„Schwere“ Ultraschalluntersuchung

Knapp ein Viertel unserer Bevölkerung hat deutliches Übergewicht – darunter zunehmend auch Frauen im gebärfähigen Alter. Fettleibigkeit in der Schwangerschaft ist jedoch mit allerlei Risiken für Mutter und Kind verbunden.

Mehrere Studien belegen, dass Fehlbildungen beim Kind, wie etwa angeborene Herzfehler, sogenannte Neuralrohrdefekte wie der „offene Rücken“ und Fehlbildungen an Armen und Beinen umso häufiger sind, je mehr eine Frau schon vor der Schwangerschaft auf die Waage bringt. Solche Fehlbildungen können durch Ultraschallaufnahmen normalerweise gut erkannt werden. Allerdings liefert die Sonografie im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge gerade bei dickeren Bauchfettschichten oft wenig aussagekräftige Bilder, weil die Ultraschallwellen nicht tief genug in den Bauch eindringen können - trotz aller technischen Fortschritte.

In einer jüngst im Fachmagazin „Seminars in Perinatology“ erschienenen Publikation hat die amerikanische Wissenschaftlerin Beryl Benacerraf, Ultraschallexpertin und Professorin für Radiologie an der Harvard-Universität, diese Problematik vor allem in der frühen Phase der Schwangerschaft systematisch untersucht. Eine Verbesserung der Bildqualität sei möglich, indem die Ultraschalluntersuchungen bei fettleibigen Schwangeren in sitzender Position durchgeführt werden – und zwar oberhalb des nach unten hängenden Bauches. Möglich sei auch die Seitenlage; in diesem Fall könne der Arzt ein Bild über die Leiste und die Flanke, also die seitliche Bauchregion der Frau, machen. Auch die Nabelregion bietet manchmal ein gutes Schallfenster.

„Grundsätzlich geht es darum, eine möglichst kurze Distanz zwischen dem Fötus im Uterus beziehungsweise seinen Organen und der Ultraschallsonde herzustellen“, erklärt Professor Dr. Gembruch, Leiter der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn. Darüber hinaus sei bei adipösen Frauen oft ein Vaginal-Ultraschall sinnvoll, insbesondere im späten ersten Schwangerschaftsdrittel. Ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft könne der Arzt auch durch äussere Einwirkung versuchen, den Fötus in eine für die Sonografie geeignete Position zu bringen. Im Zweifelsfall sollten mehrere Bilder von verschiedenen Positionen aus gemacht werden

Quelle: Benacerraf, B.: Seminars in Perinatology 2013; 37:345–347

Stand: 12/13, BH