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Üsen Ätti, dass er täti

Üsen Ätti, dass er täti
Mit dem Chueli und dem Stierli
Vo das ganze Ländeli stah.
- Juh sasa, sasa, sa!
Är cha Chübeli, Bräntli mache,
's brucht e Ma zu sölige Sache!
Dr Ätti isch gar e brave Ma,
Wie men eine finde cha.
- Juh sasa, sasa, sa!

Schribe, Läsen und das Wäse
U die Rächnigchunst chan er o mit Gunst;
Isch er nit e gstudierte Ma?
Chöntt i wie mit Ätti schribe,
Wett nit lang meh ledig blibe;
So wie mi Ätti wett i's ha,
's wurd mer äntli au so gah.

"Bueb, nimm ds Bräntli, ganz i ds Äntli!
Nimm ds schwarz Chuehli, trib's zum Ueli,
Du muest aber tugeli tue!
Es tuet's brönne, -n-es tuet's stäche,
Ds Üterli wott ihm schier zerbräche,
's tuet ihm fri so grüseli weh!
Gäll, du hest no nüt so gseh!

Bueb, chumm abe us em Gade,
Muest mer jetz es Fusterli mache.
D Milch u d Nidle dri-ine z tue.
Wenn de's rächt chast z'sämme tribe,
Will i di de au la wibe,
Du hest mer viel z es hitzigs Bluet,
Tuest mer notti nit meh guet."

"Ätti, nei, will's no la blibe,
Will für einist no nit wibe,
Will no nit zum Pfarrer gah;
D Buebe süst mir de alli säge,
Müess es Wiegeli zuehe lege,
Müessi no zum Pfarrer gah,
Dass er mi will wibe lah.

Hie vom Gade grad vor abe,
Vo mim Stüehli, grad vor use
Lueg i dört mim Liebli zue.
's tuet mer gar chlini Äugli mache,
's tut mer gar früntli, früntli lache;
Bin i scho nume 's Ättis Bueb,
Däich mi Teil u lach derzue!"

Über das Lied

(Kühreihen der Entlebucher)

Zuerst bezeugt von Karl Spazier in seinen "Wanderungen durch die Schweiz", Gotha 1790, Anhang (Text und Melodie mangelhaft wiedergegeben); dann bei Wyss Nr. 8, dessen Melodie wir folgen. Der Text wird sehr verschieden überliefert, am gleichmässigsten in Strophe 1 - 3, die wir nach dem Schweizer Liederbuch geben, während Strophe 4 - 6 nach der einzigen metrisch brauchbaren Fassung im  "Gedenkblatt an das eidg. Schwingfest in Bern 1887" (Bern, P. Haller 1887)  dargeboten werden. Aber auch in dieser Form machen sie nicht in allen Teilen den Eindruck des Echten.

Mit anderer Singweise gibt Gassmann das Lied (aus Schüpfheim) im Archiv XI.

 

"Das er tätit - stah", Wunschsatz mit "dass", früher sehr häufig, vgl. Dass Gott erbarm u. dgl.

 

Str. 3, Äntli: vermutlich ein Flurname, vgl. Entlibuch, die Entlen (Zufluss der Emme).

 

 

Quelle: Im Röseligarte, Schweizerische Volkslieder