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Wit und breit, fast überall

Wit und breit, fast überall

Wit und breit, fast überall,
Brichte d Lüt vom Ämmetal;
Doch a das tuet niemer dänke,
Wie sie z Langnau d Geisse hänke.
Wär no nüt weiss vo der Gschicht,
Los jitz uf mi Bricht.

Scho im grauen Altertum
Hei sie z Langnau gha dä Ruehm;
Doch vo däm wott i nit stürme,
's gäb ja notti nume z mürme;
Nei, mis Gschichtli isch ganz neu,
Glaubet's uf mi Treu!

Im Äschschache z Langnau inn
Chunnt es ere Geiss i Sinn,
Sie well ga nes Frässe sueche,
Chlätteret an es Öschli ueche,
Reckt u ma schier nit derzue
U tuet grüsli gnue.

Wo sie ärstig dra isch gis,
Rütscht du ds Pörtli mit eren i;
I der Grippele blibt sie hange,
Zablet grad wie a're Zange,
U vor luter Angst und Weh
Schrei sie: Meh-e-eh!

Wo-n-es bal isch mit eren us,
Chunnt der Weibel z Chammershus
Über d Matte düre g'gange,
Gseht die Geiss da obe hange,
Däicht: Möcht i chli besser gah,
Abe wett se lah.

Är lauft gäge-me Hüsli zue!
"Luegit dert die Langnau-Chue!
Gaht se gschwind ga ahemache,
Süst vernäh de d Lüt die Sache,
U mir müesse Gross u Chli
Früsch Geisshänker si.

I will hocke, dihr müesst gah
Üse Schild ga ahelah!" -
Druf si sie gar grüsli gsprunge,
Hei im letschte Zug sie funge.
Hätt's der Weibel nit gregiert,
Sie wär gwüss grebiert.

Über das Lied

(Geisshänkerlied)

Von Schlosser Christian Wiedmer (1808 - 1857) anfangs der vierziger Jahre als Spottlied der Signauer auf die Langnauer verfasst. Beispiel der früher sehr häufigen Ortsneckereien in Liedern.

Die Singweise ist die (etwas vereinfachte) von "Morge früeh, eh d Sunne lacht".

 

Str. 6, Früsch: von Neuem; denn der Name "Geisshänker" war den Langnauern schon früher angehängt worden; üse Schild = Wahrzeichen.

 

 

 

Quelle: Im Röseligarte, Schweizerische Volkslieder