Frau arbeitet an Schneiderbüste
Beruf und Karriere | Familie

Mompreneurs - Mama ist die Chefin

Obschon es heute schon fast selbstverständlich ist, dass Mütter berufstätig sind, erleben viele Frauen den Spagat zwischen Familienleben und Arbeitswelt als belastend. Nicht selten haben sie das Gefühl, in der Firma mehr geduldet als gebraucht zu werden, anspruchsvolle Aufgaben werden oft den Mitarbeitern zugeteilt, die kein Problem damit haben, auch mal Überstunden anzuhäufen, was Mütter in der Regel gar nicht können, weil die Krippe ja auch irgendwann schliesst. Anstatt sich für wenig Anerkennung abzumühen und dabei noch das Gefühl zu haben, wichtiges im Leben der Kinder zu verpassen, entscheiden sich Mütter vermehrt dazu, ihre eigene Chefin zu werden und sich selbständig zu machen. Die Palette reicht dabei vom kleinen Nebenerwerb bis zum eigenen Geschäft, das mit der Zeit mehrere Angestellte beschäftigt. Das Internet mit seinen schier grenzenlosen Möglichkeiten, ortsungebunden zu arbeiten und eigene Produkte einem grossen Kundenkreis bekannt zu machen, macht es Frauen leichter, als sogenannte „Mompreneurs“ ihr eigenes Unternehmen aufzubauen. Diese Art der Berufstätigkeit bietet Müttern gewisse Vorteile:

  • Die Möglichkeit, die Arbeitszeiten den Bedürfnissen der Familie anzupassen, sind zwar auch nicht unbegrenzt, aber doch grösser.
  • In einem Gebiet zu arbeiten, das Sie wirklich interessiert, in dem Sie begabt sind und Ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen können, ist sehr befriedigend und stärkt das Selbstbewusstsein.
  • Wer ein Geschäft aufbaut, erwirbt Kompetenzen und Knowhow in Bereichen, mit denen man in einem Angestelltenverhältnis nie in Berührung kommt.
  • Mütter, die ihr eigenes Geschäft haben, können ihren Kindern spannende Einblicke ins Arbeitsleben bieten. Grössere Kinder können bei einfachen Arbeiten auch einmal mithelfen und lernen, Verantwortung im Kleinen zu übernehmen. 

Sich selbständig zu machen ist jedoch kein Spaziergang. Bevor Sie sich voller Elan in das Abenteuer "Selbständigkeit" stürzen, sollten Sie sich bewusst machen, welche Herausforderungen dieser Weg mit sich bringt:

  • Frau ist nicht nur ihre eigene Chefin, sie trägt auch das Risiko, wenn das Geschäft schlechter läuft als erwartet.
  • Selbständig zu sein bedeutet nicht unbedingt, mehr Zeit für die Kinder zu haben, denn auch im eigenen Geschäft sind Sie unabkömmlich, wenn die Arbeit erledigt werden will. Es lässt sich nicht einfach alles auf den Abend verschieben, wenn die Kinder im Bett sind.
  • Auch wer selbständig arbeitet, ist in der Regel auf Fremdbetreuung angewiesen, denn nicht jede Arbeit lässt sich in Anwesenheit der Kinder erledigen. 
  • Selbständig zu sein, bedeutet auch nicht, weniger zu arbeiten. Im Gegenteil, oft arbeitet man sogar mehr. Der Einsatz, der erforderlich ist, um ein eigenes Geschäft zum Laufen zu bringen, ist enorm. Allerdings ist auch die Bereitschaft gross, diesen Einsatz zu leisten.
  • Ein eigenes Geschäft entsteht nicht von heute auf morgen. Bevor Sie loslegen können mit dem, was Ihnen wirklich Freude macht, braucht es viel Projekt- und Gedankenarbeit, die zuweilen auch langweilig und mühsam erscheint. Zudem ist es äusserst wichtig, sich seriös mit rechtlichen Vorgaben, Versicherungsfragen und beruflicher Vorsorge auseinanderzusetzen.
  • Ein eigenes Geschäft bringt immer auch Aufgaben mit sich, die Ihnen vielleicht weniger liegen, oder in die Sie sich erst einarbeiten müssen. Selbständige Arbeit macht also nicht immer nur Spass.
  • In der ersten Zeit arbeiten Sie nicht nur gratis, je nach Geschäft sind ziemlich grosse Anfangsinvestitionen nötig.
  • Nicht jede tolle Idee lässt sich zum florierenden Geschäft entwickeln. Die Frage, ob überhaupt ein Markt besteht für das, was Sie verkaufen möchten, ist deswegen zentral. 
  • Nicht jeder ist der geborene Unternehmertyp. Vieles kann man erlernen, ist es Ihnen aber grundsätzlich zuwider, sich selber zu verkaufen und in eigener Sache Werbung zu machen, dürfte es schwierig sein, erfolgreiche Geschäfte zu machen. 

Wer die Herausforderungen der Selbständigkeit unterschätzt und davon ausgeht, dass von jetzt an die Arbeit nur noch eitel Sonnenschein sein wird, erleidet mit grosser Wahrscheinlichkeit Schiffbruch mit seiner Geschäftsidee. Wer aber bereit ist, Zeit, Geld und Elan in eine Idee zu investieren sowie viel Eigeninitiative und einen langen Atem für die anstrengende Aufbauzeit aufbringt, kann sich sein eigenes, spannendes Arbeitsfeld aufbauen.

Letzte Aktualisierung : 20-04-20, TV / NK

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