dinge mit einem gewissen Witz, der gerne auch sarkastisch tönt, zu kommentieren. Und auch ich bediene mich manchmal ganz gerne eines ironischen Spruchs, um mir nicht in die Karten blicken zu lassen.

Natürlich wissen sowohl Pepe als auch ich sehr wohl, dass kleine Kinder Ironie nicht verstehen. Trotzdem rutscht uns ab und zu mal was raus, was in diesem Sinn nicht für Kinderohren bestimmt ist. Und merkens erst, wenn Goja mit geweiteten Augen schaut. Die Standard-Rettung: „Weisst du Goja, das war bloss ein Witz.“

Wie immer nimmt unser Sohn solche Sachen zur Kenntnis, ohne weiter darüber zu debattieren. Doch Goja wäre nicht Goja, wenn er nicht bei erst bester Gelegenheit eine Retourkutsche parat hätte. Bevor ich das erläutern kann, muss ich etwas voraus schicken: Unser Sohn, so scheint es mir, schlittert von einer Phase in die nächste. Momentan ist die „Essen-verweigern-Phase“ angesagt. Egal was ich koche, egal was in der Pfanne brutzelt, egal was ich auf den Tisch stelle: Goja kommt, sieht und verkündet: „Das ha ig nid gärn!“ Meistens isst er dann doch.

Doch neulich, das hat er sich hartnäckig geweigert, sich an den Mittagstisch zu setzen. Und als er merkte, dass ich das Ganze nicht so lustig finde, hat er mit leidender Miene erklärt, dass er eben unmöglich essen könne, weil er ganz fest krank sei. „Oh“, habe ich gesagt, „das ist natürlich schlimm. Dann ist es am besten, wenn du ein wenig in dein Zimmer gehst, dich aufs Bett legst und dir ein Buch anschaust.“ Hierzu ist noch zu sagen, dass ich mich davor hüte, den Kleinen zum Essen zu zwingen. Ich bin der Ansicht, dass er sich schon das holt, was er braucht und ich will ihm nicht mit zu harten Massnahmen die Lust am Essen vergraulen.

Nun gut, Goja nickte, stahl sich davon und verschwand in seinem Reich. Minuten später räumte ich etwas frustriert den Tisch ab, liess mir einen Kaffee raus und grabschte – süchtig wie ich bin – eine Tafel Schokolade aus dem Versteck. Kaum hörte Goja die Kaffeemaschine surren, stand er auch schon auf der Treppe. „Goja ou Dessärli ha!“, forderte er mit lauter Stimme. „Nein, du bist ja so krank und magst gar nichts essen“, konterte ich.

Goja musterte mich eine Weile, trat an den Tisch heran, schnappte sich ein Stück Schokolade und erklärte wichtig: „Nei, Goja-Mami, ig bi nid chrank. – Das isch nume es Witzli gsi!“

Letzte Aktualisierung : 11-08-16, VZ