Geburtsverletzungen (Knochen und Nerven)

Weil der Geburtskanal so eng ist, kann es besonders bei grossen, schweren Kindern zu Verletzungen und sogar Knochenbrüchen kommen. Ausserdem sind Kopfgeschwülste recht häufig.

Knochenverletzungen: 1-2% aller Neugeborenen haben einen Schlüsselbeinbruch. Erst Tage nach der Geburt fällt auf, dass der Arm der betroffenen Seite weniger bewegt wird. Oft ist über dem Schlüsselbein nach etwa einer Woche ein kleiner, fester Knoten zu tasten. Dies ist neugebildete Knochensubstanz (Schwiele oder Kallus), die um die Bruchstelle herum entsteht. Das gebrochene Schlüsselbein ist nach innen eindrückbar. Das Kind kann bei Bewegung Schmerzen haben und sollte deshalb vorsichtig gelagert werden. Mehr braucht meist nicht getan zu werden, denn der Knochen heilt auch ohne Gips oder Verband von selbst stabil ab, sogar Fehlstellungen werden ausgeglichen. Üblicherweise kommt es auch nicht zu Gefäss- oder Nervenschädigungen. In der Regel ist noch nicht einmal ein Röntgenbild oder eine Ultraschalluntersuchung zur Diagnosestellung notwendig.

Seltener als ein Schlüsselbeinbruch sind Arm- und Beinbrüche. Auch Knochenbrüche am Schädel sind selten, müssen aber häufig operiert werden, um Druckschädigungen am Gehirn zu vermeiden.

Nervenverletzungen: Liegt ein Ärmchen nach innen gedreht schlaff am Körper und wird es kaum bewegt, kann auch eine Plexusparese, also ein Nervenschaden im Schultergürtelbereich, vorliegen. Früher dachte man, dass diese Kinder eine schwere Geburt hatten, bei der die Armnerven gedehnt, gezerrt, durch einen Schlüsselbeinbruch verletzt oder sehr selten auch ausgerissen sind. Die neueren Erkenntnisse lassen jedoch eher vermuten, dass eine Plexuslähmung sogar schon vorgeburtlich entsteht. Es wird eine häufige obere (Erbsche Lähmung) von einer seltenen unteren Lähmung (Klumpkesche Lähmung) des Armnervenplexus unterschieden. In den ersten Tagen, in denen die Verletzung noch schmerzhaft sein kann, sollten die Kinder vorsichtig gelagert werden. Dann sollte jedoch schon bald mit krankengymnastischen Übungen (z.B. nach Vojta) begonnen werden. Auch eine mikrochirurgische Nervennaht kann in manchen Fällen sinnvoll werden. Die Prognose ist abhängig vom Ausmass der Nervenschädigung, deshalb lässt sich anfangs leider schwer vorhersagen, ob die Verletzung völlig ausheilt.

Bei einer Zangengeburt oder wenn das Gesicht des Kindes stark auf einen Knochenvorsprung im Becken der Mutter gedrückt wurde, kann es zu einer vorübergehenden Lähmung eines Gesichtsnerven (Fazialisparese) kommen. Die Kindern haben ein schiefes Schreigesicht, und die Nahrung fliesst auf der kranken Seite es Mundes wieder heraus. Die wichtigste Massnahme besteht darin, das Auge mit Salbe vor Austrocknung zu schützen, weil das Augenlid nicht vollständig geschlossen werden kann. Die Aussichten sind aber sehr günstig, denn dieser Nervenausfall bildet sich meist innerhalb weniger Wochen, manchmal sogar innerhalb von Tagen zurück.

Stand: 02/16, BH