Vitamin-D3-Tropfen und Fluorprophylaxe

Rachitis- und Karies-Prophylaxe

Alle Säuglinge erhalten im ersten Lebensjahr (ab der zweiten bis fünften Lebenswoche) 400 bis 500 Einheiten Vitamin D (Vitamin D3) täglich. Bei Frühgeborenen wird oft die doppelte Dosis, dh bis zu ca. 800 I.E. verordnet.

Diese Vitamingabe dient zur Vorbeugung von Rachitis. Charakteristisch für die Rachitis sind weiche, verformbare und im Längenwachstum gestörte Knochen wie zum Beispiel ausgeprägte O- oder X-Beine, ausserdem Muskelschwäche und verzögertes Wachstum. Die „Englische Krankheit“ wurde erstmal beschrieben in der Zeit der Industrialisierung Englands. Fabriken und Bergwerke entstanden, Qualm und Abgase mischten sich mit dem Rauch der landesüblichen Kamine und verdunkelten die Sonne immer mehr.

Die Vitamin-D-Mangel-Krankheit entsteht nämlich, wenn durch einen Mangel an UV-Strahlen (Sonnenlicht) die Umwandlung inaktiver Vitamin-D-Vorstufen in das wirksame Vitamin-D3 im Körper des Kindes vermindert ist. Dieses Vitamin braucht der Körper nicht nur zum Aufbau der Knochen, sondern auch zur Versorgung der Herzmuskel und des Nervensystems mit Kalzium. Durch intensive Sonnenbäder allein kann ein Vitamin-D-Mangel allerdings nicht ausgeglichen werden, und diese würden Ihrem Kind wegen der UV-Strahlung auch eher schaden.

Besonders bei Frühgeborenen und bei nicht-gestillten Babys ist das Rachitisrisiko gross. Ein Mangel an Vitamin D droht aber auch allen anderen Babys: Die sonst so wertvolle Muttermilch enthält nämlich nur geringe Mengen an Vitamin D, die für die Versorgung des gestillten Babys nicht ausreichen. Das gilt auch für die Flaschennahrung. Um das Rachitisrisiko weiterhin in Schach zu halten, bekommen heute deshalb fast alle Babys vorsorglich Vitamin D-Präparate. Die Rachitis-Prophylaxe sollte mindestens bis zum Ende des ersten Lebensjahres durchgeführt werden. Fällt der erste Geburtstag in die sonnenarmen Wintermonate, können Sie die Vitamingabe noch bis zum nächsten Frühjahr fortsetzen.

Es fällt aber auch noch im Kleinkindalter nicht leicht, die ausreichende Versorgung aus der Nahrung zu sichern: Nennenswerte Mengen des Vitamins finden sich nämlich nur in fettem Seefisch (z. B. Lachs, Hering, Makrele, Lebertran), in Eiern oder Milch. Um den empfohlenen Bedarf von täglich zwischen 400 und 800 I. E. Vitamin D zu decken, müsste man mindestens drei bis vier Fischmahlzeiten pro Woche zu sich nehmen (oder mindestens 10 Eier täglich essen). Viele Kinderärzte fordern deshalb, die Rachitisprophylaxe auch nach dem ersten Geburtstag noch für einige Jahre mit 400 I.E. täglich fortzusetzen.

Neuere Untersuchungen aus England legen ausserdem nahe, dass sich bei Kindern, die Vitamin D bekommen haben, später seltener ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) entwickelt. Ausserdem scheint Vitamin D3 auch gegen Osteoporose, Multiple Sklerose, Bluthochdruck, Muskelschwäche und sogar vor diversen Krebsformen zu schützen

Vitamin D kann mit Fluorid kombiniert und als Kombinationstablette gegeben werden. Damit wird gleichzeitig eine Vorbeugung von Karies (Schäden im Zahnschmelz) erreicht. Fluorid wird bis zum vollständigen Zahnwechsel, also bis zum 6. Lebensjahr empfohlen. Allerdings kann man schon früher auf die Tabletten verzichten, sobald das Kind an der normalen Ernährung der Familie teilnimmt. Voraussetzung: Es wird Fluorsalz (fluoridiertes Kochsalz, grüne Packung) verwendet.

Zusätzlich können Sie schon in der Säuglingszeit etwas für die zukünftige Zahngesundheit Ihres Kindes tun, wenn Sie ihm wenig Gezuckertes, vor allem keine Teefläschchen mit gezuckertem Tee geben und das Fläschchen nicht als Nuckelfläschchen einsetzen. Alle Flaschenmahlzeiten sollten nur solange dauern, wie es für das Sattwerden nötig ist.

Häufige Frage

Ich finde es skandalös, dass die Vitamin-D-Tropfen für Babys mit Alkohol vermischt sind. Welche Alternative hat man da?.


Wissen

Überdosierung von Vitamin D?


Newsticker

Gross und stark! | 12.12.2017

Wie eine Studie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL in Bern zeigt, ernähren Schweizer Eltern ihre Kleinkinder fast richtig. Insgesamt 188 Teilnehmende führten Tagebuch darüber, was ihre Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren zu essen bekamen. Nicht ausreichend sei vor allem die Versorgung mit Vitamin D. Nur 17 % der Kinder erhielten zusätzlich Vitamin D, was neu bis zu einem Alter von 18 Jahren empfohlen wird. Auch bei der Eisenaufnahme hapert es. Die untersuchten Kinder seien zwar alle gesund gewesen, ein früher Eisenmangel könne aber negative Langzeitfolgen haben. Dagegen werde die empfohlene Tagesration von 1 g Eiweiss/kg Körpergewicht in der Schweiz um das Drei- bis Vierfache übertroffen, was an der milchreichen Ernährung liege. Um einen Kalziummangel zu vermeiden, sollte aber nicht an Milchprodukten, sondern eher an anderen Eiweissquellen gespart werden.

Newsticker

Vitamin-D-Mangel bei Babys? | 13.05.2016

Die Haut von Säuglingen ist feuchtigkeitsarm, dünn und verfügt noch über keinerlei Eigenschutzmechanismen. Sie reagiert deshalb auf UV-Strahlung besonders empfindlich, direkt mit Sonnenbrand und später mit Hautkrebs, weshalb für Babys direkte Sonne tabu ist. Schützende Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille dürfen bei keinem Spaziergang fehlen. Das Dilemma: Der Körper stellt Vitamin D, das eine wichtige Rolle bei der Knochenbildung spielt, mit Hilfe natürlicher UV-Strahlung selbst her. Babys und Kleinkinder bis zirka zwei Jahren sollten trotzdem vor Sonne geschützt werden und ihren Vitamin-D-Bedarf durch ein Vitaminpräparat erhalten. Ältere Kinder können ihren Bedarf im Sommer aktiv über die Haut decken und dürfen dreimal pro Woche kurz ungeschützt in die Sonne.

Letzte Aktualisierung : 05.2016, BH

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