Töpfchen und Toilettensitz

Ab wann aufs Töpfchen?

Im zweiten Lebensjahr kann das Kind durch die Ausreifung des Rückenmarks seine volle Blase spüren, aber noch nicht kontrollieren. Es merkt aber langsam, dass etwas "in die Hose" gegangen ist.

Mit 24 bis 48 Monaten können die meisten Kinder tagsüber den Urin bewusst zurückhalten. Die nächtliche Blasenkontrolle gelingt durchschnittlich erst ein halbes Jahr später als das Trockenbleiben tagsüber. Die Sauberkeit beim Stuhlgang geht dagegen oft schon deutlich früher. Im Alter von sechs Jahren ist schliesslich die Blasenkontrolle komplett ausgereift und das bewusste "Pipimachen" möglich.

Der Abschied von der Windel fällt Mädchen generell leichter als Knaben. Für das Topftraining ist der beste Zeitpunkt im Sommer, weil zur warmen Jahreszeit auch mal auf die Windel verzichtet werden kann. Voraussetzung ist aber, dass das Kind seinen Darm und seine Blase kontrollieren kann. Irgendwann ist jedes Kind soweit und möchte nichts lieber, als die Erwachsenen zu imitieren. Insofern ist Sauberwerden nichts anderes als Laufenlernen.

Beachten Sie!

Interview

Remo H. Largo: Was verstehen wir unter Entwicklung?

Ein verfrühtes Toilettentraining bringt keine Vorteile, wie eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2003 gezeigt hat. Nathan Blum und Kollegen vom Universitätskinderkrankenhaus in Philadelphia hatten die Eltern von 378 Kleinkindern bis zu 19 Monate lang immer wieder zu ihren Erfahrungen mit dem Toilettentraining befragt. Das Ergebnis: Kinder, die schon vor dem 27. Monat an das Töpfchen gewöhnt wurden, machten noch genauso lang in die Windeln wie ihre Altersgenossen, die bis zu diesem Monat noch frank und frei drauflosmachen durften. Sie brauchten durchschnittlich ein Jahr, bis ganz auf Windeln verzichtet werden konnte. Gewöhnt man die Kinder aber erst ab ihrem 27. Monat ans Töpfchen, lernen sie es in durchschnittlich sechs Monaten. Mädchen hatten es im Schnit schon mit drei Jahren geschafft, Knaben benötigten im Schnitt zwei Monate länger. Frühes Toilettentraining schade den Kindern zwar nicht, so das Ergebnis der Studie, aber es sei für Kinder und Eltern frustrierend, weil es so lange dauere.

Jedes Kind braucht seine Zeit zum Sauberwerden - und das hat nichts mit Intelligenz zu tun! Eltern können ihr Kind dabei unterstützen und es zur Selbständigkeit ermuntern. Oft hilft ein interessantes Töpfchen oder "Häfi", eine Kinder-WC-Brille, ein Tritt vor dem WC. Sauberkeitserziehung ist aber kein Wettbewerb! Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo, das durch forcierte Sauberkeitserziehung nicht beschleunigt werden kann. Das wichtigste Hilfsmittel ist eine grosse Gelassenheit auf Ihrer Seite. 

Am besten beginnt man damit, wenn das Kind von sich aus Signale setzt, z.B. wenn das Kind mitzuteilen beginnt, dass es in die Windel gemacht hat. Oder aber, wenn es Interesse zeigt, die Mutter oder den Vater auf die Toilette zu begleiten. Wenn der Gang zum Töpfchen erfolgreich war, ist es wichtig, das Kind zu loben. Bei kleinen Pannen in der Anfangszeit sollten Sie lieber schweigen als Enttäuschung zu zeigen oder gar zu schimpfen. Achten Sie auf praktische Kleidung, die Ihr Kind im Fall eines Missgeschicks selbst ausziehen kann. 

Unterwegs sein mit einem Kind, das gerade in der Phase des Toilettentrainings ist, kann ganz schön aufregend werden. Müssen Sie doch immer ganz rasch reagieren, wenn Ihr Kind Ihnen ein Bedürfnis zu verstehen gibt - und wissen, wo sich das nächste WC befindet. Zur Not sollte da auch einmal der Strassenrand oder die Gosse herhalten können - bei Hunden findet ja auch niemand etwas dabei! Für den Stuhlgang sollten Sie ein Plastiksäckchen zur Entsorgung in der Tasche haben.


Diskussion im swissmom-Forum

Trocken werden


 

 

Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH