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Darf man Kin­der ve­gan er­näh­ren oder ist das ver­ant­wor­tungs­los?

Bei der ve­ga­nen Er­näh­rung  wird völ­lig auf tie­ri­sche Nah­rungs­mit­tel ver­zich­tet. Wie bei der ve­ge­ta­ri­schen Er­näh­rung ist Fleisch tabu, zu­sätz­lich aber auch Milch und alle Milch­pro­duk­te, Fisch, Eier, Ho­nig und Ge­la­ti­ne. Rein wis­sen­schaft­lich ge­se­hen ist „ve­gan“ kei­ne art­ge­rech­te Er­näh­rung für Men­schen. Ge­biss und Ver­dau­ungs­trakt sind auf Misch­kost aus­ge­legt, auf viel Obst und Ge­mü­se und we­nig Fleisch und tie­ri­sche Pro­duk­te. Pro­ble­ma­tisch ist rein das „Zu­viel“ an tie­ri­schen Fet­ten und Ein­fach­zu­ckern. Me­di­zi­nisch hat ve­ga­ne Er­näh­rung kei­ne Ba­sis.

In der Schweiz le­ben heu­te rund 80.000 Men­schen ve­gan. Ein Vor­teil der ve­ga­nen Er­näh­rung ist, dass die tie­ri­schen Fet­te weg­fal­len, die den Grund­stein zur Ar­te­rio­skle­ro­se le­gen. Und weil ve­ga­ne Kost kei­ne über­schüs­si­gen Ka­lo­ri­en ent­hält, sinkt das Ri­si­ko für Über­ge­wicht. Pflanz­li­che Er­näh­rung lie­fert zu­dem reich­lich ge­sun­de Bal­last­stof­fe, Vit­ami­ne, se­kun­dä­re Pflan­zen­stof­fe und Spu­ren­ele­men­te.

Der ver­meint­lich ge­sun­de Le­bens­stil kann aber ge­fähr­lich sein. Des­halb rät die Schwei­ze­ri­sche Ge­sell­schaft für Er­näh­rung (SGE) grund­sätz­lich da­von ab, Ba­bys und Kin­der ve­gan zu er­näh­ren. Auch die Deut­sche Ge­sell­schaft für Er­näh­rung (DGE) hat auf ih­rer Home­page eine de­tail­lier­te Stel­lung­nah­me ver­öf­fent­licht. „Für Schwan­ge­re, Stil­len­de, Säug­lin­ge, Kin­der und Ju­gend­li­che wird eine ve­ga­ne Er­näh­rung von der DGE nicht emp­foh­len. Wer sich den­noch ve­gan er­näh­ren möch­te, soll­te dau­er­haft ein Vit­amin-B12-Prä­pa­rat ein­neh­men, auf eine aus­rei­chen­de Zu­fuhr der kri­ti­schen Nähr­stof­fe ach­ten und ge­ge­be­nen­falls an­ge­rei­cher­te Le­bens­mit­tel und Nähr­stoff­prä­pa­ra­te ver­wen­den.“ .

Vor al­lem die Ver­sor­gung mit Ei­sen, Cal­ci­um, Jod, Vit­amin D und Vit­amin B12 ist nicht aus­rei­chend ge­währ­leis­tet. Vit­amin B12 ist le­bens­not­we­nig für die DNA-Syn­the­se und die Zell­tei­lung und es kommt prak­tisch nur in Nah­rungs­mit­teln tie­ri­scher Her­kunft vor, in Fisch, Fleisch, Milch­pro­duk­ten und Ei­ern. Ovo-Lac­to-Ve­ge­ta­ri­er ha­ben kein Pro­blem. Wer Milch, Käse und Eier kon­su­miert, hat Vit­amin B12 auf dem Spei­se­plan. Ve­ga­ner müss­ten den Be­darf über fer­men­tier­te Le­bens­mit­tel de­cken, über Soja, Sauer­kraut und Bier. Das ist für Er­wach­se­ne schwer, für Kin­der prak­tisch un­mög­lich.

Fol­gen ei­nes Man­gels die­ser wich­ti­gen Nah­rungs­be­stand­tei­le könn­ten Stö­run­gen der Blut­bil­dung (An­ämie) , Wachs­tums­ver­zö­ge­rung durch En­er­gie-Pro­te­in-Man­gel­er­näh­rung, psy­cho­mo­to­ri­sche Ein­schrän­kun­gen beim Lau­fen oder Spre­chen und teil­wei­se ir­rever­si­ble neu­ro­lo­gi­sche Stö­run­gen wie geis­ti­ge Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­run­gen durch Jod­man­gel sein.

Bei  ge­sun­den Er­wach­se­nen, die sich be­wusst, aus­ge­wo­gen und ab­wechs­lungs­reich ve­gan er­näh­ren, kann das aus­ge­gli­chen wer­den. Bei Kin­dern ge­lingt dies nur mit sehr gu­ten Kennt­nis­sen im Ge­halt und der Zu­be­rei­tung von Nah­rungs­mit­teln und gros­sem Auf­wand. Ge­mü­se, Obst, Ge­trei­de, Sa­men und Nüs­se müs­sen sorg­fäl­tig kom­bi­niert wer­den, um den Kör­per mit al­len wich­ti­gen Nähr­stof­fen zu ver­sor­gen, was aber im all­ge­mei­nen nicht un­se­ren mit­tel­eu­ro­päi­schen Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten ent­spricht. Ein Bei­spiel: Die Kom­bi­na­ti­on von Hül­sen­früch­ten mit Ge­trei­de.

Fast im­mer müs­sen Le­bens­mit­tel mit Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln an­ge­rei­chert wer­den, um dem Nähr­stoff­be­darf des klei­nen Or­ga­nis­mus zu ent­spre­chen – was nur in den we­nigs­ten Fäl­len mög­lich sein wird. Die Kin­der­spi­tä­ler in Zü­rich, Aar­au, Ba­sel und St. Gal­len be­han­deln jähr­lich ein Dut­zend falsch ve­gan er­nähr­ter Ba­bys und Kin­der mit den oben ge­nann­ten gra­vie­ren­den Man­gel­er­schei­nun­gen.

Bei ve­gan er­nähr­ten Ba­bys und Klein­kin­dern soll­te jähr­lich eine Kon­trol­le der Blut­wer­te für wich­ti­ge Vit­ami­ne und Mi­ne­ral­stof­fe er­fol­gen, wie Vit­amin B12, Holo-Trans­co­ba­l­a­min und Ho­mo­cystein, Ei­sen, Zink, Kal­zi­um, Jod, Vit­amin B2 und Ome­ga-3-Fett­säu­ren. Ent­spre­chen­de Er­näh­rungs­zu­sät­ze kön­nen je nach Re­sul­tat sinn­voll sein. Die Ver­sor­gung mit Vit­amin D kann in den son­ni­gen Mo­na­ten durch häu­fi­ge Auf­ent­hal­te im Frei­en und im Win­ter durch Gabe von Sup­ple­men­ten ge­för­dert wer­den.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen:


Letzte Aktualisierung: 03.03.2020, BH
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