Giftschlangen
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Schlangenbisse

Experten-Tipp von Adrienne Surbek, Apothekerin

So vermeiden Sie Schlangenbisse und können giftige von ungiftigen Schlangen unterscheiden. Mit Erste-Hilfe-Tipps sind Sie bestens im Falle eines Schlangenbisses vorbereitet. Ruhig und überlegt ergreifen Sie die richtigen, ersten Massnahmen. Schlangenbisse von Vipern oder Kreuzottern (Giftschlangen) in der Schweiz sind für Erwachsene meist ungefährlich, Kinder benötigen allenfalls ein Gegengift (Antivenin). Zur Beobachtung sollten betroffene Personen bei Bissen von Giftschlangen im Spital 24 Stunden überwacht werden.

Wie gross ist die Gefahr eines Schlangenbisses in der Schweiz?

Verglichen mit Insektenstichen sind Schlangenbisse in der Schweiz selten. Zwei Giftschlagen sind einheimisch: Die Kreuzotter (=Vipera berus) und die Aspisviper (=Vipera aspis). Zu einzelnen Bissverletzungen kommt es jedes Jahr.

Wie unterscheidet man giftige und ungiftige Schlangen?

Giftschlangen unterscheiden sich von den ungiftigen - wie z.B. den einheimischen Nattern - durch die Pupillenform. Die giftigen Vipern haben vertikale Spaltpupillen (wie Katzen), während die ungiftigen Nattern runde Pupillen aufweisen. Die Vipern sind kleiner und ihr Körper ist gedrungener. Eine Schlange, die länger als 90 cm ist, ist sie mit Sicherheit ungiftig. Einheimische Vipern sind alle kleiner.

Die Aspisviper ist eine Schlangenart mit vielseitigem Aussehen. Es gibt beträchtliche Unterschiede in der Färbung (grau, braun oder schwarz) und der Beschuppung. Unterschiede existieren nicht nur regional, sondern auch unter den einzelnen Tieren. Typischerweise sind auf dem Rücken zahlreiche schwarze Flecken sichtbar, einzeln oder in der Form einer Zickzacklinie.

Die Kreuzotter ist weniger vielfältig und zeigt auf dem Rücken eine regelmässige Zickzacklinie und eine Reihe dunkler Flecken entlang beider Seiten. In den Bergregionen beträgt die Länge durchschnittlich 50-55 cm. Exemplare in den Ebenen sind ungefähr 10 cm länger.

Wo leben Giftschlangen in der Schweiz?

Das Verbreitungsgebiet der Aspisviper in der Schweiz umfasst die Alpensüdseite (Tessin und südliche Bündner Täler), die Alpen, westlichen Voralpen (VS, VD, FR, BE), den Südwesten des Landes (Rhone Tal, Genferseegebiet), sowie die Jurakette (von Genf bis auf die Höhe von Brugg am linken Aare Ufer).

In der Schweiz kommen Kreuzottern hauptsächlich nördlich der Alpen vor, mehrheitlich in den östlichen Regionen. Weit verbreitet sind sie in den Kantonen Schwyz, Uri, St. Gallen und vor allem in den Kantonen Glarus und Graubünden. Im Juramassiv ist die Kreuzotter sehr selten, wenn überhaupt in dem der Romandie zugehörigen Gebiet. Im Mittelland findet man Kreuzottern nur im Kanton Zürich.

Wissenswertes über Schlangen

Wichtig: Vipern sind nicht aggressiv und greifen Menschen niemals an. Sie flüchten, sobald sich ein Mensch ihnen nähert. Fühlen sich die Tiere jedoch angegriffen, können sie beissen. Die beiden in der Schweiz lebenden Vipern Arten, die Kreuzotter und Aspisviper besitzen einen hochentwickelten Giftapparat. Die beiden frontalen Giftzähne sind beweglich und stellen sich beim Biss auf. Das Gift tritt durch eine Öffnung an deren Spitze aus.

Wie vermeidet man Schlangenbisse?

