Weiterversuchen - oder aufgeben?

Wann ist Stillen nicht möglich?

Es gibt nur ganz wenige medizinische Gründe, die gegen Stillen sprechen, sodass gleich nach der Geburt abgestillt werden muss. Diese sind:

  • Frauen, die HIV-positiv sind, sollten nach der z.Zt. gültigen Expertenmeinung nicht stillen, obwohl die Übertragungsrate bei ausschliesslichem Stillen wahrscheinlich sehr gering ist. Bei HIV-positiven Müttern unter antiretroviraler Therapie (ART) ist die Ansteckungsgefahr zwar kein Problem, aber der Übergang der Medikamente in die Muttermilch und die Auswirkungen auf das Neugeborene sind noch nicht abschliessend geklärt.
  • Eine mütterliche Tuberkulose oder aktiver Hepatitis C kann dazu führen, dass Mutter und Kind kurzfristig getrennt werden müssen, die abgepumpte Muttermilch kann in der Regel trotzdem gegeben werden. Die meisten Mütter mit  Hepatitis B und C können aber erfolgreich und gefahrlos stillen, wenn gewisse Vorsichtsmassnahmen und Untersuchungen durchgeführt werden. 
  • Die Einnahme bestimmter Medikamente kann dagegen ein Grund sein, die abgepumpte Milch zu verwerfen - es muss dann aber nicht grundsätzlich abgestillt werden, wenn das Stillen nach der Behandlung weitergeführt werden soll. 
  • Bei Frauen, die eine Brustoperation hinter sich haben, kann das Stillen erschwert oder sogar unmöglich sein. Dabei sind Brustvergrösserungen weniger häufig ein Problem als Verkleinerungen.
  • Und wenn sich bei Ihrem Baby z.B. eine Unverträglichkeit wie die Laktose-(Milchzucker)Allergie herausstellt, muss auf eine andere Ernährungsform umgestellt werden.

Mindestens vier von fünf frischgebackenen Müttern wollen heutzutage ihre Babys stillen. Tatsächlich kann praktisch jede Frau stillen, wenn sie will, wenn sie von ihrer Umgebung unterstützt wird und umfassend informiert ist. Selbst bei einer Frühgeburt sollte die Milchproduktion mit der entsprechenden Hilfe erfolgreich anlaufen. So können Sie Ihrem Kind mit der abgepumpten Muttermilch auf der Intensivstation eine wertvolle Starthilfe geben.

Es spielt auch überhaupt keine Rolle, wie gross Ihre Brust ist. Selbst eine kleine Brust kann ausreichend Milch produzieren, denn die Brust ist ja kein Reservoir, sondern eine Produktionsstätte. Und wie gut das funktioniert, sieht man an den vielen Zwillingsmüttern, die erfolgreich beide Kinder stillen.

Hohlwarzen und Flachwarzen (die letzteren treten auf Druck hervor) sind ebenfalls kein Stillhindernis. Abbrausen mit kaltem Wasser führt zu einem Zusammenziehen der Milchgänge um die Muskelfasern herum und zum Hervortreten der Brustwarzen, sodass das Baby sie besser fassen kann.  Mit Hilfe von Brustwarzenformern kann die Brustwarze schon während der Schwangerschaft auf das Stillen vorbereitet werden. Stillhütchen sind nach der Geburt unter Umständen vorübergehend hilfreich, z.B. bei wunden Brustwarzen und starken Schmerzen beim Stillen.

Die meisten Infektionskrankheiten bei der Mutter sind kein Grund, auf das Stillen zu verzichten. Bei Windpocken, Herpes simplex und Herpes Zoster (Gürtelrose), aber auch Hepatitis A, und B kann durch Abdecken des befallenen Areals, durch Simultanimpfung oder Gabe von Immunglobulin ein ausreichender Schutz gewährleistet werden.

Bei Müttern mit CMV-Infektion (Zytomegalie) war das Stillen bisher problematisch, denn auch über die Muttermilch kann die Infektion auf das Neugeborene übertragen werden. Ihnen wurde geraten, auf das Stillen zu verzichten. Eine technische Innovation hat in den letzten Jahren dieses Problem gelöst: Durch kurzzeitiges Erhitzen und rasches Abkühlen gelingt es nämlich, Muttermilch so zu behandeln, dass wichtige Eiweisse ihre Aktivität behalten, das Cytomegalie-Virus aber thermisch inaktiviert wird.   


Häufige Frage

Ich habe Fieber. Darf ich weiterhin stillen?

Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH