Wie man Frühgeburten vermeiden kann

Am 17. November 2014 ist der „Weltfrühgeborenentag“. Und der betrifft nicht wenige: 6-8% der Kinder in Europa kommen als Frühgeburt zur Welt. Ursachen für den Anstieg in den letzten 30 Jahren und mögliche Massnahmen dagegen wurden beim diesjährigen Gynäkologen-Kongress in München vorgestellt.

Trotz bester Versorgung ist auch eine „späte“ Frühgeburt nach der 34. Schwangerschaftswoche immer noch mit erhöhten Risiken behaftet. Probleme gibt es vor allem bei der Lungenentwicklung, die bis zur 38./39. Woche andauern kann. In der 35. Schwangerschaftswoche geborene Kinder haben immer noch ein um zwei- bis dreifach erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Neugeborenen, die termingerecht zur Welt kommen.

Wie können Frühgeburten also vermieden werden? Prof. Daniel Surbek, Chefarzt an der Universitäts-Frauenklinik am Inselspital Bern, sieht als wichtigste Gründe für die Zunahme der Frühgeburtenrate, dass immer mehr Zwillinge und Mehrlinge geboren werden, die Frauen immer später schwanger werden und durchschnittlich mehr Gewicht auf die Waage bringen. Das sind leider Faktoren, auf die von Seiten der Frauenärzte kaum Einfluss genommen werden kann.

Andere Faktoren können aber vermieden oder behandelt werden. Prof. Surbek fasst die sechs wichtigsten Massnahmen zur Reduktion des Frühgeburtsrisikos zusammen:

  1. Die wichtigste Massnahme ist der Verzicht auf Nikotin. Das Rauchen sollte idealerweise bereits vor Eintreten der Schwangerschaft eingestellt werden.
  2. Auch Mehrlingsschwangerschaften sind ein Risikofaktor. Um diese im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung zu vermeiden, soll z.B. bei IVF die Anzahl der eingesetzten Embryonen reduziert werden.
  3. Eine Cerclage, also ein Verschluss des Muttermundes, ist nicht mehr nur nach zwei oder mehr späten Fehlgeburten angebracht, sondern nun auch bei Frauen nach einer Frühgeburt und jetziger Zervixverkürzung. Auch bei bereits leicht geöffnetem Muttermund ist die Wirksamkeit einer Cerclage nachgewiesen.
  4. Ein relativ einfacher und guter Hinweis auf eine drohende Frühgeburt ist die Zervixverkürzung, die im Ultraschall erkennbar ist. Eine Progesteron-Therapie kommt infrage bei schwangeren Frauen mit Zervixverkürzung, die noch keine vorzeitigen Wehen haben, sowie bei Frauen, die bereits eine Frühgeburt hatten. Sie kann das Frühgeburtsrisiko um etwa 50% reduzieren, bei geringem Nebenwirkungsrisiko.
  5. Bisher wurde eine Frühgeburt oft bewusst in Kauf genommen, wenn die Fortführung der Schwangerschaft risikoreicher wäre. Bei Schwangeren beispielsweise, die in einer vorhergehenden Schwangerschaft eine Präeklampsie hatten, kann heute die Einnahme von ASS (Aspirin) das Frühgeburtsrisiko um etwa 50% reduzieren.
  6. Bakterielle Scheidenentzündungen erhöhen das Risiko für Frühgeburten um das zwei- bis vierfache. Eine konsequente Behandlung, z.B. mit Breitspektrum-Antibiotika, kann das Frühgeburtlichkeitsrisiko dagegen halbieren.

Stand: 11/14, BH