Schwere Schulsäcke

Zu schwere Schulsäcke schaden dem Rücken

So mancher künftiger ABC-Schütze wünscht sich von seiner Gotte oder vom Götti einen richtig peppigen Schulsack, damit er frohgemut den neuen Lebensabschnitt angehen kann. Doch egal ob mit Donald Duck, Pippi, Ferrari oder dem Dschungelbuch auf dem Rücken, wenn der Schulsack zu schwer und zu klobig ist, dann helfen auch die süssen Sujets nichts.

Den Schulsack „richtig“ auswählen, heisst darum die Devise. Denn laut Studien leiden Kindern und Jugendliche zunehmend an Rückenproblemen. Und vieles deutet darauf hin, dass die Last an Kinderrücken zu gross geworden ist. Die schweren Bürden beunruhigen Eltern, Lehrer und Schulärzte regelmässig. In Genf etwa müssen Zehnjährige bis zu 9 Kilogramm schleppen. Das Schulmaterial sei in den letzten Jahren buchstäblich explodiert, sagt etwa Virgile Woringer, leitender Schularzt in Lausanne. Allein das Geschichtsbuch sei dreimal schwerer geworden, hinzu kämen zahlreiche Ordner und andere Unterlagen.

Auch in Zürich oder Basel machen die schulärztlichen Dienste regelmässig auf das Problem aufmerksam und rufen gleichzeitig Schüler dazu auf, nur das nötige Material mitzunehmen. Und der schulärztliche Dienst von Baselstadt hat bereits vor einigen Jahren Richtlinien publiziert (siehe unten), um die Schulkinder von ihrem „Packesel-Dasein“ zu befreien.

Am meisten Sorgen machen den Schulärzten aber nicht die Kinder, deren neuer Schulsack im besten Fall ergonomisch an den Rücken angepasst ist, sondern die Jugendlichen. Diese wählen Tasche oder Rucksack nach der Marke aus und nicht danach, ob die Gepäckstücke auf den Rücken passen. Gemäss einer neuen Studie klagt in Zürich eines von hundert Kindern zwischen 10 und 11 Jahren über Rückenschmerzen. Bei den 15- bis 16-Jährigen ist es schon eines von fünfzehn.

Damit stellt sich nicht nur die Frage nach dem Kauf des richtigen Schulsacks, sondern auch nach einem gesunden, haltungsbewussten (Schul)-Alltag. Denn die Hauptursache für die zunehmenden Rückenschmerzen liegt auch im veränderten Freizeitverhalten der Jugendlichen und der mangelnden Bewegung. Physiologische Entwicklungsreize für die Wirbelsäule wie hüpfen, springen oder balancieren, welche die gesunde Entwicklung des kindlichen Haltungs- und Bewegungsapparates fördern, fehlen oft. Infolgedessen wird der Rücken anfälliger für Belastungen. Nicht optimal gewählte und überfüllte Schulsäcke verstärken diese Symptome, und es kann zu bleibenden Haltungsschäden kommen; gerade wenn man bedenkt, dass eben rund 80% aller Schülerinnen und Schüler zu schwere Schulsäcke tragen. Aber nicht nur der Haltungsapparat leidet unter ungünstigen Schulsäcken. Negativ sind auch die Auswirkungen auf Motorik und Koordination. Diese bilden sich bei den Schulanfängern nämlich erst allmählich aus. Durch zu schwere oder falsch beladene Schulsäcke werden das Gleichgewicht der Kinder gestört und ihr Standvermögen gemindert. Die Folge ist eine erhöhte Unfallgefahr. Dementsprechend sollte zumindest bis zum 12. Lebensjahr der Schulsack noch auf dem Rücken getragen werden.

Mangelndes Koordinationsvermögen, Rückenschmerzen und Haltungsschäden lassen sich jedoch vermeiden. Für die Prävention ist gerade die Schulzeit – insbesondere die ersten Schuljahre – von entscheidender Bedeutung.

Das tägliche Umpacken des Schulsackes kann zu einer wesentlichen Entlastung des Traggewichtes beitragen.

Für normalgewichtige Kinder gilt, dass das Schulsackgewicht ein Achtel (12,5%) des Körpergewichtes nicht überschreiten sollte:

  • bis 24 kg: 3,0 kg
  • 25–28 kg: 3,5 kg
  • 29–32 kg: 4,0 kg
  • 33–36 kg: 4,5 kg
  • 37–40 kg: 5,0 kg
  • 41–44 kg: 5,5 kg
  • 45–48 kg: 6,0 kg
  • 49–52 kg: 6,5 kg
  • über 53 kg: 7,0 kg

Entscheidend ist im Einzelfall aber nicht allein der prozentual ermittelte Wert, sondern auch die Entfernung des Schwerpunktes der Last vom Rücken. Bei einem gesunden, physiologisch gekrümmten Rücken ist auch eine höhere Traglast möglich, während bei Wirbelsäulenverkrümmung oder bei einem schlaffen Rundrücken unter Umständen weniger als 10% getragen werden sollten.

Anforderungen an den Schulsack

  • Das Eigengewicht des Schulsacks sollte 1500 g nicht überschreiten, innerhalb der ersten beiden Schuljahre sogar möglichst unter 1200 g.
  • Der erste Schulsack sollte unbedingt auf dem Rücken getragen werden.
  • Der Schulsack sollte nicht breiter sein als der Schultergürtel des Kindes.
  • Wichtig ist ein körpergerecht geformtes, gut anliegendes Rückenpolster.
  • Die Tragegurte sollten mindestens 4 cm breit, gut gepolstert und verstellbar sein. Zu kurze Gurte fördern einen Rundrücken, zu lange Gurte provozieren einen Hohlrücken.
  • Die Schulsackoberkante soll mit der Schulterhöhe abschliessen.
  • Bezüglich der Verkehrssicherheit ist notwendig, dass an den Vorder- und Seitenteilen sowie an den Tragegurten reflektierende Flächen vorhanden sind.


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Letzte Aktualisierung: 05.2016, VZ