Schlangen reagieren auf Bewegungen. Sie haben keine Ohröffnungen und sind taub. Schlangen sind scheue Tiere und wehren sich nur durch Zischen und Beissen in Notlage. Sie schlüpfen zum Schutz vor Feinden in Ritzen, unter Steine, Blech-, Stein- und Eternitplatten, unter Holz- und Steinhaufen oder Bruchsteinmauern. Auffällige Bewegungen eines Menschen veranlassen die Tiere zur Flucht. Nähern sich Schlangen einem Menschen, haben sie diesen nicht bemerkt. Dies kommt häufig zur Paarungszeit vor. Schlangen sind meist bei feuchtwarmem Wetter unterwegs - etwa Mitte Februar bis Mitte Oktober. Bei Regen, Hitze, Trockenheit oder Kälte ziehen sie sich in ihren Schlupfwinkeln zurück.

Verlauf von Vergiftungen durch Schlangenbisse

Die Symptome verursacht durch einen Schlangenbiss sind unterschiedlich. Der Schweregrad der Vergiftung hängt von der Bissstelle, der injizierten Giftmenge, der Giftaktivität, sowie dem Gesundheitszustand und Alter der betroffenen Person ab. Stets sollte nach einem solchen Ereignis eine 24-stündige Überwachung im Spital erfolgen.

Erste Hilfe bei Schlangenbissen

Ruhe bewahren und Unfallopfer beruhigen: Das Gift entfaltet erst nach mehreren Stunden seine volle Wirkung. Daher bleibt genügend Zeit, um medizinische Hilfe zu holen.

  • Bei Schwindel oder Bewusstlosigkeit: Patienten in Rücken- oder stabile Seitenlage bringen. Betroffene Gliedmasse ruhigstellen: So verzögern Sie die Verbreitung des Giftes im Körper.
  • Bei einem Biss in die Hand: Legen Sie den Arm in eine Schlinge. Entfernen Sie Ringe und Armbänder.
  • Bei einem Biss in das Bein oder den Fuss: Legen Sie eine Schiene an (z.B. mit Brettern oder Ästen anfertigen).

  • Desinfizieren
  • Bei Bewusstlosigkeit: Patient in stabiler Seitenlage lagern.
  • Bei Schock: Schocklagerung, dh den Kopf tiefer als den Körper lagern.
  • Transport: Patient danach möglichst in Liegeposition ins nächste Spital oder zum Arzt transportieren.
  • Bei bekannter Allergie auf Schlangenbisse: Stellt sich ein Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit innert Minuten ein, verabreichen Sie ein Notfallmedikament (z.B. Epipen).
  • Allgemein: Vermeiden Sie möglichst Bewegungen, da Muskelkontraktionen eine raschere Giftausbreitung bewirken.
  • Beim Transport schonen Sie den Patienten oder rufen am besten die Ambulanz.
  • Tauchen innert den ersten sechs Stunden keine Symptome (lokal oder systemisch) auf, kann davon ausgegangen werden, dass keine relevanten Giftmengen in den Körper gelangten.
  • Der Patient gehört sicherheitshalber immer für eine 24-Stunden-Überwachung ins Spital.

Folgenden Massnahmen bei Schlangenbissen unbedingt vermeiden

  • Druck- und Stauverbände: Das Abbinden mit Schnüren und ähnlichen kann zu schweren Schäden der betroffenen Gliedmasse oder gar zu deren Verlust führen.

  • Manipulationen an der Bisswunde ausser einer guten Desinfektion sollten unbedingt unterlassen werden: Eisbehandlung, Aussaugen der Bissstelle, Einschneiden oder Druck an der Bisswunde.
  • 
Flössen Sie dem Patienten keinen Alkohol ein.

  • Injektion von Schlangengegengift (Antiveninen) unbedingt unterlassen. Diese dürfen nur vom Arzt verabreicht werden! Bei Bissen durch europäische Vipern wird eine Antiserumtherapie sehr restriktiv gehandhabt. Erwachsene überleben solche Bisse praktisch immer, bei Kindern kann eine Antiserumtherapie jedoch notwendig sein.

Quelle: Koordinationsstelle für Amphibien- & Reptilienschutz in der Schweiz (karch) und TOX Info Suisse Merkblatt "Schlangen, was tun?"

Letzte Aktualisierung : 22-07-19, AS

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