Kinder fragen

Warum? – Kinder fragen und fragen

Warum? Warum? Warum? Alles wollen unsere lieben Kleinen ganz genau wissen, sie fragen und fragen, den lieben langen Tag. Natürlich freuen sich die Eltern über den Wissensdurst ihrer Kinder. Aber manchmal geht uns die Fragerei auch einfach auf den Wecker. 

Trotzdem: Kinderfragen und eine dem Alter entsprechende Antwort sind für die kindliche Entwicklung enorm wichtig! Denn für ein Kleinkind ist die Welt voller Wunder. In der ersten Lebenszeit nimmt das Kind alle Ereignisse staunend auf und lernt nadisna die Gesetze kennen. Nach einer Weile dann beginnt es, das ihm Bekannte einzuordnen und erneut in Frage zu stellen – einfach in einem erweiterten Zusammenhang.

Natürlich möchten wir solchen Fragen korrekt begegnen, strengen unseren Kopf an und suchen nach der richtigen Erklärung. Und je mehr wir uns mit den Details befassen, womöglich Fachliteratur konsultieren, um eine möglichst korrekte, gescheite Antwort zu geben, desto mehr wird sich das Kind mit einer gewissen Gleichgültigkeit abwenden.

Eine solche Reaktion zeugt nicht von Desinteresse des Kindes, sondern sie zeigt, dass wir die Frage unseres Kindes nicht richtig verstanden haben. Kinder bringen eine grosse Weisheit mit auf die Welt. Und sie erahnen die wesentlichen Dinge unseres Lebens. Darum wollen sie, wenn sie neugierig auf die scheinbar selbstverständlichsten Dinge zugehen, nicht wissen, dass die Sonne enorm viele Kilometer von der Erde entfernt ist. Viel lieber möchten sie wissen, warum die Sonne scheint. Eine Antwort im Sinne von „weil wir Menschen und die Tiere und die Pflanzen Licht und Wärme brauchen“ stellt die Kleinen darum eher zufrieden als eine komplizierte physikalische Erläuterung. Durch einfache Antworten gewinnen die Kinder Vertrauen, sie haben bestätigt, dass alles gut und richtig ist, so wie es ist – heute und auch in Zukunft. Mit den immer gleichen Fragen lassen sie sich das Verlangen nach Sicherheit bestätigen.

Kinderfragen kennen auch kein Tabu. Und schon gar nicht den passenden Zeitpunkt. Ob im Bus, an der Ladenkasse, in der Kirche: Was auf der Zunge brennt, muss raus – und bitte sofort beantwortet sein. „Mami, warum hat diese Frau so komische Zähne?“ Egal, hier müssen Sie als Eltern durch und möglichst rasch reagieren, auch wenn Sie aus lauter Scham am liebsten im Boden versinken würden. Ein ehrliches „Ich weiss es nicht“ hilft vielleicht weiter, aber nur, wenn Sie sich danach die Zeit nehmen, um dem Kind die Frage doch noch zu beantworten. Unangenehm sind auch Fragen nach dem Sterben, dem Tod – vor allem wenn das Kind plötzlich fragt: „Mami, musst du auch bald sterben?“ Oder noch schlimmer beim Besuch beim Grosi: „Mami, stirbt Grosi bald?“ Dass alte Leute irgendwann sterben, hat das Kind eben vielleicht schon gelernt – und nun wendet es dieses Wissen ganz logisch an und versteht nicht, warum die Eltern sich mit solchen Tabus schwer tun. Die Frage nach dem Sinn des Todes ist da schon schwieriger. Aber es ist nicht nötig, dass Sie immer auf alles eine perfekte Antworten parat haben – eine Kinderfrage kann auch Ausgangspunkt sein, um auf ein etwas längeres Gespräch einzugehen.  Überhaupt ist es möglich, mit einer Gegenfrage die endlos langen „Warum-Ketten“ zu unterbrechen und auch damit ein Gespräch in Gang zu geben, ein Gespräch, wo das Kind das Gelernte anwenden kann und die Möglichkeit bekommt, das Neue, das Wesentliche, selber zu benennen.

Mit dem Kindergartenalter und dem Schuleintritt verändert sich die Qualität der Fragen. Kinder wollen nun handfeste Infos, sie wollen Zusammenhänge verstehen. Das Sachwissen der Eltern ist nun wirklich gefragt: "Kann ein Bär schneller laufen als ein Mensch?" Wehe dem, wer auf eine solche Frage mit Schulterzucken reagiert. Denn wenn ein Kind auf seine Fragen zu oft ein "Weiss ich nicht" hört, wird es dies verinnerlichen, faul werden in seiner Suche nach Antworten. Und fort ist die Neugier, die einen Menschen lebendig macht und kreativ. Also statt Schulterzucken hinein ins Bücherregal und gemeinsam nach Antworten suchen! So ganz nebenbei lernt Ihr Kind damit auch die Instrumente kennen, mit denen es später selbst die Antworten auf seine Fragen herbeischaffen kann. Eine solche gemeinsame Recherche bringt allen viel.

Es gibt grundsätzlich keine Frage, für die ein Kind noch zu jung wäre; es gibt nur unpassende, dem Alter nicht angemessene Antworten. Darum müssen Eltern mit ihren Antworten die Sichtweise des Kindes annehmen und die Welt aus dem Blickwinkel des kleinen Menschen betrachten. Die Antworten müssen verständlich sein und ganz wichtig: Jede Frage kann der Beginn für einen Dialog sein!


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Letzte Aktualisierung: 05.2016, VZ