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                              Me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung für die Al­ler­jüngs­ten: Die Neo­na­to­lo­gie des Kan­tons­spi­tals Aar­au be­treut früh­ge­bo­re­ne Kin­der

                              Die Zwil­lin­ge Die­go und Luca ka­men in der 24. Schwan­ger­schafts­wo­che per Kai­ser­schnitt zur Welt. Dank der so­for­ti­gen Ver­le­gung auf die Neo­na­to­lo­gie Le­vel III des KSA konn­ten ihre Le­ben ge­ret­tet wer­den.

                              Als es ganz kritisch wurde, liessen die Eltern Herzensbilder machen (Foto: ZVG)

                              Strei­te­rei­en, hek­ti­sche Spiel­pha­sen oder Ge­schrei: Was vie­le Müt­ter und Vä­ter an den Rand der Ver­zweif­lung bringt, ge­nies­sen die El­tern von Die­go und Luca ganz be­wusst. Denn dass die Zwil­lin­ge im Ja­nu­ar 2022 ih­ren drit­ten Ge­burts­tag fei­ern dür­fen, ist al­les an­de­re als selbst­ver­ständ­lich.

                              Vik­to­ria fing ge­ra­de an, ih­ren Nest­bau­trieb aus­zu­le­ben und sich auf die ver­blei­ben­den Mo­na­te der bis­her un­pro­ble­ma­ti­schen Schwan­ger­schaft zu freu­en, als in der Wo­che 24 2/7 ein vor­zei­ti­ger Bla­sen­sprung ein­trat. Zwei Tage spä­ter wur­den die Ba­bys am Kan­tons­spi­tal Aar­au (KSA) per Not­kai­ser­schnitt zur Welt ge­bracht. Die­go wog 570 Gramm, der jün­ge­re Luca 480 Gramm. Für die El­tern be­gann eine emo­tio­na­le Ach­ter­bahn­fahrt. 

                              Bei­de Kin­der muss­ten nach der Ge­burt so­fort in­tu­biert und auf die neo­na­to­lo­gi­sche In­ten­siv­sta­ti­on des KSA ver­legt wer­den. Die­go und Luca wur­den lan­ge Zeit ma­schi­nell be­atmet; bei ei­nem Kind kam es am drit­ten Le­bens­tag zu ei­ner Ver­schlech­te­rung mit aus­ge­präg­ter Lun­gen­blu­tung. Da­nach war sei­ne Be­atmungs­si­tua­ti­on ei­ni­ge Tage lang kri­tisch, be­vor eine Ver­bes­se­rung ein­trat. Wäh­rend ih­rer Zeit auf der In­ten­siv­sta­ti­on muss­te den Zwil­lin­gen mehr­fach Blut trans­fun­diert wer­den, ein Baby be­nö­tig­te eine er­wei­ter­te, me­di­ka­men­tö­se Kreis­lauf­un­ter­stüt­zung so­wie eine me­di­ka­men­tö­se The­ra­pie zum Ver­schluss des Duc­tus (die Ver­bin­dung zwi­schen Lun­gen­ar­te­rie und Aor­ta, die nach der Ge­burt von selbst zu­ge­hen soll­te). Bei bei­den Zwil­lin­gen er­folg­te der Nah­rungs­auf­bau via Vene, par­al­lel dazu wur­de Mut­ter­milch über eine Son­de in den Ma­gen ge­lei­tet. Da die Darm­funk­ti­on des ei­nen Kin­des sehr schlecht war, muss­te die Nah­rungs­auf­nah­me je­doch zwi­schen­zeit­lich un­ter­bro­chen wer­den. Aus­ser­dem be­nö­tig­ten bei­de Brü­der meh­re­re An­ti­bio­ti­ka-Be­hand­lun­gen we­gen In­fek­ten. 

                              Diego und Luca machen ständig Fortschritte (Foto: ZVG)

                              Ein täg­li­ches Auf-und-ab

                              «Es war ein täg­li­ches, manch­mal so­gar stünd­li­ches Auf-und-ab. Ein­mal war der Zu­stand der Kin­der sta­bil, dann kehr­te es, und manch­mal sah es ganz schlimm aus», be­schreibt der Va­ter den acht­wö­chi­gen Auf­ent­halt der Zwil­lin­ge auf der neo­na­to­lo­gi­schen In­ten­siv­sta­ti­on. Wäh­rend die­ser be­las­ten­den Zeit er­fuh­ren die El­tern viel Un­ter­stüt­zung durch die Fach­spe­zia­lis­ten des KSA. «Wir fühl­ten uns sehr gut auf­ge­ho­ben. Be­son­ders ge­schätzt ha­ben wir die Ge­sprä­che mit den Ärz­ten, die die je­wei­li­ge Si­tua­ti­on im­mer of­fen und ehr­lich ge­schil­dert und uns nie fal­sche Hoff­nun­gen ge­macht ha­ben», sagt die Mut­ter. Auch das Pfle­ge­per­so­nal habe sich in­ten­siv um sie ge­küm­mert. «Als der Zu­stand der Kin­der am kri­tischs­ten war, ha­ben wir die Hil­fe ei­nes Seel­sor­gers an­ge­nom­men», er­klärt Vik­to­ria. Auf An­ra­ten des KSA hät­ten sie sich zu­dem für eine Not­tau­fe der Zwil­lin­ge ent­schie­den, aus­ser­dem lies­sen sie so­ge­nann­te Her­zens­bil­der zur Er­in­ne­rung ma­chen. Auch psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­stüt­zung sei ih­nen durch das KSA an­ge­bo­ten wor­den, die­se hät­ten sie schluss­end­lich je­doch nicht in An­spruch ge­nom­men. 

