Dünnes KInd

Die "Suppenkasper-Kinder"

Luca und Sandro sind Brüder – und könnten in ihrem Essverhalten nicht unterschiedlicher sein: Während Luca lieber zwei Portionen Nudeln als nur eine verdrückt, „schaut Sandro höchstens eine halbe Portion an“, wie seine Mutter resigniert sagt. Viele Eltern machen sich Sorgen, weil ihr Kind angeblich nicht genug isst und ihnen zu dünn erscheint. Oft ist die elterliche Sorge unbegründet, denn "dünne Phasen" sind in der Kindheit durchaus normal. Aber es gibt sie auch, die „Suppenkasper“, die tatsächlich schon als Kleinkinder zu dünn sind und die regelrecht aufgepäppelt werden müssen. 

Ob zu dünn oder zu dick – die Normwerte für Grösse und Gewicht weisen eine grosse Bandbreite auf und es ist nicht immer einfach herauszufinden, ob das eigene Kind „richtig“ ernährt ist oder nicht. Und es hilft auch nicht weiter, wenn man auf die gleichaltrigen Kinder der Freundin schielt, denn Kinder, auch gleichen Alters, essen nicht immer gleich viel. Ausserdem wechselt die individuelle Verzehrsmenge oft von Tag zu Tag.

Dennoch haben viele Kinder, bezogen auf ihr Alter und vor allem auf ihre Körpergrösse, ein "falsches" Körpergewicht. Das muss man natürlich im Auge behalten. Die Bewertung, ob ein Kind "gut" oder "schlecht" isst, darf jedoch nicht als "Momentaufnahme" erfolgen, da Kinder im Laufe ihrer Entwicklung verschiedene Phasen durchlaufen. Die Proportionen des Körpers verändern sich deutlich vom Baby bis zum Jugendlichen. Mal dominiert das Längenwachstum, mal das Breitenwachstum, und dann wieder steht die geistige Entwicklung im Vordergrund. Es ist deshalb wichtig, das "Individuum Kind" immer im Zusammenhang mit seiner Entwicklung über einen längeren Zeitraum zu betrachten und Gewichts- und Grössenverlauf zu dokumentieren.

Wenn ein Kind jedoch auffällt, weil es über längere Zeit deutlich dicker oder dünner als seine Altersgenossen ist, muss vom Kinderarzt die Abklärung möglicher Ursachen erfolgen. Daran angepasst kann man dann versuchen, über eine Umstellung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens das Gewicht zu normalisieren, es auf längere Sicht gesehen also in eine dem Alter und der Entwicklung angepassten Grössenordnung zu "verschieben".

Ein erster Augenschein, am besten unbekleidet oder in Badekleidung, hilft den Eltern vielleicht weiter: Ist das Kind deutlich magerer als vergleichbare Kinder und treten die Knochen deutlich hervor, sollte man die weitere Entwicklung unbedingt beobachten. Kommen Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit, Leistungsschwäche, übermässige Krankheitsanfälligkeit und ständige Müdigkeit hinzu, muss der Kinderarzt konsultiert werden.

Um beim „Suppenkasper“ eine moderate Gewichtszunahme zu erreichen, muss man geschickt die Energiedichte der akzeptierten Nahrungsmenge erhöhen, am besten durch (versteckte) Anreicherungen mit energiereichen Zutaten. Über eine absolute Erhöhung der Nahrungsmenge allein ist meist wenig zu erreichen, weil die Kinder einfach nicht "mehr" essen wollen oder können. Grosse Portionen schrecken sie ab. Bewegung und Spiel in der Gruppe fördern hingegen den Appetit, der mittels vieler kleiner Snacks energiereich gestillt werden kann.

Ernährungs-Tipps bei Untergewicht (Nach Buchautorin und Ernährungswissenschaftlerin Eva-Maria Schröder)

  • kalorienreiches Obst wie Banane, Weintrauben, Kirschen statt Beeren oder Melone
  • Rahmjoghurt statt Magerjoghurt
  • Anreicherung der Speisen mit Pflanzenölen/ Rahm (Sossen, Suppen)
  • Ei als Legierung in Suppen
  • Käse zum Überbacken
  • Doppelrahmfrischkäse
  • Rahmglace statt Sorbet
  • Trockenfrüchte, Nüsse - zwischendurch zum Knabbern und im Müsli
  • Getränke kalorienreich (Kakao, Fruchtsäfte pur) gestalten
  • Nutella oder Erdnusscreme als Brotaufstrich
  • zum Naschen: Müsliriegel, Fruchtschnitten
  • viele kleine Mahlzeiten statt weniger grosser
  • Abwechslungsreichtum steigert Appetit
  • Deko nicht vergessen: das Auge isst mit!

Vorsicht: Kinder nicht "mästen", da sonst ein Umschwung zu Übergewicht droht!

Manche Kinder können ihre Eltern durch ihr ständiges "das mag ich aber nicht" zur Verzweiflung treiben. Alle Versuche, eine gesunde Ernährung auf den Tisch zu bringen, scheitern bei diesen kleinen Verweigerern. Um den Krieg am Tisch zu vermeiden, aber dennoch eine vollwertige Ernährung zu gewährleisten, kann man ein paar Tricks anwenden, mit Hilfe derer die eigentlich abgelehnten Nahrungsmittel dann doch (ohne Zwang) in den kindlichen Magen gelangen können.Tipps gegen lustloses Herumstochern im Essen:

  • das Umfeld muss stimmen (Atmosphäre, Gesellschaft)
  • vorbildhaftes Verhalten der Eltern/Betreuer
  • Zuwendung
  • geregelte Tischzeiten
  • kein Naschen zwischen den Mahlzeiten
  • angemessene Portionsgrössen
  • nicht zum Essen zwingen, wenn das Kind eine Speise nicht mag
  • Mitbestimmung beim Speisezettel
  • öfter mal Lieblingsgerichte anbieten
  • Nachtisch: Obststückchen, Quarkspeisen
  • Speiseplan abwechslungsreich gestalten
  • Einbeziehen der Kinder in die Speisenzubereitung (Pizza selbst belegen etc.)
  • Speisen optisch ansprechend servieren (Auge isst mit)
  • Tischdekoration
  • Spieltrieb nutzen (Finger Food), Essen als Erlebnis gestalten

Hilfe erhalten Sie auch bei den Mütterberatungsstellen. Sie bieten mit dem Projekt www.klemon.ch aktiv Unterstützung für Eltern.


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Letzte Aktualisierung: 04.2016, VZ