Zervixpessar könnte die Frühgeburt von Zwillingen verhindern

Zwillingsschwangerschaften und höhergradige Mehrlinge gehören zu den häufigsten Ursachen von Frühgeburten. Ein verkürzter Gebärmutterhals (Zervix) kann ein Anzeichen für eine drohende Frühgeburt und bald einsetzende Wehen sein. Die intramuskuläre Gabe von 17-Alpha-Hydroxyprogesteron oder die intravaginale Behandlung mit Progesteron zur Wehenhemmung, die bei Einzelschwangerschaften manchmal den Geburtstermin hinauszögern können, haben sich jedoch als wirkungslos erwiesen. Die klassische Zervix-Cerclage zur Behandlung einer Muttermundschwäche kann sogar Frühgeburten auslösen.

Eine schonende Alternative könnte das Einsetzen eines Zervixpessars sein. Statt – wie bei einer Cerclage - die Zervix mit Nadel und Faden zu verschliessen, wird dabei zwischen der 16. und 20. Schwangerschaftswoche ein Silikonring über den Muttermund gestülpt. Nach Auskunft eines Herstellers wird dadurch nicht nur der Gebärmuttermund verschlossen, sondern auch günstiger zum Kreuzbein hin ausgerichtet, was die Zervix entlastet.

Die ProTwin-Studie hat jetzt das Produkt eines deutschen Herstellers an 40 Kliniken in den Niederlanden getestet. Insgesamt 813 Frauen wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Entweder wurde ein Zervixpessars eingelegt oder nichts unternommen.

Wie die Studienleiterin Dr. Sophie Liem vom Academisch Medisch Centrum in Amsterdam und Mitarbeiter berichten, erzielte das Zervixpessar in der Gesamtgruppe aller Schwangeren keine Wirkung. Bei Frauen mit Verkürzung des Muttermundes (auf weniger als 38 Millimeter) konnte das Zervixpessar jedoch die Rate von Komplikationen um die Geburt herum um 60 Prozent senken (Relatives Risiko 0,40). Bei fast der Hälfte der Frauen wurde das Pessar vor der 36. Woche entfernt, was nicht selten eine Entbindung in den nächsten 48 Stunden zur Folge hatte.

Nun sollen die Zervixpessare in weiteren Studien untersucht werden. Angesichts der geringen Kosten und der hohen Sicherheit kann nach Ansicht der Forschergruppe ein Zervixpessar bei Schwangeren mit einem hohen Risiko einer Frühgeburt schon jetzt als vorbeugende Massnahme betrachtet werden.

Quelle: Liem, S. et al.: Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)61408-7)

Stand: 8/13, BH