                              Die­go und Luca wa­ren fast 18 Wo­chen lang im Spi­tal, be­vor ihr Zu­stand so sta­bil war, dass sie nach­hau­se durf­ten. Wäh­rend die­ser Zeit ent­wi­ckel­ten die El­tern Stra­te­gi­en, um wei­ter funk­tio­nie­ren und für die Zwil­lin­ge da sein zu kön­nen. Hilf­reich sei ge­we­sen, dass sie den Zeit­punkt der Ge­sprä­che mit den Ärz­ten des KSA selbst wäh­len und auch ein­mal ei­nen Ter­min ver­schie­ben konn­ten, wenn die Be­las­tung zu gross wur­de. Aus­ser­dem hät­ten sie ei­nen Ka­len­der ge­führt, in dem sie je­den Tag, den die Ba­bys ge­schafft hät­ten, ab­kreu­zen und Mei­len­stei­ne ein­tra­gen konn­ten. Dies sei ein­fach, aber sehr wirk­sam ge­we­sen. Um nicht stän­dig alle An­ge­hö­ri­gen, Freun­de und Be­kann­te über den Zu­stand von Die­go und Luca auf­da­tie­ren zu müs­sen, hät­ten sie zwei Per­so­nen be­stimmt, die re­gel­mäs­sig in­for­miert und zu An­sprech­part­nern für alle an­de­ren wur­den. 

                              El­tern, die sich in ei­ner ähn­li­chen Si­tua­ti­on be­fin­den, rät Vik­to­ria, Zeit und En­er­gie für sich selbst zu nut­zen. «In so ei­ner Pha­se kann man nicht noch je­dem Freund oder Fa­mi­li­en­mit­glied ge­recht wer­den. Statt­des­sen soll­te man an­ge­bo­te­ne Hil­fe an­neh­men oder da­nach fra­gen – Zeit für all­täg­li­che Din­ge wie Ko­chen oder Ein­kau­fen bleibt ei­nem näm­lich nicht.» 

                              Auch die zwei­ein­halb­jäh­ri­ge Pe­ri­ode der Nach­be­treu­ung habe viel Kraft ge­kos­tet: Ne­ben Ängs­ten und Sor­gen sei sie mit un­zäh­li­gen Ter­mi­nen beim Neu­ro­lo­gen, Kar­dio­lo­gen, Au­gen­spe­zia­lis­ten, Er­näh­rungs­ex­per­ten und Kin­der­arzt ver­bun­den ge­we­sen. Dazu sei­en phy­sio­the­ra­peu­ti­sche und heil­päd­ago­gi­sche Be­hand­lun­gen so­wie eine Helm­the­ra­pie ge­kom­men. 

                              Heu­te, fast drei Jah­re nach der Ge­burt, geht es den Zwil­lin­gen gut. Dank kon­ti­nu­ier­li­cher För­de­rung ma­chen sie stän­dig Fort­schrit­te. Die­se sind für die Fa­mi­lie sehr emo­tio­nal. «Mei­len­stei­ne wie das ers­te Dre­hen oder Sit­zen wa­ren für uns rie­sen High­lights. Und beim ers­ten Schritt von Die­go und Luca hat­ten wir je­weils Trä­nen in den Au­gen», er­zählt Vik­to­ria.

                              Neo­na­to­lo­gie KSA

                              Die Ärzte und Pflegenden der Neonatologie am Kantonsspital Aarau kümmern sich um Neugeborene und Kinder, die vor dem Geburtstermin auf die Welt gekommen sind. Aarau gehört zu den neun Spitälern der Schweiz, in denen auch extrem frühgeborene Kinder ab Schwangerschaftswoche 24 0/7 oder 16 Wochen vor dem Geburtstermin medizinisch gut versorgt werden können. Die Abteilung verfügt über einen Auftrag zur hochspezialisierten Medizin und darf aufgrund des von der FMH/SIWF verliehenen Ausbildungsauftrags Fachärzte im Schwerpunkttitel Neonatologie gleichwertig zu den Universitätsspitälern weiterbilden.

