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Es isch kei sölige Stamme

Es isch kei sölige Stamme

Es isch kei sölige Stamme
Oweder der Chüejerstand.
We de der Meien isch vorhange,
So fahre die Chüejer z Alp.

Der Meien und der isch komme,
Die Chüejer gahn uf e Bärg.
Bhüet Gott mir alli mini Fromme,
Dass heines mer gräss der Bär!

Dere Bärner-Herre Bärge
Liege dinnen im Ämmetal;
D Steimöser und no die Breitärge
Si die besten überall.

Die nieder und mittlist Bärge
Si alli gar hoch im Pris.
Dört hei sie bravi Chüejer,
Sie mache gar gueti Spis.

Dört uf den obere Bärge,
Dört geit gar mängi Chueh.
Die Bärge si wohl izuunet,
Die Chüejer hei Sorg derzue.

Die Herre hei bravi Senne,
Sie wei brav Senne ha,
Sie tüe's ihnen ordeli gönne
Wenn sie cheu druffe bstah.

Die Herre si nit wie d Bure,
Sie si so gar schlimmi Lüt;
Wenn me sie öppe wil belure,
Sie trauen i ds künftig nüt.

O du mi loubi Schilte,
Derzue der Räme-Mutz,
Der Zingel und der Gäbel
Gänd mir viel Chuchischmutz.

Die Bruni und die Rösse,
Dieselben rächnen i nit;
Sie gänd viel Milch und Nidle,
O das isch für ander Lüt.

Das Liedli han i gsunge
De Chüejere nit zum Trutz:
I wünsch', es sig mer wohl glunge,
U bringi ihne viel Nutz.

Über das Lied

(Lied der Emmentaler)

Nach Prof. Studer "der Grossvater alles Kühreigen". Erk-Böhme III, will das Lied im Umfang von 30 Strophen aus einem fliegenden Blatt, das um 1785 gedruckt wäre, kennen. Gleich viel Strophen enthält ein mir bekannter, aber sehr fehlerhafter und inhaltlich meist öder Text aus einem fliegenden Blatt (vermutlich des 18. Jahrhdts.) im Besitz von Prf. Dr. E. Müller in Langnau: "Vier weltliche Schöne neue Lieder. Gedruckt in diesem Jahr". In dieser Fassung besteht das Lied grösstenteils in einer Aufzählung von "Bergen" (Kühweiden) des Emmentals; die Sprachform ist ein verunglücktes Schriftdeutsch, das die mühselige Übersetzung aus der Mundart verrät.

Wyss Nr. 6 gibt den Text nur in 14 Strophen, aber in guter Mundart: ebenso ein Abdruck von 1837 im "Gedenkblatt an das eidg. Schwingfest in Bern", dessen 14 Strophen aber vielfach von Wyss abweichen. Vgl. auch L. Tobler II,  und Kurz, "Ältere Dichter. Schlacht- und Volkslieder, 1860).

Bei der schlechten Überlieferung des Textes war ich genötigt, das Brauchbarste aus verschiedenen Fassungen zusammenzutragen und die Sprachform, im Anschluss an Wyss, einheitlich zu gestalten. So stammen die Strophen 1, 2, 3, 6, 7, 10 ziemlich unverändert aus Wyss, die übrigen aus dem erwähnten fliegenden Blatt von Prf. Müller. Die Melodie, ein interessantes Altertum, aus Wyss Nr. 6.

 

Str. 1, Oweder aus ohn(e) weder = ausser; ohne ô häufig nach Superlativen z.B.: der Chlinst  o sächs (der Kleinste von sieben!); vorhange: vorhanden, da

Str. 2, Fromme: nämlich die Kühe

Str. 7, belure: bestehlen, betrügen

Str. 8, Schilte: Kuh mit schiltdachförmigem Fleck. - Räme-Mutz; Kuh mit schwarzen Querstreifen (bräämt), Mutz: mit gestumpften, gestutzten Hörnern; Zingel: Kuh mit gürtelförmigen Farbstreifen (lat. cingulum); Gäbel: mit gabelförmigen Hörnern.

Str. 9, Rösse: die sich durch rössen (röze) auszeichnet.

 

 

Quelle: Im Röseligarte, Schweizerische Volkslieder