Familie im Familienbett
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Familienbett wider Willen

Eltern und Kinder in einem einzigen grossen Bett? Für manche Mütter und Väter ist das eine traumhafte Vorstellung und darum gestalten sie mit viel Liebe und Hingabe eine wunderbare Schlaflandschaft, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Familienmitglieder gerecht wird. Andere hingegen möchten ganz gerne ohne ihre Kinder schlafen, hören aber nachts immer wieder kleine Füsse durch den Flur tapsen und finden sich kurz darauf vom quer liegenden Nachwuchs an die Bettkante gedrängt. So geht es Nacht für Nacht und plötzlich hat man ein Familienbett, obschon das nie so geplant war.

Natürlich können Sie sich irgendwie damit arrangieren, in beengten Verhältnissen zu schlafen, doch wenn Sie Ihr Bett nur widerwillig mit den Kindern teilen, ist das auf Dauer keine Lösung. Vermutlich wird irgendwann auch Ihr Rücken protestieren, wenn Sie immer wieder frustriert das Sofa aufsuchen, um wenigstens ein paar Stunden ungestörten Schlaf zu bekommen. Doch was tun?

In einem ersten Schritt ist es sicher hilfreich, wenn Sie sich bewusst machen, dass Kinder nicht zu den Eltern ins Bett gekrochen kommen, um ihnen auf den Nerven herumzutanzen. Meistens steckt hinter den nächtlichen Besuchen nämlich ein echtes Bedürfnis nach Nähe. Vielleicht müssen die kleinen Weltentdecker die Kuschelzeit nachholen, für die sie tagsüber vor lauter Abenteuerlust keine Zeit hatten. Vielleicht wirkt auch alles, was bei Tageslicht betrachtet vollkommen harmlos war, plötzlich so bedrohlich, wenn es im Kinderzimmer dunkel wird. Oder vielleicht gehört Ihr Kind zu den Menschen, die nachts auf gar keinen Fall alleine schlafen möchten.

Zerbrechen Sie sich nicht unnötig den Kopf, wenn Sie keinen eindeutigen Grund für die nächtlichen Besuche ausmachen können. Wichtig ist in erster Linie die Erkenntnis, dass Ihr Kind kein kleines Monster ist, das Ihnen böswillig die Nachtruhe rauben will. Dies hilft Ihnen, die Sache gelassener zu sehen. Dann steht nicht mehr die Frage im Zentrum, wie Sie die ungebetenen Gäste möglichst schnell wieder aus Ihrem Bett bekommen. Statt dessen können Sie sich darauf konzentrieren, wie Sie es schaffen, dem kindlichen Bedürfnis nach nächtlicher Nähe nachzukommen, ohne dass dabei Ihr Bedürfnis nach Schlaf auf der Strecke bleibt.

Nähe bieten,...

Für manche Eltern sieht die Lösung so aus, dass sie dem Familienbett halt doch eine Chance geben. Mit einem grösseren Bett oder einen Matratzenlager schaffen sie genügend Platz, so dass alle bequem schlafen können. Andere bleiben dabei, dass sie ihr Bett nicht mit den Kindern teilen möchten, stellen aber ein Beistellbett für die nächtlichen Besucher ins Elternschlafzimmer. Wieder andere legen eine Matratze ins Kinderzimmer, um bei dem Kind schlafen zu können, wenn es nicht alleine sein kann. Falls Sie mehrere Kinder haben, kann es auch sinnvoll sein, die Geschwister im gleichen Zimmer schlafen zu lassen,  damit nachts kein Gefühl von Einsamkeit aufkommt. 

... ohne die Privatsphäre ganz aufzugeben

Über die Frage, wie sie dem kindlichen Bedürfnis nach nächtlicher Nähe gerecht werden können, machen sich die meisten Eltern viele Gedanken. Der eigene Wunsch nach Ruhe und Privatsphäre geht darob leider oft vergessen. Wenn das Elternschlafzimmer zum Familienschlafzimmer wird, verlieren Mama und Papa nicht selten ihren einzigen Rückzugsort. Ob es Ihnen nun mitten in der Nacht zu eng wird im Familienbett, ob Sie krank sind und Ruhe brauchen oder ob Sie die Zweisamkeit mit Ihrem Partner geniessen möchten, ohne dabei dem Schnarchen der Kinder zu lauschen - zum Ausweichen bleibt vielmals nur das Sofa. Sofern es die räumlichen Verhältnisse zulassen ist ein Zimmer oder zumindest eine Nische, die ganz den Eltern gehört, darum bestimmt kein unnötiger Luxus. Wenn ein Kind schon grösser ist, können Sie sich mit ihm darüber unterhalten, ob es auch andere Wege gibt, wie es sein Bedürfnis nach Nähe stillen kann, so dass es nur noch im Notfall zu Ihnen ins Bett kommt, beispielsweise, wenn es sich vor etwas fürchtet.

Eine Patentlösung für Nächte, in denen keiner zu kurz kommt, gibt es nicht. Wichtig ist aber, dass Sie die Dinge nicht einfach zähneknirschend hinnehmen, sondern aktiv nach einer Lösung suchen, hinter der alle Beteiligten stehen können. Unter Umständen kann es mehrere Jahre dauern, bis die Eltern ihr Bett wieder jede Nacht ganz für sich haben und guter Schlaf ist einfach zu wichtig, als dass man sich über längere Zeit mit einer unbefriedigenden Lösung abfinden sollte. 

Letzte Aktualisierung : 10.2018, TV

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