                              Das KSA verfügt über eine neonatologische Intensivstation und arbeitet eng mit der Klink für Geburtshilfe zusammen. Im gemeinsamen Perinatalzentrum werden Freuen mit Risikoschwangerschaften vor und nach der Geburt begleitet. Ein gut ausgebildetes Team aus Fachärzten und spezialisiertem Pflegepersonal kümmert sich rund um die Uhr um Mutter und Kind.

                              «Pro­ble­me beim Kind kön­nen im­mer auf­tre­ten»

                              KD Dr. med. Phil­ipp Mey­er, Chef­arzt der Neo­na­to­lo­gie am Kan­tons­spi­tal Aar­au, über er­war­te­te und nicht er­war­te­te Kom­pli­ka­tio­nen bei der Ge­burt und die op­ti­ma­le Un­ter­stüt­zung für den Start ins Le­ben.

                              Wel­che Vor­tei­le hat es, wenn ein Spi­tal nicht nur über eine Ge­burts­kli­nik, son­dern auch über eine Neo­na­to­lo­gie ver­fügt?

                              KD Dr. med. Phil­ipp Mey­er: Pro­ble­me beim Kind nach der Ge­burt kön­nen im­mer auf­tre­ten. Wenn eine Neo­na­to­lo­gie nahe ist, sind ent­spre­chend aus­ge­bil­de­te Spe­zia­lis­ten ver­füg­bar. Wenn wie am KSA eine Neo­na­to­lo­gie Le­vel III – also eine Neo­na­to­lo­gie der höchs­ten Ver­sor­gungs­stu­fe – ver­füg­bar ist, ist si­cher eine 24/365 Ver­füg­bar­keit von er­fah­re­nen Neo­na­to­lo­gen ge­währ­leis­tet, da die­se im­mer vor Ort sind. In ei­ner Le­vel III Neo­na­to­lo­gie wer­den Kin­der ab 23-24 Schwan­ger­schafts­wo­chen – also die kleins­ten Pa­ti­en­ten über­haupt – be­treut. Die­se Ab­tei­lun­gen sind für alle Pro­ble­me ge­rüs­tet. Da­von pro­fi­tie­ren Kin­der, die nach der Ge­burt – er­war­tet oder un­er­war­tet – Pro­ble­me ha­ben und Un­ter­stüt­zung brau­chen.

                              Was ra­ten Sie Müt­tern, die eine Haus­ge­burt oder eine Ge­burt in ei­nem Ge­burts­haus vor­zie­hen?

                              Dies soll­ten sie nur ma­chen, wenn es eine voll­kom­men un­pro­ble­ma­ti­sche Schwan­ger­schaft ohne jeg­li­che «Be­son­der­hei­ten» ist. Dann spricht nichts da­ge­gen, wenn dies der drin­gen­de Wunsch ist. So ist auch die Re­gel im Ge­burts­haus KSA. Alle an­de­ren Si­tua­tio­nen pro­fi­tie­ren von der Ver­füg­bar­keit von mehr Mög­lich­kei­ten und die­se kom­men dann dem Kin­de zu Gute.

                              Und was müs­sen wer­den­de El­tern über po­ten­ti­el­le Kom­pli­ka­tio­nen bei der Ge­burt wis­sen?

                              Kom­pli­ka­tio­nen sind re­la­tiv sel­ten, wenn vor­her al­les «un­auf­fäl­lig» war. Al­ler­dings ist es eine Tat­sa­che, dass 10 Pro­zent al­ler Kin­der nach der Ge­burt eine Form von ak­ti­ver Un­ter­stüt­zung in den Start ins Le­ben brau­chen. Dies muss nicht un­be­dingt eine Hos­pi­ta­li­sa­ti­on auf ei­ner Neo­na­to­lo­gie be­deu­ten, aber es soll­te je­mand vor Ort sein, der dar­in aus­ge­bil­det ist, die Kin­der zu un­ter­stüt­zen. Wenn Kom­pli­ka­tio­nen auf­tre­ten, kön­nen die­se sehr schnell sehr be­deu­tend für das Kind wer­den. Da­her ist es wich­tig, dass recht­zei­tig, rich­tig re­agiert wird. Hier muss die hohe Fach­kom­pe­tenz vor­han­den sein. Wer per­sön­lich wie­viel Si­cher­heit möch­te, ist in­di­vi­du­ell un­ter­schied­lich, aber die Mei­nung und das Be­dürf­nis des Kin­des – das sich ja nicht äus­sern kann –  be­züg­lich Si­cher­heit soll­te im Auge be­hal­ten wer­den. Es spricht nichts ge­gen eine na­tür­li­che Ge­burt und eine per­sön­lich pas­sen­de Um­ge­bung, bei ent­spre­chend nied­ri­ger Ri­si­ko­kon­stel­la­ti­on, aber fal­scher Zweck­op­ti­mis­mus in der fal­schen Si­tua­ti­on kann ver­hee­rend sein. 

                              Das KSA verfügt über eine Neonatologie Level III (hier ein Rendering des geplanten Neubaus).
                              Letzte Aktualisierung: 03.12.2021, swissmom Content Creation
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