Der Ductus Botalli - was ist das?

Meist meint man damit den "Ductus arteriosus botalli apertus". Der Ductus Botalli ist nämlich eigentlich ein vor der Geburt ganz normaler kurzer Gang, ein Kurzschluss zwischen Lungenarterie und Aorta, sehr wichtig solange das Baby noch nicht selbst atmet. Nach der Geburt sollte er sich schliessen. Das passiert aber bei unreifen Neugeborenen häufig nicht von selbst. Die Folge ist, dass sauerstoffreiches Blut aus der Aorta nicht vollständig in den übrigen Körper, sondern zumindest teilweise in die Lungenarterie zurückfliesst. Der Körper und seine übrigen Organe werden nicht ausreichend versorgt, die Lungen dagegen überlastet. 

Das Baby zeigt nach der Geburt oft kaum Symptome eines Herzfehlers. Bei einer der ersten Routineuntersuchungen fällt dann evtl. ein Herzgeräusch auf. In vielen Fällen wächst sich dieses Geräusch aus, d.h. der noch offene Ductus schliesst sich etwas verspätet doch noch von selbst. Dennoch muss sorgfältig untersucht werden, wie stark sich dieser Kurzschluss auswirkt: Immerhin in 15% kommt es ohne Behandlung noch im Säuglingsalter zu den Zeichen einer Herzinsuffizienz mit möglicherweise Hirnblutungen, Darmkomplikationen wegen der unzureichenden Durchblutung und eine Überbeanspruchung der Lungen.

Mit einer relativ einfachen Therapie können solche Folgen vermieden werden. Kleinere Verbindungen können mit Medikamenten (Indomethazin, Ibuprofen) oft erfolgreich zum Verschluss angeregt werden. Grössere werden heute meist mit Implantaten verschlossen. Nützt das nichts, bleibt noch die chirurgische Durchtrennung des Verbindungsgangs. Ein ledigliches Abbinden wird heute nicht mehr unbedingt empfohlen, weil es dabei zu einer Wiederöffnung kommen kann. 

Stand: 04/14, BH

Letzte Aktualisierung : 07-11-19, BH