Vitamin D und Nahrungsmittelallergien

Vitamin D hat seit jeher einen guten Ruf: Es stärkt die Knochen, schützt gerade in der kalten Jahreszeit vor Infektionen und unterstützt das Nerven- und Muskelsystem. Säuglinge erhalten Vitamin D seit rund 50 Jahren zur Rachitis-Prophylaxe und älteren Frauen wird zur Prophylaxe der Osteoporose Vitamin D verordnet, wenn die Produktion in der Haut nicht ausreichen sollte.

Vor der Geburt ist das Kind ganz auf die Versorgung durch die Schwangere angewiesen, doch die Einnahme von Vitamin D-Ergänzungspräparaten will genau überlegt sein. Zu viel des Guten kann der Gesundheit manchmal schaden. Seit Ende der 1990er Jahre diskutieren Experten nämlich über einen möglichen Zusammenhang zwischen einem hohen Vitamin-D-Spiegel im Blut von Schwangeren und der Entstehung von Allergien beim Kind.

Diese Hypothese wird jetzt durch die Ergebnisse der „Lifestyle and environmental factors and their Influence on Newborns Allergy risk“ oder LiNA-Studie gestützt. Sie umfasst eine Gruppe von 622 Müttern mit 629 Kindern, die zwischen 2006 und 2008 am Städtischen Klinikum St. Georg in Leipzig rekrutiert wurden und seither regelmässig nachuntersucht werden. In der Klinik wurde den Schwangeren und bei der Geburt auch den Kindern aus der Nabelschnur Blut entnommen, der Vitamin D-Spiegel darin bestimmt und verglichen mit den Angaben der Mütter zu Allergien bei den Kindern.

Ergebnis: Wurde bei den werdenden Müttern ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut nachgewiesen, traten bei ihren zweijährigen Kindern Nahrungsmittelallergien seltener auf als bei werdenden Müttern mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel. Die Forscher folgern daraus, dass ein hoher Vitamin-D-Spiegel das Allergierisiko erhöht, wofür auch ein direkter Zusammenhang der Vitamin-D-Spiegel mit erhöhten Konzentrationen an spezifischem Immunglobulin E gegenüber Nahrungsmittelallergenen wie Hühnereiweiss, Milcheiweiss, Weizenmehl, Erdnuss oder Sojabohne im Blut der Zweijährigen spreche.

Als Ursache wird ein Mangel an regulatorischen T-Zellen vermutetet, deren Konzentration im Nabelschnurblut bei den später nahrungmittelallergischen Kindern vermindert war. Ein Zuviel an Vitamin D unterdrückt möglicherweise die Entwicklung von regulatorischen T-Zellen und steigert damit das Allergierisiko. Regulatorische T-Zellen haben die Aufgabe, eine Überreaktion des Immunsystems auf Allergene zu verhindern und die Kinder dadurch vor späteren Allergien zu schützen.

Der Vitamin-D-Spiegel wird neben der Ernährung hauptsächlich von Bedingungen wie Jahreszeit, Sonnenexposition und Aufenthalt im Freien beeinflusst, was in der Studie  berücksichtigt wurde. So konnten sie nachweisen, dass es sowohl bei der Schwangeren, wie auch beim Kind jahreszeitliche Schwankungen des Vitamin D-Spiegels gibt, die mit der vermehrten Sonnenexposition in den Sommermonaten zusammenhängt.

Die Forscher würden Schwangeren eher nicht empfehlen, Vitamin D-Ergänzungspräparate einzunehmen. "Basierend auf unseren Daten kann ein Zuviel an Vitamin D letztlich das Risiko erhöhen, dass die Kinder im Laufe der ersten beiden Lebensjahre eine Nahrungsmittelallergie entwickeln."

Auf keinen Fall aber sollten Mütter die Vitamin D-Ergänzung im ersten Lebensjahr aus Angst vor möglichen Allergien aufgeben, denn die positive Wirkung für die Knochengesundheit und als Rachitisvorbeugung ist seit langer Zeit bewiesen. Schliesslich wird die Entstehung von Nahrungsmittelallergien bei weitem nicht allein vom Vitamin D-Spiegel beeinflusst.

Quelle: K. Weiße et al.: Allergy 2013; 68: 220–228

Stand: 3/13, BH