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Es chunnt es Meiteli hurtig här

Es chunnt es Meiteli hurtig här,
As wenn es i luteren Ängste wär.

Es geit dür ds Täli wohl uf und ab,
Es fragt a der Gassen e junge Chnab:

"Wo düren ist üsi schwarzbruni Chue?"
- "Sie ist gägen Unterwalde zue."

"Mit Underwalde muesst mer nit cho.
Es hei mer se lustigi Buebe gno."

"Die lustige Buebe, die si nit hie,
Sie si uf de Bärgen und hüete d Chüe.

Sie sie dert obe wohl uf em Grat
U horne dem Bethli früeh u spat:

Lugga, Lugga, die gueti Chue,
Sie muess gägen Underwalde zue!"

"Jetz will i tapfer de Bärge nah,
Bis dass i mi Laubi wieder ha."

Über das Lied

(Unterwaldnerlied, oder Die verlorene Kuh)

Wyss (Texte Nr. 45) gibt den Text in 10 zweizeiligen Strophen, bemerkt aber dazu, dass nur Strophe 3, 5 und 7 alt seien und dass er versucht habe, das Fehlende zu ergänzen. Mir standen ausserdem zur Verfügung: Niederschriften aus Lützelflüh (aus einem alten Liederheft der Frau Witwe Bärtschi im Waldhaus), aus Signau (mitgeteilt durch Herrn Friedr. Maibach in Neuenburg), aus dem Kt. Bern (von Frau Ramseier in Körbligen-gisikon, übermittelt durch Herrn J. Rolls in Gisikon) und aus Grindelwald (von Herrn Bleuer, Bater, im Moos). Die letztgenannte Fassung allein enthält die Strophe, die den Kern des Liedes zu bilden schein:

Lugga, lugga, die gueti Chue, Sie muess gägen Unterwalden zue.

Wenn nämlich die Volkssage recht hat,, so reicht der Ursprung des Liedes in die Zeit der Feindseligkeiten (Viehdiebstähle) zwischen Unterwaldnern und Oberhaslern im 14. Jahrhundert zurück, und die angeführte Strophe wäre der Warnungsruf, mit dem, bei einem Einfalle der Unterwaldner im Jahre 1341, ein Senne auf dem Chüemattenhubel sein Mädchen vor der Gefahr warnte. (S. Em. Friedli, "Grindelwald und W. Zobrist im "Hardermannli" 1908, Nr. 12: Ein Überfall auf der Planalp.) "Lugga" ist ein noch jetzt gebräuchlicher Kuhname (aus Julia?). In den heute bekannten Fassungen des Liedes ist der ursprüngliche Sinn der Handlung verwischt; auch die Neckerei ist unklar. Die Melodies ist notiert von Herrn Hans Noser, Dietwil (Aargau).

In den von J. Jegerlehner gesammelten Walliser Sagen ("Am Herdfeuer der Sennen") kommt ein böser Geist vor, der auf den reichsten Alpweiden des Lötschentals die Kühe nachts aus den Ställen in wilder Jagd über Höhen und Tiefen treibt. Seine Verwünschung lautet:

Hei, lobe, bruni Chueh, Lauf dem Mutzlihore (Mutthorn) zue!

Näher verwandt mit unserer Sage ist die von einem Raubzug der Glarner auf den Flimser Stein (erzählt von D. Jecklin in "Volkstümliches aus Graubünden" II. Teil). Ein Senne, der sich retten kann, warnt die Bewohner duch den Ruf:

"Trubina! Trubina! 's Landammas di bru Chua / Mit der grossa Schälla und alls goht vorna duri / Dem Glarnerland zua" usw.

Vgl. auch Lütolf, Sagen aus den V Orten: der rettende Hirt und sein Horn (Volkslied aus dem Wallis)

 

 

Quelle: Im Röseligarte, Schweizerische Volkslieder